Willi Lemkes Blick auf Bremen

Florian Wellbrock: von der Ronzelenstraße zum Europameister

Florian Wellbrock ist in die Spitze des internationalen Schwimmsports vorgedrungen. Schon einst beim Micky-Maus-Schwimmen in der Grundschule Uphuser Straße konnte er glänzen.
10.08.2018, 22:11
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Von Willi Lemke
Florian Wellbrock: von der Ronzelenstraße zum Europameister

Dass aus Florian Wellbrock einmal ein ganz Großer werden könnte, das ahnten manche, die mit ihm zusammenarbeiteten, schon lange.

Ian Rutherford/dpa

Florian Wellbrock, ein Bremer Junge, ist in die Spitze des internationalen Schwimmsports vorgedrungen. Gold über 1500 Meter und Bronze über 800 Meter bei den Europameisterschaften in Glasgow, das ist die aktuelle Leistung des Bremers, der schon einst beim Micky-Maus-Schwimmen in der Grundschule Uphuser Straße glänzen und später bei der sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße sein Talent weiterentwickeln konnte. Wer weiß, ob er ohne das speziell auf talentierte junge Sportlerinnen und Sportler ausgerichtete Konzept dieser Schule so weit gekommen wäre.

Spielerisch wurde Florian durch seinen damaligen Trainer Kay Schultze im Schwimmverein Osterholz-Tenever an das Element Wasser herangeführt. Florian schwamm nicht nur schnell, er lernte auch schnell. Sein Trainer erkannte sein großes Talent und sprach eine Empfehlung für die sportbetonte Schule Ronzelenstraße aus.

Seit 2000 Jahren schon ist die Schule an der Ronzelenstraße das Ziel ehrgeiziger junger Sportlerinnen und Sportler aus Bremen. Von Klasse 5 bis zur Gymnasialen Oberstufe werden Kinder und Jugendliche inzwischen in 14 Sportarten mit Ganztagsbetreuung gefördert: Rhythmische Sportgymnastik, Judo, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, Handball, Mädchenfußball, Tennis, Badminton, Leichtathletik, Golf, Radsport, Hockey und Triathlon.

Das Modell der sportbetonten Schule bietet den jungen Leuten hervorragende Möglichkeiten, Sport und Schule zu vereinbaren. Hier erhalten sie neben der schulischen Ausbildung beste Trainingsmöglichkeiten und Betreuung. Zugleich wird darauf geachtet, dass die schulische Leistung nicht vernachlässigt wird. Das ist ein ganz wichtiger Faktor, denn Ehrgeiz und Begeisterung für den Sport können angesichts der Doppelbelastung, die das für diese jungen Menschen bedeutet, die Konzentration auf die schulische Ausbildung behindern. Aber das eben geschieht hier in der Regel nicht.

Die Kombination aus Sport und Schule, abgestimmten Stunden- und Bildungsplänen, Zusammenarbeit von Trainern und Lehrern machen das möglich. In diesem System konnte Florian Wellbrock sicher sein, das notwendige Trainingspensum abgestimmt auf den Schulalltag zu absolvieren: Training während der Schulzeit, Unterrichtsbefreiungen für Wettkämpfe und Trainingslager, individualisierte Trainingspläne durch die betreuenden Lehrer Trainer. Aber zugleich kümmerten sich die Fachlehrer darum, den schulischen Standard sicherzustellen, sie förderten und forderten ihn.

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Dass aus Florian Wellbrock einmal ein ganz Großer werden könnte, das ahnten manche, die mit ihm zusammenarbeiteten, schon lange: Schwimmerisch entwickelte sich da aus ihrer Sicht etwas Besonderes: ruhige Wasserlage, kraftvolle lange Armzüge, den Konkurrenten immer anlächelnd. Beim Bundesfinale der Schulen von "Jugend trainiert für Olympia – Schwimmen" war er dreimal dabei, auch als Fahnenträger Bremens.

Er war gut, aber noch keineswegs der beste Schwimmer. Das reichte ihm nicht. Er wollte mehr. Das gelang ihm durch den Wechsel nach Magdeburg, wo ihm im Bundesstützpunkt Schwimmen noch bessere Trainingsmöglichkeiten geboten werden konnten. Er ist also nicht Bremen untreu geworden, sondern setzte konsequent auf seine Weiterentwicklung.

An der Ronzelenstraße wird man stolz auf ihn und seine großartigen Erfolge sein. Zurecht, denn Lehrer und Trainer dieser Schule haben sein Talent mit dem notwendigen Können und Weitblick gefördert und entwickelt. Damit haben sie die Grundlage für die tolle Leistung geschaffen, die Florian Wellbrock jetzt in Glasgow abgeliefert hat. Dafür allen Beteiligten, besonders den Eltern dieses sympathischen Jungen, meinen herzlichen Glückwunsch.

Info

Zur Person

Willi Lemke (71) schreibt jeden Sonnabend im WESER-KURIER über seine Heimatstadt und was ihn in dieser Woche in Bremen bewegt hat.

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