Regisseur Hans König probt mit Aumunder Schülern das Stück „Stadt der Schatten“ Flucht aus Angst vor dem Drachen

Aumund. Die Bedrohung kündigt sich als dumpfes Klanggrollen an, das immer lauter wird. Heulende Töne mischen sich dazwischen.
24.01.2015, 00:00
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Von Gabriela Keller

Die Bedrohung kündigt sich als dumpfes Klanggrollen an, das immer lauter wird. Heulende Töne mischen sich dazwischen. Die Gruppe am Boden, eben noch vertieft in ihre Pflanzaktion, hält inne. Köpfe wenden sich in die Richtung, aus der sich die Gefahr nähert. Hans König unterbricht. Der Regisseur ist noch nicht ganz zufrieden. „Wenn ihr aufhört zu arbeiten, seid ihr erstmal ein paar Sekunden wie erstarrt. Erst dann guckt ihr hoch“, gibt er Anweisungen.

Zwölf Mädchen und Jungen aus der Grundschule Borchshöhe hören an diesem Tag auf sein Wort. Sie proben für das neue Theaterprojekt „Stadt der Schatten“. Es geht um Flucht und die Suche nach einer neuen Heimat mit all ihren Schwierigkeiten. Ein hochaktuelles Thema. Das ahnten aber weder die Schule noch König, als sie im Frühjahr 2014 die Idee zu dem Projekt hatten. „Wir suchten nach einem Thema, dass Kinder vor allem auch hier im Stadtteil betrifft“, erzählt König. Der Bremer Regisseur arbeitet nicht zum ersten Mal mit den Schülern aus Aumund. Vor drei Jahren inszenierte er an der Schule das Stück „Tatatuck“.

Die ganze Schule mit ihren 210 Schülern ist nach den Worten der kommissarischen Schulleiterin Gunda Strudthoff am Projekt „Stadt der Schatten“ beteiligt. Die einen als Schauspieler, andere bauen Kulissen, Requisiten und Masken. Seit November probt ein Chor von 20 Schülern unter der Leitung von Ilka Poppe. Regisseur König nutzt verschiedene Darstellungsformen, um das Thema Flucht kindgerecht umzusetzen. Dabei setzt er auf die Ausdruckskraft von bewegten Bildern ohne Worte. Gleich zu Beginn werden sie auf der Bühne Fluchtgründe anschaulich machen: religiöse Verfolgung, Krieg, Umweltzerstörung, Hunger, Kinderarbeit und Arbeitslosigkeit. Als Symbol für die Bedrohung tritt ein Drache auf, den Bühnenbildnerin Sabine Gedenk mit Kindern noch bauen wird. In einer Szene zur Klimakatastrophe wird das Ungeheuer Feuer in Form von gelbem Rauch speien und selbst gebastelte Palmen zerstören. „Das wird eindrucksvoll werden“, verspricht der Regisseur.

Die sechs Lernhäuser der Schule stellen jeweils eine Szene dar. „Aus jedem Haus werden einzelne Kinder ein Flüchtlingsschicksal erzählen von der Flucht über die Ankunft in der fremden Stadt bis zu den Reaktionen der Menschen auf die Flüchtlinge.“ An einem Strand werden sie von einer Picknick-Gruppe abgewiesen, in der fremden Stadt machen Bürokraten und eine Gang den Flüchtlingen das Leben schwer. Die Darsteller werden in diesen Szenen Masken tragen, die Sarah Harjes mit einer Gruppe von Kindern gestalten wird. Katja Fritzsche wird dazu die Kostüme gestalten. „Die Masken verdeutlichen und verschärfen die Skurrilität des Dargestellten. Gleichzeitig verhindern sie, dass die Szenen einen zu starken realen Bezug bekommen. Das wollten wir nicht. Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, das Thema an sich heranzulassen, ohne dass die dunkle Seite sie zu sehr betroffen macht“, sagt König.

Zur Vorbereitung auf die Proben, die seit Oktober laufen, haben sich die Schüler im Unterricht mit dem Thema Flucht beschäftigt. „Jedes Lernhaus hat sich mit einem der im Stück dargestellten Flüchtlingsschicksale auseinandergesetzt“, erzählt Gunda Strudthoff. Für das Theaterprojekt hat der Verein „Ars“ als Kooperationspartner der Schule Sponsoren gewonnen: das Deutsche Kinderhilfswerk, die Heinz und Ilse Bühnen-Stiftung, die Stiftung der Sparda Bank Hannover, die swb-Bildungsinitiative, die Hockemeyer Stiftung, die Heinz A. Bockmeyer-Stiftung und die Quandt-Stiftung unterstützen das Projekt. Am 23. und 25. April werden die Aumunder Schüler ihr Theaterstück aufführen.

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