Zwei Iranerinnen berichten über ihre Schicksale Flucht aus dem Heimatland

Der interreligiöse Dialog ist in der heutigen Gesellschaft ein wichtiger Schritt zu der Verständigung unterschiedlicher Religionen. Die Kirchengemeinde St. Magni organisierte gestern ein Frauenfrühstück, bei dem Einblicke in die Bahá‘i-Religion geworfen wurden und zwei Frauen von ihrer Flucht aus dem Land sprachen.
28.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nadine Döring

Der interreligiöse Dialog ist in der heutigen Gesellschaft ein wichtiger Schritt zu der Verständigung unterschiedlicher Religionen. Die Kirchengemeinde St. Magni organisierte gestern ein Frauenfrühstück, bei dem Einblicke in die Bahá‘i-Religion geworfen wurden und zwei Frauen von ihrer Flucht aus dem Land sprachen.

St. Magnus. Die Augen geschlossen, das Gesicht zur Decke erhoben und gesungene Worte einer fremden Sprache – so beten Hoda und andere Anhänger der Bahá‘i-Religion. Hoda stammt aus dem Iran und lebt seit einem Jahr in Deutschland. In ihrem Heimatland unterrichtete sie eine Kinderklasse, die mit unseren Kindergärten zu vergleichen ist. Dort lernen die Kleinen viel über die Gebete und Werte ihrer Religion. Die Kindererziehung hat in der Bahá‘i-Religion einen hohen Wert.

Das iranische Regime steht der Religion nicht friedlich gegenüber. Viele Bekannte der jungen Iranerin sind wegen ihrer Religion im Gefängnis gelandet. Aus diesem Grund kam Hoda nach Deutschland. "Wir dürfen am Telefon nicht über unsere Religion sprechen. Die Kinderklassen müssen wir zu Hause unterrichten, wir haben keine Einrichtungen. Das iranische Regime hat besonders Probleme mit Jugendlichen", erzählt Hoda den anderen Frauen. "Die Jüngeren sind aktiv und wollen etwas verbessern", ergänzt Fariba, die ein ähnliches Schicksal teilt.

Mit 21 Jahren flüchtete sie aus dem Iran. Anhänger der Bahá‘i-Religion dürfen keinen Reisepass besitzen, Faribas Familie musste viel Geld für einen Schlepper bezahlen, der sie nach Maku brachte. Von da aus musste sie zu Fuß in die Türkei gehen. "Die Reise dauerte zwei Wochen. Meine Familie wusste nicht, was mit mir passiert war. Sie dachten, ich wäre tot", erzählt die Iranerin. Heute hat sie zwei erwachsene Kinder und seit zehn Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft, sie kann wieder in ihr Heimatland reisen. "Damals gab es Hinrichtungen ohne Ende. Die Leute wussten nicht, wo Angehörige begraben wurden." Ihr heutiges Leben sieht Fariba als große Chance und Geschenk Gottes.

Auch in Deutschland entscheiden sich Menschen für die über 150 Jahre alte Religion. "Ich musste Jesus nicht aufgeben. In der Bahá‘i-Religion gibt es die fortschreitende Gottesoffenbarung. Zu einer bestimmten Zeit gibt es eine neue Offenbarung, die durch ausgewählte Personen (Propheten) an die Menschen herangebracht werden.", erklärt die Bremerin Heide Henk die Unterschiede zum Christentum. Sie selbst lebt auch nach der Bahá‘i-Religion. "Es gibt keine Pastoren oder Taufen. Bei der Hochzeit sitzt man auf dem Sofa und liest einen Text, und wenn jemand stirbt, wird ein Totengebet gesprochen." Von Außenstehenden wird kein Geld angenommen. Nur Bahá‘i selber dürfen spenden.

Heide Henk erinnert sich an ein besonderes Erlebnis mit Fariba während des 19-Tage-Festes, das die Bahá‘i zu Beginn eines jeden Monats halten. Sie legte ihr Gebetbuch auf den Fußboden. Es erhob sich eine Frau, kam auf Heide Henk zu und legte es lächelnd auf einen Stuhl. "Das brachte mir näher, dass das Wort Gottes in der Schrift ist", erinnert sich die Bremerin.

Yvonne Weiß entschied sich vor fünf Jahren zum Glauben, nachdem er ihr 2006 bereits aus einer schweren Zeit geholfen hatte. "Ich fühlte mich bereichert, satt und erfüllt", beschreibt sie ihre damaligen Gefühle. Nach einem Fernsehbericht im Januar 2008 über einen Kometen, hatte sie eines Tages den Gedanken "Ich glaube, es gibt einen Gott" und erklärte ihrem Mann daraufhin, dass sie Bahá‘i werde.

Frauen, Männer und auch Behinderte Menschen seien dort alle gleich wert. Sie besitzen alle eine Seele. "Gott ist wie die Sonne mit Strahlen und die Propheten sind Spiegel, die das wieder geben. Gott ist groß und stark, die Menschen können ihn nicht ertragen, da sie zu klein sind", sagt Yvonne Weiß. "Der Bahá‘i-Religion ist es wichtig, dass wir unsere Kultur behalten. Sonst wäre die Menschheit nicht mehr so bunt."

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