Flucht ins Grüne in der Pandemie

Mehr Geld für die Bremer Parks

Der Senat will die Parks mit Geldern aus dem Bremen-Fonds aufwerten. Weil die Menschen in der Pandemie mehr Zeit im Freien verbringen, sollen die Grünflächen der Stadt hübscher werden.
03.04.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Geld für die Bremer Parks
Von Sara Sundermann
Mehr Geld für die Bremer Parks

Niklas Sprenger (33) geht mit seinen Kindern Mio (4), Jonte (5), Lille (4), Marie (4) im Hohentorspark in den Neustadtswallanlagen spazieren.

Christina Kuhaupt

Wenn sonst nichts geht, geht man raus ins Grüne: Die Flucht ins Freie ist in der Pandemie ein wichtiger Impuls, wenn ansonsten nur wenig andere Freizeitaktivitäten möglich sind. Selten war in Bremens Parks soviel los wie in den vergangenen Wochen und Monaten. Der Senat will nun die grünen Lungen der Stadt kurzfristig aufwerten – mit Mitteln aus dem krisenbedingten Bremen-Fonds. Insgesamt 3,16 Millionen Euro fließen in die Bremer Parks, das hat der Senat beschlossen.

Sie sollen nicht für die Basispflege verwendet werden, sondern für vier konkrete Bereiche: Für neue Bänke, bessere Wege, für die Sanierung von Spielplätzen und für mehr Blumen. Geplant ist keine dauerhafte Mittelaufstockung für das städtische Grün, sondern eine einmalige Finanzspritze. Deshalb werde man auch nicht neues Personal beim städtischen Umweltbetrieb Bremen einstellen, sondern die Aufträge für die Park-Verschönerung ausschließlich an Fremdfirmen vergeben, erläutert Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. Zudem wolle man kurzfristig die Parks aufwerten, auch dies gehe schneller mit Fremdfirmen als wenn man erst Stellen für neue Mitarbeiter ausschreiben und besetzen müsse. „Die Leute gehen jetzt raus ins Grüne, deshalb geben wir Gas“, so Tittmann.

„Für viele Menschen sind die Grünflächen der einzige Ort, um sich während der Pandemie außerhalb ihrer Wohnung zu bewegen, zu entspannen und frische Luft zu tanken. Daher bin ich der festen Überzeugung, dass dieses Geld gut investiert ist, um die Einschränkungen, die uns Corona auferlegt, ein bisschen besser zu ertragen“, sagt Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne).

Die Mittel aus dem Bremen-Fonds werden je nach Größe der Parks verteilt. Zwei der größten Bremer Parks profitieren allerdings nicht von den Mitteln: Das betrifft den von einer privaten Stiftung unterhaltenen Bürgerpark und den Park Links der Weser, der ebenfalls von einem privaten Verein gepflegt wird und übrigens als südliches Gegenstück zum Bürgerpark gegründet wurde.

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Größere Beträge fließen beispielsweise in die Neustadtswallanlagen mit dem Piepe-Gewässer (127.000 Euro), den Grünzug West in Gröpelingen (78.000 Euro) und das Grüngebiet Süd-West in Obervieland (70.000 Euro). Auch der Waller Park und der Vahrer See werden bedacht, ebenso wie der Weser-Ufer-Park in Woltmershausen oder der Nelson-Mandela-Park in Schwachhausen.

„Die Corona Zeit macht noch einmal ganz deutlich, wie unverzichtbar unsere Grünanlagen sind“, sagt Kerstin Doty, Sprecherin des Umweltbetrieb Bremen, der für die Pflege der städtischen Parks zuständig ist. „Wir freuen uns natürlich sehr über diese zusätzlichen Mittel zur Aufwertung.“ Zu dieser Aufwertung gehöre neben den von der Umweltbehörde benannten Aspekten Bänke, Blumen, Spielplätze und Wege auch eine intensivere Reinigung der Grünflächen.

Parks und andere Grünflächen gewinnen in der Pandemie an Bedeutung, sagt Franziska Keller, die an der Jacobs University in Bremen zum Thema Gesundheitspsychologie forscht. „Für viele, die im Homeoffice, in der Kurzarbeit oder bei der Betreuung der Kinder beim Homeschooling ihren Alltag vorwiegend zu Hause organisieren, bieten die Parks die Gelegenheit, mal rauszukommen und die Seele baumeln zu lassen.“ Die Psychologin betont: „Der Aufenthalt im Grünen kann den Stress mindern, das Immunsystem stärken und das Selbstwertgefühl heben, das ist durch Studien erwiesen.“

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Dafür brauche es keinen stundenlangen Aufenthalt im Freien, so Keller: Fünf bis zehn Minuten im Grünen reichten schon aus, um erste Effekte zu spüren. „Der Herzschlag wird schon nach kurzer Zeit messbar ruhiger, der Blutdruck sinkt, die Muskeln entspannen sich.“ Die Wissenschaftlerin rät: „Auf jeden Fall sollten wir uns Zeit für Pausen nehmen, auch im Homeoffice. Kleine Pausen draußen im Grünen gehören zur Selbstfürsorge.“ Schon eine kurze Auszeit im Freien helfe, Distanz zur Arbeit zu schaffen und positive Gefühle zu wecken. Dabei müsse man nicht gleich in der Mittagspause joggen gehen: „Mancher sitzt auch gern auf einer Bank, lässt die Umgebung auf sich wirken und die Sonne ins Gesicht scheinen. Jeder entspannt auf seine Weise.“

Durch regelmäßige Auszeiten im Grünen könne jeder seine körperliche und seelische Gesundheit stärken. In den städtischen Parks gebe es zudem – mit Abstand und unter Einhaltung der Hygieneregeln – die Möglichkeit für Kommunikation und Austausch. „Dies hilft auch gegen Einsamkeit.“

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