Angebot des VTT Farge-Rekum Flüchtlinge beim Feriensport

Farge-Rekum. Trubel unter dem Basketballkorb. Unter der Leitung von Coach Aljosha Hakkel spielen junge Frauen und Mädchen gegen Jungen und Männer.
21.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

Trubel unter dem Basketballkorb. Unter der Leitung von Coach Aljosha Hakkel spielen junge Frauen und Mädchen gegen Jungen und Männer. Die Damen machen den Herren in Sachen Taktik und Technik gerade einiges vor. Aber daran stört sich niemand, im Gegenteil. Alle freuen sich an diesem Nachmittag darüber, dass sie sich bewegen können. „Sie haben sonst keine Möglichkeit dazu“, sagt Aykut Abay, Integrationsbeauftragter des Vereins für Turn und Tanz (VTT) Farge-Rekum.

Jeden Mittwoch übernimmt er einen besonderen Fahrdienst: Aykut Abay holt Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Übergangswohnheim an der Reepschlägerstraße ab. Die dort lebenden Flüchtlinge haben seit einigen Wochen die Möglichkeit, am Ferienprogramm teilzunehmen. „Kunterbunt“ nennt sich das Angebot, es geht um die Integration von Kindern und jugendlichen Flüchtlingen in den Sportbetrieb. „Unser Ferienprogramm bieten wir sowieso an, warum sollen wir es nicht für die Menschen öffnen, die unverschuldet alles verloren haben?“ sagt die VTT-Vorsitzende Sarah Matschulla.

Eine kleine Hüpfburg, Kletter- und Balancier-Möglichkeiten an Wand und Barren, sowie auf einer Schnur, Bälle, eine Vogelnest-Schaukel, Kleingeräte und eben Basketball bieten die drei Übungsleiter des Vereins an diesem Nachmittag an. Drei Jungs schnappen sich die Bälle. Die kleinen Kinder haben die Hüpfburg für sich entdeckt. Später kommen einige Größere hinzu. Dass vor allem Basketball an diesem Mittwoch der Hit ist, wundert Aykut Abay nicht. Es seien vor allem Syrer, die Spaß an dieser Sportart hätten. „In diesen Ländern ist der Sport sehr angesagt“, erklärt der VTT-Integrationsbeauftragte. Doch außer mittwochs haben weder die Kinder noch die Erwachsenen die Möglichkeit, sich zu bewegen. Durch Sport, weiß Aykut Abay, könnten vor allem die Kinder ihr Fluchttrauma kurzzeitig vergessen beziehungsweise besser verarbeiten.

Während die Kinder und die Jugendlichen spielen, zieht es Hassan Abdilsalam vor, die Rolle des stillen Beobachters einzunehmen.

Auf Englisch erklärt Hassan Abdilsalam, dass er vor seiner Flucht beim kurdischen Fernsehen gearbeitet habe. „Aber nicht als Journalist, auf der technischen Seite“, sagt der schlanke hochgewachsene Mann.

Als der Krieg gegen den „Islamischen Staat“ schärfer wurde, beschloss die Familie, der Heimat im Norden Syriens den Rücken zu kehren. „Wir hatten vor allem Angst um unsere Kinder“, sagt Hassan Abdilsalam. Die Leute des „Islamischen Staat“ hätten Menschen vor ihren Augen enthauptet. Über den Libanon, die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn ist die Familie schließlich nach Bremen gekommen. Einen Monat habe sie dafür gebraucht, berichtet der Familienvater. Er sei froh, dass seine beiden 17 und 18 Jahre alten Töchter und sein sechsjähriger Sohn die Möglichkeit haben, Sport zu treiben.

Während Hassan Abdilsalam von der Flucht seiner Familie erzählt, hat sich Sarah Matschulla einen der drei Jungs geschnappt, die wie wild mit den Bällen spielen. Zwei sitzen inzwischen zusammen mit anderen Kindern in der Vogelnest-Schaukel. Mit dem dritten balanciert die Vereinschefin und Übungsleiterin über das dicke Seil, das zwischen den Halterungen gespannt ist.

Gleichzeitig ist auf der Hüpfburg viel los. Dort haben es sich die kleinen und schon etwas größeren Kinder gemütlich gemacht. Einige von ihnen quietschen vor Vergnügen. Dabei machen die Eltern, die sich unauffällig auf eine der Bänke gesetzt haben, einen langen Hals. Dem ein oder anderen huscht fast unmerklich ein Lächeln übers Gesicht. Sport, ist nicht nur Aykut Abay überzeugt, mache es leichter, die Menschen in ihrer neuen Umgebung zu integrieren.

Derartige Anstrengungen unternimmt nicht nur der Verein für Turn und Tanz (VTT) Farge-Rekum. Auch andere Vereine in Bremen-Nord sind aktiv. Hierzu zählen unter anderem der Blumenthaler SV, die Fußballer der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack (SAV) und des TSV Lesum-Burgdamm sowie der MTV Eiche Schönebeck und die SG Marßel.

Die Integrationskraft des Sports sei unübertroffen, ist auch Jürgen Linke, Vorsitzender des Kreissportbundes Bremen-Nord, überzeugt: „Sport braucht keine Worte.“

Den Beweis dafür liefert an diesem Nachmittag Basketball-Coach Aljosha Hakkel. Er zeigt einem der Jungen aus Syrien einige kleine Tricks. Sie verständigen mit den sprichwörtlichen Händen und Füßen. Der Junge probiert es aus, bekommt es hin und lacht aus vollem Herzen.

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