20 Syrer leben auf dem Campus der Jacobs-Uni / Am Montag ziehen zwölf Familien auf das Friedehorst-Gelände Flüchtlinge kommen in Bremen-Nord an

Auf dem Campus der Jacobs University leben seit einigen Tagen 20 junge Männer aus Syrien. In der nächsten Woche kommen 48 Flüchtlinge auf dem Friedehorst-Gelände unter. Ende November sollen die Ersten von insgesamt 100 Frauen und Männern aus Krisen- und Kriegsgebieten das Containerdorf in Grohn beziehen. Viele Bürger zeigen sich solidarisch und engagieren sich beispielsweise in der Willkommensinitiative. Doch es werden weitere Ehrenamtliche gebraucht.
18.09.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Auf dem Campus der Jacobs University leben seit einigen Tagen 20 junge Männer aus Syrien. In der nächsten Woche kommen 48 Flüchtlinge auf dem Friedehorst-Gelände unter. Ende November sollen die Ersten von insgesamt 100 Frauen und Männern aus Krisen- und Kriegsgebieten das Containerdorf in Grohn beziehen. Viele Bürger zeigen sich solidarisch und engagieren sich beispielsweise in der Willkommensinitiative. Doch es werden weitere Ehrenamtliche gebraucht.

48 Flüchtlinge beziehen voraussichtlich am Montag Wohnungen auf dem Gelände der Stiftung Friedehorst. Nach Angaben von Friedehorst-Sprecherin Gabriele Nottelmann werden es zwölf Familien mit jeweils zwei oder drei Kindern sein, die auf dem Areal zumindest vorübergehend ein neues Zuhause finden. Untergebracht werden sie in drei Doppelhaushälften im südlichen Gelände-Teil.

„Die Häuser wurden von uns in Zusammenarbeit mit der Sozialbehörde hergerichtet und werden komplett möbliert sein“, berichtete Nottelmann. Zuvor waren die Gebäude als Möbellager genutzt worden, sodass die Stiftung sie kurzfristig bereitstellen konnte. Betreut werden die Flüchtlingsfamilien durch einen Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter Bundes (ASB), der in dem Gebäudekomplex ein Büro beziehen wird.

Pastor Michael Schmidt, Vorsteher der Stiftung, betonte: „Wir möchten diesen Familien, von denen viele Schreckliches erlebt haben, ein gutes Zuhause bieten und wie es unser Name sagt ,ein friedlicher Hort’ sein. Der Name ist 1947 sozusagen unser ,Programm’ für die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen gewesen, und wir verstehen ihn als Verpflichtung zur christlichen Nächstenliebe bis heute.“

In Friedehorst wohnen seit etwa einem Jahr bereits 30 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, die sich nach Angaben von Nottelmann gut integriert haben. „Wir werden auch die neuen Familien willkommen heißen und sie bei ihrem Einleben in Lesum unterstützen, soweit es uns möglich ist“, sagte Schmidt. Dazu wolle Friedehorst auf Initiativen und Institutionen in Bremen-Nord zugehen, die sich schon länger engagieren und Erfahrungen haben.

In das Containerdorf, das derzeit an der Steingutstraße in Grohn aufgebaut wird, sollen die ersten von 100 Flüchtlingen aus Krisen- und Kriegsgebieten Ende November einziehen. „Wir gehen davon aus, dass der angepeilte Termin gehalten werden kann.“ Den Zeitplan für die Fertigstellung der Mobilbauten hat Harald Grote von der Sozialbehörde jetzt in Vegesack bei der ersten Sitzung des neuen, nichtständigen Ausschusses für die Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bestätigt.

Auf einer Gewerbebrache werden, wie berichtet, derzeit Container für das Übergangswohnheim aufgestellt: Unterkünfte für zwei und vier Personen, jede mit eigener Sanitäreinrichtung. Auch hier betreut der ASB die Flüchtlinge. „Uns stehen 3,5 Stellen zur Verfügung“, teilte ASB-Mitarbeiterin Jutta Becks dem Ausschuss mit. Es werde eine Heimleitung und einen Hausmeister geben. Die Flüchtlinge würden rund um die Uhr betreut. Das Sozialamt zahlt einen nächtlichen Wachdienst.

Die medizinische Versorgung ist laut Grote sichergestellt. Jeder Flüchtling bekomme eine Krankenkassen-Karte. Damit könne die Person einen Arzt aufsuchen, ohne Umweg über das Sozialamt. Für Kinder ist eine Hausaufgaben-Hilfe geplant. Ziel sei, den Nachwuchs so schnell wie möglich in Kindergärten und Schulen zu integrieren. „Konkret planen können wir aber erst, wenn feststeht, wie viele Plätze gebraucht werden.“ Notfalls, so Jutta Becks, werde eine Betreuung im Containerdorf eingerichtet. Für die Erwachsenen wird es laut Grote kostenlose Deutsch-Kurse geben. „Als freiwilliges Angebot“. Das sorgte bei Cord Degenhardt (Bürger in Wut) für Verdruss. Sprachkurse sollten für Flüchtlinge Pflicht sein, forderte er.

Bis das Containerdorf steht, kommen einige Flüchtlinge vorübergehend bei der Jacobs University unter. 20 Einzelappartements hat die Sozialbehörde auf dem Campus der Grohner Privatuni angemietet. Sie sind bereits belegt. Seit wenigen Tagen haben dort 20 junge Männer aus Syrien im Alter von 19 bis 35 Jahren Unterschlupf gefunden, berichtete René Wells von der Jacobs University. Sie werden auf dem Campus verpflegt und vom ASB betreut.

Die Uni selbst hat laut Wells auch Angebote auf die Beine gestellt. Studenten wollen Deutschunterricht anbieten. Andere, die Arabisch oder Syrisch sprechen, könnten Flüchtlinge zu Behörden oder Arztbesuchen begleiten. Erste Sportaktivitäten gibt es schon, weitere seien im Aufbau. „Wir planen auch ein interkulturelles Training, so wie wir es unseren Studenten anbieten.“

Die jungen Männer sollen auch die Möglichkeit haben, über ihre Schicksale zu reden. „Sie wollen ihre Geschichten erzählen“, so Wells. Außerdem plane man eine Art Paten-Programm. Studenten oder auch Bürger könnten mit den Flüchtlingen Freizeitaktivitäten unternehmen und ihnen helfen, sich im fremden Land zurechtzufinden. So wie es die Willkommensinitiative um den Vegesacker Pastor Volker Keller bereits im Flüchtlingsheim in der Johann-Lange-Straße in Aumund praktiziert.

Einen Stadtrundgang, Ausflüge und ein Fest hat die Initiative organisiert. Alle zwei Wochen treffen sich Flüchtlinge und Helfer im Kontaktcafé. Auch im Containerdorf will die Initiative aktiv werden. „Dafür brauchen wir zusätzliche ehrenamtliche Kräfte“, so Keller. Für den 10. Oktober plant die Initiative für 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Grohn ein Treffen mit Anwohnern des Übergangsheims.

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