Politiker treffen sich zu Diskussion im Lagerhaus

Flüchtlingen aus Guinea Perspektiven bieten

Bremen. Flüchtlinge aus Guinea stoßen in Bremen immer wieder an Grenzen. Das machten die Teilnehmer einer Diskussion am Donnerstag im Lagerhaus deutlich, zu der der Guineische Verein für Bildung und Integration und der Bremer Jugendring eingeladen hatten.
20.01.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Silvia Pucyk
Flüchtlingen aus Guinea Perspektiven bieten

Elombo Bolayela, Claudia Niemann, Wilhelm Hinners, Thomas Müller und Sahhanim Görgü-Philipp (von links) bei der Diskussion im Lagerhaus.

Frank Thomas Koch

Bremen. Flüchtlinge aus Guinea stoßen in Bremen immer wieder an Grenzen. Das machten die Teilnehmer einer Diskussion am Donnerstag im Lagerhaus deutlich, zu der der Guineische Verein für Bildung und Integration und der Bremer Jugendring eingeladen hatten. „Viele junge Menschen aus Guinea wollen hier Ziele erreichen. Aber es gibt ein Stigma. In Bremen ist es ein offenes Geheimnis, dass Männer aus Guinea mit Drogen handeln“, sagte der Moderator der Veranstaltung, Daniela de Olano.

Dadurch gebe für die Jugendlichen zahlreiche Hindernisse im Alltag. „Es heißt, dass alle jungen Männer aus Guinea mit Drogen dealen. Die Gesellschaft differenziert nicht“, sagte der SPD-Politiker Elombo Bolayela, der selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Diskriminierung sei für die Jugendlichen ein starkes Integrationshindernis. „Sie bekommen keinen Mietvertrag und leiden unter erschwerten Bedingungen, was ihren Aufenthalt anbelangt. Die Jugendlichen sitzen auf ihren gepackten Koffern“, sagte Sofia Leonidakis von den Linken. „Wenn die Flüchtlinge keinen Platz für ein Studium oder eine Ausbildung bekommen, können wir nicht von ihnen erwarten, dass sie sich integrieren“, meinte Sahhanim Görgü-Phillipp von den Grünen.

Mit Schuld an der täglichen Benachteiligung ist laut Leonidakis auch die Presse. „Über die Flüchtlinge aus Guinea wird pauschal berichtet. Die Jugendlichen haben ein Problem, nicht nur die Geschäftsleute, vor deren Läden mit Drogen gedealt wird.“ Ralf Michel, Polizeireporter beim WESER-KURIER, sieht das anders: „In den Zeitungsberichten wird differenziert berichtet. Uns interessiert sehr, warum die Jugendlichen kriminell werden. Aber es ist nicht immer einfach, an die Geschichte hinter der Geschichte zukommen.“

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass die jungen Flüchtlinge aus Guinea Perspektiven für ihr Leben in Bremen brauchen. „Welche Alternativen zum Drogendealen haben diese jungen Menschen? Wir müssen mehr Arbeitsplätze und Ausbildungsangebote schaffen“, sagte Bolayela. Der Integrationsbeauftragte der Bremer Polizei, Thomas Müller, berichtete, dass sich bei der Polizei einiges im Umgang mit Verdächtigen aus Afrika getan habe. „Wir gehen viel sensibler vor. Wir fragen uns, ob eine Kontrolle sich wirklich lohnt. Und wenn wir uns dafür entscheiden, muss es eine faire Kontrolle geben.“

Ein deutliches Signal forderte Claudia Niemann, Mitarbeiterin der Amtsvormundschaft im Amt für soziale Dienste, von der Ausländerbehörde. „Es hat klare Rückschritte gegeben, was die Genehmigung von Aufenthaltstiteln angeht“.

Ein Problem mit der Genehmigung von Aufenthaltsberechtigungen sieht Wilhelm Hinners von der CDU und pensionierter Polizist dagegen nicht so sehr. „In Bremen haben wir im Vergleich zu anderen Bundesländern einen liberalen Umgang mit Aufenthaltsgenehmigungen. Wir müssen vielmehr etwas gegen die Unsicherheit der Betroffenen tun. Die fragen sich doch, ob sich eine Integration in die Gesellschaft lohnt, wenn sie morgen vielleicht abgeschoben werden.“

SPD-Politiker Elombo Bolayela machte den Vorschlag, stärker mit Migrantenvereinen zusammenarbeiten, da diese die konkreten Probleme der Betroffenen kennen. Außerdem müssten gesellschaftliche Themen diskutiert werden. „Wir müssen uns fragen, woher die Drogen kommen, die am Steintor verkauft werden. Warum braucht eine Gesellschaft Drogen? Wir sollten weniger polarisieren, sondern den jungen Menschen eine Alternative zum Drogendealen bieten.“

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