Sexismus-Vorwürfe

Flughafen Bremen entfernt Werbung nach Kritik

Sexistisches Motiv? SPD und Grüne halten den Werbe-Spruch auf einer Leuchttafel im Airport Bremen für ungeeignet.
11.09.2018, 16:32
Lesedauer: 2 Min
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Flughafen Bremen entfernt Werbung nach Kritik
Von Sara Sundermann

„Ich lass mich doch nicht abschleppen“ – mit diesem Text wurde bis vergangene Woche bei Reisenden in der Ankunftshalle des Bremer Flughafen dafür geworben, das Parkhaus am Airport zu nutzen. Gezeigt wurde auf der etwa zwei mal ein Meter großen Leuchttafel eine junge Frau am Steuer. Nun hat der Flughafen das Werbemotiv entfernt.

Ist diese Werbung sexistisch? Sollte sie am Bremer Flughafen hängen, dessen Betreiber zu 100 Prozent der Stadt gehört? Das muss wirklich nicht sein, urteilt die grüne Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla. Auch die SPD-Fraktion beantwortet die Frage klar: „Das muss und soll nicht sein.“ Umgehend forderten die Sozialdemokraten einen Bericht zu der Werbung für die Wirtschaftsdeputation an, in deren Bereich der Flughafen fällt.

„Wir finden, Frauen mit ,abschleppen' in Verbindung zu bringen, also in die Nähe von ,leichter Beute' zu rücken, schlicht nicht okay – auch nicht als vermeintlich witzige Werbe-Aktion“, sagt SPD-Fraktionssprecher Matthias Koch. SPD und Grüne hatten sich zuvor dafür eingesetzt, sexistische Werbung von öffentlichen Plakatwänden in Bremen zu entfernen. „Gerade bei staatlichen Unternehmen wie dem Flughafen setzen wir darauf, dass man sensibel reagiert und gern auch auf witzige Werbung setzt, ohne mit dusseligen Geschlechterklischees oder sexuellen Anspielungen zu arbeiten.“

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Bei der Bremer Zentralstelle für die Gleichberechtigung der Frau (ZGF) gibt es nach einem Senatsbeschluss seit mehr als einem Jahr eine Beschwerdestelle für sexistische Werbung. Die ZGF prüft – orientiert an Leitlinien des Deutschen Werberates – ob eine Werbung nach sieben fest gelegten Kriterien als sexistisch einzustufen ist.

„Bei uns ist zu diesem Motiv bislang keine Beschwerde eingegangen“, sagt Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm über die Werbung am Flughafen. „Ich finde es aber positiv, wenn darüber diskutiert wird, wir beobachten insgesamt eine gewachsene Sensibilität für sexistische Werbung.“ Wilhelm persönlich findet das Werbemotiv „unglücklich“: Staatsunternehmen wie der Bremer Flughafen seien besonders in der Pflicht und gefordert, sensibel mit Geschlechterklischees umzugehen, stellt sie klar. Sie sagt aber auch: „Nach unseren Kriterien ist diese Werbung nicht sexistisch, denn die Frau auf dem Plakat wird nicht herabgewürdigt und auch nicht als sexuell verfügbar dargestellt – sie sagt ja gerade selbstbewusst, sie lasse sich nicht abschleppen. Deshalb würden wir das Plakat nicht abhängen lassen.“

Der Airport Bremen reagierte umgehend: „Wir werden diese Werbung nun abnehmen, denn es ist nicht unsere Aufgabe als Flughafen, eine solche Debatte zu führen. Zum Ende des Quartals – also Ende September – wäre die Werbung ohnehin abgenommen worden“, sagt Flughafensprecherin Andrea Hartmann.

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