Wie sich Geschäfte, Passagiere und Taxifahrer auf die einwöchige Zwangspause des Airports einstellen Flughafen ohne Flugzeuge

Sechs Tage lang kein Flugzeug, stattdessen eine riesige Baustelle, auf der rund um die Uhr bis zu 120 Arbeiter beschäftigt sind. Sie fräsen auf dem Flughafen die Landebahn frei und belegen sie mit neuem Asphalt. Draußen auf dem Neuenlander Feld ist also viel Betrieb – und drinnen, in den Hallen? Dort auch, die Geschäfte bleiben geöffnet, wenn auch reduziert.
31.07.2012, 05:00
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Flughafen ohne Flugzeuge
Von Jürgen Hinrichs

Sechs Tage lang kein Flugzeug, stattdessen eine riesige Baustelle, auf der rund um die Uhr bis zu 120 Arbeiter beschäftigt sind. Sie fräsen auf dem Flughafen die Landebahn frei und belegen sie mit neuem Asphalt. Draußen auf dem Neuenlander Feld ist also viel Betrieb – und drinnen, in den Hallen? Dort auch, die Geschäfte bleiben geöffnet, wenn auch reduziert.

Bremen. Nach anderthalb Jahren Vorbereitung schlägt am Sonntagabend um Punkt 23 Uhr die Stunde der Bauarbeiter auf dem Flughafen. Sechs Tage lang werden sie rund um die Uhr an der Landebahn arbeiten. Abgesehen vom Rettungshubschrauber kann während dieser Zeit kein fliegendes Gerät auf dem Neuenlander Feld landen. Der Flughafen macht Pause, schließt deswegen aber nicht seine Pforten. Restaurants, Cafés, Läden und Reiseschalter betreiben ihr Geschäft weiter, mit weniger Publikum zwar, weniger Mitarbeitern und reduzierten Öffnungszeiten, verkauft und serviert wird aber trotzdem.

Im Restaurant "Cucinas", wo mittags normalerweise bis zu 150 Essen rausgehen, wird vom kommenden Montag mit einer Notbesetzung gearbeitet. "Statt sechs Köche haben wir dann nur noch drei", sagt Joachim Kubon von der Restaurantleitung, auch der Service sei dann nur noch zur Hälfte besetzt, "die anderen können Urlaub abbummeln". Einen harten Schnitt, die vorübergehende Schließung, komme nur dann infrage, wenn die Zahl der Essen mittags unter 40 sinke. Zum Restaurant gehört auch noch ein Backshop, der zu regulären Zeiten 24 Stunden lang geöffnet hat, in der kommenden Woche aber um zwei Drittel reduziert.

Ob beim Martinshof mit seinem Geschenke-Shop, der Rosso-Espressobar oder dem Pasta-Restaurant – überall werden die Öffnungszeiten eingeschränkt und das Personal runtergefahren. Das gleiche Angebot, aber auf kleiner Flamme.

Eine ähnliche Botschaft auch am Schalter des Reiseveranstalters TUI. "Der Verkauf geht weiter!", ruft Bianca Heger hinter ihrem Tresen. Sie müssten schon deswegen präsent bleiben, weil Gäste kommen und Betreuung erwarten, die für ihren Abflug Bremen gebucht hatten und dabei bleiben wollten, obwohl kein Flugzeug abhebt. "Wir setzen Shuttle-Busse zum Flughafen in Hannover ein", erklärt die TUI-Angestellte. Auch von daher ist also weiter Betrieb am und im Flughafengebäude.

Die Taxifahrer haben sich allerdings auf eine schlechte Woche eingestellt. "300 Touren pro Tag weniger", schätzen Özkan Güc und Metin Bekirogullari, die mit ihren Wagen vor der Ankunftshalle stehen und auf Fahrgäste warten. "Wir müssen an den sechs Tagen auf die Stellplätze in der Innenstadt ausweichen", sagt Güc. Am Bahnhof zum Beispiel, "das schafft dort natürlich zusätzlich Druck".

Es trifft 40000 Passagiere

450 Flüge mussten wegen der Sanierung der Landebahn abgesagt werden, betroffen sind davon rund 40000 Passagiere. Darunter auch einige Berufspendler, von Mercedes zum Beispiel. "In unserem Werk in Bremen läuft gerade ein neues Produkt an", heißt es aus der Konzernzentrale in Stuttgart, "dafür brauchen wir ein großes Team von Spezialisten, und die fliegen dann regelmäßig ein." Für die eine Woche müssen sich die Ingenieure eine Alternative überlegen – "die fliegen nach Hannover oder Hamburg und nehmen sich dort einen Mietwagen", so der Pressesprecher. Die Lieferketten für die Produktion im Werk seien von der Schließung des Flughafens nicht betroffen.

Gelassenheit auch bei Airbus, obwohl der Flugzeugbauer normalerweise einen regen Austausch zwischen den Werken in Bremen und Toulouse betreibt. "Wir haben uns in enger Zusammenarbeit mit dem Flughafen früh auf die Flugpause einstellen können", sagt ein Airbus-Sprecher. So seien die Flüge des Großraumtransporters, der sogenannten Beluga, die Fertigteile transportiert, entsprechend vorgezogen worden. Eine große Zahl von Pendlern zwischen den beiden Werken gebe es derzeit sowieso nicht: "Sowohl in Bremen als auch in Toulouse sind gerade Ferien."

Marco Pfleging, der beim Flughafen unter anderem für die Infrastruktur zuständig ist, kann an Urlaub in diesen Wochen noch nicht einmal denken. Seine Konzentration gilt allein der Baustelle, und er ist voller Zuversicht: "Das arbeiten wir sauber ab."

Asphalt runter, Asphalt rauf, darum geht es. Rund 60000 Tonnen Material, das in den sechs Tagen hin- und herbewegt wird. "Das sind 50 bis 60 Lastwagen in der Stunde", rechnet Pfleging vor. Ein Viertel des alten Asphalts werde für die neue Landebahn wiederverwendet – in einer Mischung, die Pfleging "Komposition" nennt. "Der Belag ist sehr speziell, knallhart, mit guter Haftung, wenig Abrieb und hitzebeständig."

n Im Zeitraum vom 6. August bis zum 11. August wird der Flughafen Bremen innerhalb eines Zeitraums von nur 96 Betriebsstunden seine 2034 Meter lange und 45 Meter breite Start- und Landebahn erneuern. Gleichzeitig wird auch die "Befeuerung" ausgetauscht und ein 680 Meter langer Zaun erneuert. Fluggesellschaften und

Reiseveranstalter werden während der Sanierungsphase auf nahe gelegene Airports ausweichen. Die Baustelle ist ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb und wird nach Angaben des Flughafens besonders

gesichert. Geht alles glatt, und Probleme können nach Einschätzung der Verantwortliche nur bei lang anhaltendem Regen

auftauchen, wird der Flugbetrieb am 12. August ab 6 Uhr wieder aufgenommen.

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