Besserung in Arsten, Habenhausen und Hemelingen Fluglärmbilanz nach Routenänderung

Bremen. Seit September 2010 starten knapp die Hälfte aller Maschinen vom Bremer Flughafen über die Weser-Nienburg-Route in Richtung Osten. Gutachter, die Fluglärmkommission und Betroffene debattierten jetzt über die Auswirkungen.
15.03.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Britta Schlesselmann

Bremen.Die Ziele liegen im sonnigen Süden, in Paris oder Amsterdam. Die Flugroute wird immer bei Ostwind gewählt: Seit September 2010 starten knapp die Hälfte aller Maschinen vom Bremer Flughafen über die Weser-Nienburg-Route in Richtung Osten. Gutachter, Mitglieder der Fluglärmkommission und Betroffene debattierten jetzt über die Auswirkungen.

Mehr als 10.000 Maschinen starten jedes Jahr vom Bremer Flughafen in Richtung Osten. Das sind knapp die Hälfte aller Starts. Sie fliegen über Habenhausen, Arsten, Hemelingen/Angeln und Ahausen hinweg – zum Leidwesen vieler Anwohner. Um sie zu entlasten, wurde im September 2010 die Flugstrecke von der Wesertal-Route auf die Weser-Nienburg-Route geändert. An vier mobilen Messpunkten wurde seitdem regelmäßig untersucht, wie sich die Neugestaltung der Flugstrecken auswirkt.

Entscheidend für die Änderung der Flugrouten ist der Punkt, an dem der Pilot abdreht. Vor der Änderung lag er 2,8 nautische Meilen vom Flughafen entfernt – und damit dichter am Bereich Hemelingen. Jetzt liegt er 2,5 nautische Meilen vom Flughafen entfernt und damit über dem Gewerbegebiet Habenhausen im Bereich der Steinsetzerstraße.

"Um die Lärmbelastung zu reduzieren, wurden die Flugrouten stärker gebündelt", erläutert der Fluglärmbeauftragte Ralf Bohr. Dies sorge dafür, dass weniger Menschen vom Lärm betroffen seien. Untersucht wurde der Fluglärm an Messpunkten in Habenhausen, Arsten, Hemelingen und Ahausen. Damit wurde eine Messung aus den Jahren vor der Drehpunktverlegung fortgesetzt. Positiv bewertet Bohr die Entwicklung für Hemelingen. Dort sei der Lärmpegel um etwa zwei Dezibel zurückgegangen: Bei Starts werden nun 72,3 Dezibel statt 74,1 Dezibel erreicht, der mittlere Monatswert sank von 49,5 auf 47,4 Dezibel.

Eine positive Entwicklung brachte die neue Flugroute auch für Arsten: Die monatliche Belastung liegt jetzt bei 43,6 Dezibel – und somit etwa ein Dezibel unter dem Ausgangswert. Die geringste Verbesserung wurde in Habenhausen erreicht.

Die Bündelung der Flugrouten werde durch sogenannte Fly-over-Punkte geregelt, die von den Piloten überflogen werden müssen, erläutert Bohr. Einer dieser Überflugpunkte liegt in Ahausen. Die Messungen haben bestätigt, dass dies zu einer Erhöhung der Lärmbelastung führt: Der Maximalpegel von mehr als 70 Dezibel wurde häufiger überschritten, und der Dauerschallpegel stieg sogar von 37 auf 42,2 Dezibel. In dem Gutachten des Büros Wölfel kam allerdings zum Ausdruck, dass dies zu tolerieren sei.

Monika Morschel von der Vereinigung zum Schutz Fluglärmgeschädigter ist mit den Auswirkungen der Routenänderung zufrieden – Begeisterung kann sie aber nicht empfinden: "Wenn man genau hinhört, kann man in Arsten, Habenhausen und Hemelingen eine Verbesserung wahrnehmen."

Maximal wurde der Lärmpegel um zwei Dezibel verringert. Für das Ohr werden drei Dezibel mehr oder weniger als Verdopplung beziehungsweise Halbierung wahrgenommen. Für den Bremer Mediziner Eberhard Greiser steht fest, dass die Werte in jedem Fall gefährlich sind. Laut medizinischen Studien steige mit einem Wert von 55 Dezibel tags und 45 Dezibel nachts das Herzinfarktrisiko sowie die Gefahr von Bluthochdruck und Diabetes. Besonders gefährlich sei Lärm in der Nacht. Monika Morschel fordert die Politik daher auf, sich für ein Nachtflugverbot einzusetzen.

Die Vereinigung zum Schutz Fluglärmgeschädigter forderte gestern zudem, einzelne Fly-over-Punkte zu verlegen. Fluglärmbeauftragter Bohr geht davon aus, dass die Belastung noch weiter zurückgeht, wenn die Piloten ihre Route noch exakter fliegen als bisher.

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