Standort für Dornier-Produktion gesucht

Flugzeugbauer prüft Ansiedlung in Bremen

Bremen hat Chancen, neben Airbus einen weiteren Flugzeugbauer anzusiedeln. In der Nähe des Flughafens könnte der Kurzstreckenflieger Dornier 328 produziert werden.
11.06.2018, 22:01
Lesedauer: 3 Min
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Flugzeugbauer prüft Ansiedlung in Bremen
Von Jürgen Theiner
Flugzeugbauer prüft Ansiedlung in Bremen

Könnte bald in Bremen gebaut werden: Die Dormier 328.

dpa

Neben Airbus könnte sich in Bremen ein zweiter Flugzeughersteller niederlassen. Nach Informationen des WESER-­KURIER hat ein süddeutsches Unternehmen, das die Rechte an der Kurzstreckenmaschine Dornier 328 hält, mehrere deutsche Standorte für den Aufbau einer Produktionsstätte untersucht. Die Entscheidung wird nun zwischen Bremen und Leipzig fallen, allerdings haben die Leipziger derzeit offenbar die Nase vorn. Es geht um rund 300 Arbeitsplätze in der Montage und weitere Jobs in Logistik und Verwaltung.

Die Dornier 328 ist das bislang letzte Verkehrsflugzeug, das von einem deutschen Unternehmen komplett in Eigenregie entwickelt wurde. Gebaut und vertrieben wurde es durch die Dornier Luftfahrt GmbH, einem Tochterunternehmen der damaligen Daimler-Tochter Dasa. Am bayerischen Standort Oberpfaffenhofen entstanden insgesamt 217 Maschinen in verschiedenen Ausführungen mit Jet- oder Propellerantrieb. Das vorläufige Aus für die Dornier 328 kam 2005, vor allem als Folge eines Trends zu größeren Maschinen. Damals übernahm die Firma 328 Support Services das Typenzertifikat und die weltweite Kundenbetreuung für alle Maschinen der Baureihe.

Finalisten Bremen und Leipzig

Die Marktchancen für kleinere Regionalflugzeuge mit etwa 30 Sitzen haben sich in jüngerer Zeit offenbar wieder aufgehellt. Zumindest wird das in Oberpfaffenhofen am Sitz von 328 Support Services so gesehen. Fertigungsleiter Nico Neumann bestätigte auf Anfrage, dass Bremen und Leipzig als Finalisten in die endgültige Entscheidung für einen neuen Produktionsstandort gehen, allerdings mit einer Tendenz für Leipzig. „Die Würfel werden noch in diesem Jahr fallen“, so Neumann.

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Dem WESER-KURIER liegt eine detaillierte Checkliste mit Infrastrukturdaten vor, die das bayerische Unternehmen bei diversen Kommunen abgefragt hatte, um die Eignung möglicher Standorte zu prüfen. Eines der wichtigsten Kriterien war dabei die unmittelbare Nähe der Flächen zu einem Flughafen. Die Bremer Wirtschaftsbehörde hat ein solches Grundstück im Bereich der Hanna-Kunath-Straße angeboten. Dort könnten drei Hangars entstehen, der größte davon für die eigentliche Produktion auf etwa 15.000 Quadratmetern. Zwei weitere Gebäude sind in den Planungen für die Endabnahme („Flight Readiness“) und die Lackierung des Fliegers vorgesehen.

Im Wirtschaftsressort des Senats wird das Thema mit Top-Geheimhaltung bearbeitet. Sprecher Tim Cordßen wollte am Montag auf Anfrage nicht einmal die Existenz des Projektes bestätigen. Aus verlässlichen Quellen war jedoch zu erfahren, dass es bereits eine hausinterne Machbarkeitsstudie gegeben hat. Darin ist von einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren für die Bereitstellung der Flächen die Rede. Zuvor müssten Fachgutachten zur Bodenbeschaffenheit und zum ökologischen Wert des Areals inklusive möglicher Ausgleichsmaßnahmen für den Fall einer Bebauung eingeholt werden. Daran würde sich das Bauleitplanverfahren anschließen, gefolgt von der Erschließung des Grundstücks mit Zufahrt und Versorgungsleitungen.

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Für Bremen würde die Ansiedlung eines weiteren, in diesem Fall mittelständischen, Flugzeugherstellers ein weitere Stärkung des Luft- und Raumfahrtsektors bedeuten. Bei Airbus mit seinen diversen Sparten stehen derzeit rund 5200 Menschen in Lohn und Brot. 3000 davon sind im zivilen Bereich tätig, etwa 1000 bauen den Militärtransporter A 400M. In der Raumfahrtsparte (früher: Astrium) sind etwa 1200 Menschen beschäftigt. Ein weiterer großer Akteur ist die Firma OHB, für die in der Hansestadt und an weiteren Standorten insgesamt rund 2400 Menschen arbeiten. Damit ist Bremen nach Hamburg (rund 16.000 Arbeitnehmer) der zweitgrößte Standort der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Zudem gibt es an der Universität einen renommierten raumfahrttechnischen Schwerpunkt.

Gut für die Branche und die Fachkompetenz

Der Industriegewerkschaft Metall wäre eine Dornier-Fertigung am Flughafen willkommen. „Das wäre gut für die Branche und die Fachkompetenz, die in Bremen auf diesem Industriesektor bereits konzentriert ist“, sagt ihr Erster Bevollmächtigter Volker Stahmann. Begrüßen würde er einen weiteren Flugzeugbaubetrieb auch deshalb, „weil man aktuell bei Airbus nicht so genau weiß, wie es da weitergeht“. Gemeint ist die Auftragsflaute bei zwei Flugzeug-Baureihen, in deren Folge Airbus im Frühjahr bis zu 3700 Stellen in Deutschland und drei anderen Ländern zur Disposition gestellt hatte. Für das Bremer Werk war zuletzt ein Abbau von rund 300 Jobs im Gespräch.

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