Förderzentrum muss auf Kulturangebote verzichten

Sebaldsbrück. Die Plakette, die das Förderzentrum an der Dudweilerstraße als Partnerschule der Kunsthalle Bremen ausweist, trägt einen Trauerflor. "Durch die Kürzung der Lehrerstunden sind die Schülerinnen und Schüler von Kultur ausgeschlossen", sagt Sonderschullehrer Holger Franke. Zwar hat die Bildungsbehörde inzwischen wieder mehr Lehrerstellen bewilligt als zu Beginn des Schuljahres gedacht, aber laut Franke fehlen immer noch Stunden und Fachkräfte.
19.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Karin Mahlstedt

Sebaldsbrück. Die Plakette, die das Förderzentrum an der Dudweilerstraße als Partnerschule der Kunsthalle Bremen ausweist, trägt einen Trauerflor. "Durch die Kürzung der Lehrerstunden sind die Schülerinnen und Schüler von Kultur ausgeschlossen", sagt Sonderschullehrer Holger Franke. Zwar hat die Bildungsbehörde inzwischen wieder mehr Lehrerstellen bewilligt als zu Beginn des Schuljahres gedacht, aber laut Franke fehlen immer noch Stunden und Fachkräfte.

Von 630 ursprünglich bewilligten Lehrerstunden seien zu Beginn des Schuljahres 140 nicht besetzt gewesen. Das entsprach einer Besetzung von 78 Prozent. "Damit waren wir die Schule, die in ganz Bremen am schlechtesten dran war", sagt der engagierte Franke, der kurz vor der Pensionierung steht. Auch Eltern wollten sich engagieren. Als sie sich in der Schule trafen, um zu beratschlagen, was sie machen könnten, brachte Schulleiter Wilfried Schümann gute Nachrichten: Die Bildungsbehörde, an die er sich gewandt hatte, hatte alles noch einmal überprüft und laut Karla Götz, Sprecherin der Senatorin für Bildung, "nachgesteuert und der Schule die fehlenden Ressourcen gegeben."

2,75 Lehrerstellen hat die Behörde zugesagt, das sind laut Franke 71,5 Stunden. "Das ist besser als zu Beginn des Schuljahres, aber noch längst nicht so, wie vor einem Jahr", kritisiert Franke. Die Kletter-AG, die Kanu-AG, die Musik-AG, Fußball, der Chor und die langjährigen Kontakte zu Bremer Museen lägen auf Eis. "Die Schüler haben plötzlich Spaß an Mathe, wenn wir mit ihnen klettern gehen", sagt Franke. "Auch das geht momentan nicht."

Mit viel persönlichem Engagement habe die Sonder- und Kunstpädagogin Petra Schöppler Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Bevölkerungsschichten kontinuierlich für Kunst interessiert, sagt Franke. 2010 habe ihre Kunst-AG den Kunsthallen-Wettbewerb "Museumsschnecke Klara Kunterbunt lebt in den Wallanlagen" gewonnen, die Schule wurde Partnerschule der Kunsthalle. Die entsprechende Plakette haben die Schülerinnen und Schüler am Eingang der Schule angebracht. Dort würden auch schon zwei Plaketten hängen, die das Förderzentrum als "Schule mit vorbildlicher Berufsorientierung" ausweisen. Außerdem sei die Schule "100 % Werder Partner". Vor den Sommerferien habe die Kunst-AG mit der Sonder- und Musikpädagogin Ines Groß "Auf den Spuren von John Cage" eine Performance erarbeitet und sie als Werbung im Weserpark für die Wiedereröffnung der Kunsthalle gezeigt.

"Wir haben im letzten Jahr sehr gute Referendare abgegeben", fügt Franke hinzu. "Wir hatten Leute und keine Stellen. Jetzt haben wir Stellen und keine Leute mit einer Ausbildung für unsere Schule." Es gebe Kollegen, die sagen, die Bildungsbehörde habe nur deshalb die Stellen zugesagt, weil es keine Leute gebe, um sie zu besetzen. "Wir haben weiterhin das Problem, dass es fast keinen Fachunterricht gibt", sagt Franke. "Wenn wir einen Klassenlehrer bekommen würden, könnte ein Kollege, der jetzt in einer Klasse eingesprungen ist, zum Beispiel wieder Physik und Chemie unterrichten."

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