Folge der trockenen Sommer

Rekordnachfrage für privaten Brunnenbau in Bremen

Die trockenen Sommer und die Folgen des Corona-Lockdowns sorgen für eine verstärkte Nachfrage an Brunnenbohrungen in Privatgärten. Doch die Umweltbehörde mahnt einen bewussten Umgang mit dem Grundwasser an.
16.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helke Diers
Rekordnachfrage für privaten Brunnenbau in Bremen

Torsten Szameitat ist Geschäftsführer der Firma bremergrundwasser.de und fördert den privaten Brunnenbau.

Frank Thomas Koch

Die trockene Sommer der letzten Jahre bringen viele Gartenbesitzer dazu, ihre Pflanzen regelmäßig zu wässern und private Pools aufzustellen. Die Corona-Pandemie sorgte in diesem Sommer zusätzlich für Rekordnachfragen bei den Brunnenbauern der Stadt. Immer mehr Menschen wollen auf Leitungswasser verzichten und stattdessen Grundwasser nutzen. Unbedenklich ist das allerdings nicht überall. Auch wenn das Grundwasser kostenlos verfügbar ist, erinnert die Umweltbehörde an sorgsamen Umgang.

Das Bremer Trinkwasser stammt vollständig aus Grundwasser. Rund ein Sechstel wird im Wasserwerk in Bremen-Blumenthal gewonnen. Der Rest kommt aus dem niedersächsischen Umland, heißt es beim Gesundheitsamt. Wer privat auf das Wasser unter unseren Füßen zugreifen möchte, braucht eine Gartenbrunnen, auch bekannt als Grundwasserpumpe.

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Die Bremer Brunnenbauer haben in diesem Sommer viel zu tun. „Wir haben einen gewaltigen Zulauf seit Corona. Das liegt auch daran, dass viele Menschen zu Hause sind oder in Kurzarbeit und nicht in den Urlaub gefahren sind“, berichtet Torsten Szameitat. Er ist Inhaber der Firma bremergrundwasser.de und errichtet mit seiner Firma wöchentlich 25 bis 30 Brunnen.

Dazu verwenden er und seine Mitarbeiter eine Technologie, bei der das Rohr mittels Wasserdruck in den Boden eingespült wird. An solche Brunnen können Gartenpumpen angeschlossen werden. „Das ist Bremen gang und gäbe“, sagt Szameitat. Im Umland würden häufig sogenannte Tauchbrunnen mit abgesenkter Pumpe gebaut. Die Preise für einen Spülbrunnen variieren je nach Stadtteil um die 300 Euro.

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Ähnliches zur aktuellen Lage ist von Marco Cobabus zu hören, Inhaber der Firma „M.C. Garten“. „Durch Corona sind die Aufträge mehr geworden, weil die Leute nicht in den Urlaub fahren und mehr Zeit in den Gärten verbringen. Das hat man auch an den Recyclinghöfen gesehen.“ Cobabus erklärt zur Technik des Spülens: „Rammen macht heute keiner mehr. Man spült den Brunnen, weil das einfach länger hält. In der Regel hat man dann 20 bis 30 Jahre Ruhe.“

Nicht nur die Corona-Folgen, sondern auch die trockenen Sommer führen zu wachsenden Umsätzen bei den Brunnenbauern. „Man hat es die letzten drei Jahre schon gemerkt, dass es mehr wird. Das hat mit dem Klimawandel zu tun. Der Niederschlag wird weniger. Das kennt man aus Bremen normalerweise nicht, wir reden hier ja sonst vom Schietwetter“, sagt Cobabus. Von 30 Prozent mehr Umsatz pro Jahr berichtet auch Szameitat. Dabei sei die Saisonschwankung vergleichbar mit der einer Eisdiele: „Wenn die Sonne scheint, dann kommen die Leute alle auf die Idee, einen Brunnen haben zu wollen. Wenn es regnet, rufen weniger an.“

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Was macht es mit dem Grundwasserspiegel, wenn immer mehr Menschen privat auf das Wasser zugreifen? Grundsätzlich gebe es in Bremen hohe Grundwasserstände, viele Keller stünden im Winter im Grundwasser, sagt Jens Wunsch aus der Bremer Umweltbehörde. Der Referent für Hochwasserrisikomanagement, Gewässerkunde und Klimawandel erklärt: „In Bremen schwankt der Grundwasserspiegel aufgrund natürlicher Verhältnisse um rund einen Meter zwischen Sommer und Winter. 2018 wurden teilweise die niedrigsten jemals aufgezeichneten Stände gemessen. Aber man muss dazu wissen: Es waren nur maximal zehn Zentimeter weniger als die bisher niedrigsten Stände.“

Auch wenn das kühle Nass scheinbar unerschöpflich aus dem Schlauch spritzt, rät Wunsch zum bewussten Umgang mit dem Wasser. „Auch wenn Grundwasser grundsätzlich verfügbar ist, macht es trotzdem keinen Sinn, in der Mittagshitze zu sprengen, wenn das Wasser sofort wieder verdampft und kaum etwas in den Boden zurück sickert.“ Insbesondere Trinkwasser sollte nicht zur Gartenbewässerung genutzt werden. „Der stündliche Wasserverbrauch eines Rasensprengers übertrifft den täglichen Trinkwasserverbrauch eines Vier-Personenhaushaltes um nahezu das Doppelte.“

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Der Sprechers der Umweltbehörde, Jens Tittmann, meint über trockene Sommerperioden: „Man sollte schon zusehen, dass man seine Bäume und Büsche bewässert, die haben auch eine kühlende Wirkung. Aber die Rasenfläche muss ich nicht bewässern, der kommt wieder und erholt sich.“ Auch Cobabus rät zur umsichtigen Wässerung. „Man soll es nicht übertreiben mit dem Wasser. Die Pflanzen gewöhnen sich daran und entwickeln sich zu Flachwurzlern.“

Wer einen Brunnen bauen möchte, kann das in Bremen ohne behördliche Erlaubnis tun. Doch das Grundwasser kann nicht überall bedenkenlos genutzt werden. Das Umweltressort hat Übersichtskarten mit Gebieten veröffentlicht, in denen das Wasser schadstoffbelastet ist und besser im Boden bleiben sollte. Grund sind meistens sogenannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe – sie können Organe schädigen oder Krebs erzeugen, wenn sie über die Atemluft oder das Wasser direkt aufgenommen werden. Bei den Brunnenbauern ebbt die Saison im Herbst langsam ab. Zu Stoßzeiten im Sommer, sagt Cobabus, hätten die Kunden manchmal Monate warten müssen.

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