Streik der Lokführergewerkschaft in Bremen Folgen nicht nur für Reisende

Der Streik der deutschen Lokführergewerkschaft GDL hat am Mittwoch auch in Bremen zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen geführt – vor allem für Pendler im Feierabendverkehr. Es gibt aber auch Profiteure.
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Folgen nicht nur für Reisende
Von Lisa Schröder

Der Streik der deutschen Lokführergewerkschaft GDL hat auch in Bremen zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen geführt – vor allem für Pendler im Feierabendverkehr. Es gibt aber auch Profiteure.

Zugausfälle und Verspätungen haben am Mittwoch vor allem Pendler im Feierabendverkehr betroffen, viele Reisende mussten sich um Alternativen bemühen. Aber nicht nur Bahnmitarbeiter und -kunden bekamen die Auswirkungen des jüngsten Streiks der deutschen Lokführergewerkschaft GDL zu spüren.

„Wir merken deutlich, dass sich viele Anrufer bei unserer Service-Hotline melden, mindestens 50 Prozent mehr“, so Eckhard Spliethoff, Pressesprecher des Verkehrsbundes Bremen/Niedersachsen (VBN). Auch seien mehr Zugriffe auf die elektronische Fahrauskunft des VBN zu beobachten.

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Die vier anderen privaten Bahnunternehmen des VBN, der Metronom, die Nordwestbahn, die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB), Erixx und Busse, die allesamt nicht direkt vom Streik betroffen sind, hätten deutlich mehr Fahrgäste gehabt, sagte Spliethoff. Finanziell mache sich das aber nicht für sie bemerkbar. „Der Anteil am Umsatz aus dem Verkauf der Fahrkarten ergibt sich aus der Anzahl der jeweiligen Fahrgäste, die regelmäßig erhoben wird – aber nicht im Moment“, erklärt dies Björn Pamperin, Sprecher der Metronom. Er beobachte, dass vor allem der Anteil der Fernfahrer steige, wenn bei der Bahn gestreikt wird.

Der Car-Sharing-Anbieter Cambio hatte ebenfalls mehr Kunden. „Es gab eine stärkere Nachfrage, etwa 20 Prozent Zuwachs“, sagt Klaus Göckler, Sprecher von Cambio. Auffällig aktiv seien die Stationen um den Bahnhof gewesen. In Bremen hätte es aber zu jeder Zeit noch genügend Fahrzeuge gegeben. Für weite Strecken lohne sich das Car-Sharing Angebot nicht, weil die gesamte Mietzeit bezahlt werden und das Fahrzeug wieder zur selben Station zurückgebracht werden muss, so Göckler.

Direkt nachdem der Streik am Mittwoch angekündigt wurde, gab es beim Anbieter „Mein Fernbus“ ebenfalls bundesweit deutlich mehr Kunden. „Seit gestern verzeichnen wir zeitweise eine Verdopplung der Buchungseingänge“, sagte Geschäftsführer Torben Greve. Verstärkt habe es Buchungen auf Verbindungen zwischen Ballungsgebieten und großen Metropolen gegeben. Das Unternehmen setzte deshalb Ersatzfahrzeuge und -busse ein, sagte Greve.

Die BSAG konnte dagegen keine Auffälligkeiten feststellen. „Es schlägt sich bei uns eigentlich nicht nieder, wir hatten keine Problem, weil der Streik angekündigt war. Außerdem spricht die Bahn eher den Fernverkehr an“, sagt Christian Meyer, Pressesprecher der BSAG.

Die Geschäfte im Bahnhof spüren unmittelbar Auswirkungen eines Streiks, sowohl positive als auch negative. Zum Imbiss Kebaphaus von Arif Kasikci kommen während eines Streikt auf jeden Fall mehr Leute, vor allem zum Nachmittag hin. Er geht von 10 bis 15 Prozent mehr Umsatz aus. Die Wartenden bringen dafür ihre Problem mit an den Tresen: „Die Kunden sind alle ein bisschen nervös.“

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Den Mitarbeitern des Werderbäckers Bünger geht es genau anders: „Wir produzieren weniger, wenn wir wissen das gestreikt wird“, erzählt eine Verkäuferin, die seit zehn Jahren im Bahnhof arbeitet. Es fehlten die vielen Bahnreisenden, die auf dem Weg zur Arbeit morgens beim Bäcker einkaufen. Das mache sich bemerkbar. Ihr Chef habe deshalb schon frühzeitig gebeten, am Mittwoch weniger zu backen. Bei der Bäckerei Le Crobag hängt der Umsatz während des Streiks davon ab, ob er angekündigt ist oder nicht, sagt Mitarbeiterin Katrin Heise: „Entweder ist sehr viel los, wenn er unangekündigt kommt oder man hat Umsatzeinbußen, wenn er angekündigt ist.“

Die Taxifahrer vor dem Bahnhof können während des Streiks den ein oder anderen Fahrgast mehr gewinnen – manchmal auch für längere Fahrten. Teils haben vom Streickbetroffene von der Bahn Gutscheine für die Fahrt mit dem Taxi bekommen. „Natürlich profitieren wir vom Streik, aber es ist nicht das große Geschäft“, sieht Mehmet G. die Situation. Trotz der Ankündigung seien einige Reisende zudem vom jüngsten Streik überrascht gewesen, so der Taxifahrer.

Service für Reisende

Der bundesweite Streik der Lokführergewerkschaft GDL ab Mittwoch, 14 Uhr, ist in der Nacht zum Donnerstag um 4 Uhr vorbei. Mindestens bis zum Donnerstag-Nachmittag sei allerdings noch mit Verspätungen im Regional- und im Fernverkehr zu rechnen, sagt ein Sprecher der Bahn. Auf www.bahn.de gibt es eine Live-Auskunft, die aktuelle Änderungen berücksichtigt. Außerdem soll die kostenlose Service-Hotline 08000 996633 noch einige Stunden nach dem Ende des Streiks für Bahnreisende zur Verfügung stehen.

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