Pilotprojekt für Kennzeichen

Folie statt Blech als Mofa-Kennzeichen

Ein Pilotprojekt testet seit Beginn des Versicherungsjahres neue Kennzeichen für Kleinkrafträder. Ziel des auf drei Jahre angelegten Versuchs: Umwelt und Ressourcen schonen. Der BUND ist noch skeptisch.
20.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Karina Skwirblies
Folie statt Blech als Mofa-Kennzeichen

Ein Pilotprojekt testet seit Beginn des Versicherungsjahres neue Kennzeichen für Kleinkrafträder.

ARNO BURGI

Kleben statt schrauben heißt es künftig für über 1,8 Millionen Mofa- und Moped-Besitzer seit Beginn des neuen Versicherungsjahres am 1. März in Deutschland. Statt wie gewohnt das Blech- oder Alu-Nummernschild ans Fahrzeug zu schrauben, können Mofafahrer eine Folie mit ihrem Kennzeichen auf eine passende Trägerplatte aus Kunststoff kleben. Die Folie wird dann jährlich gewechselt.

Bislang erhalten Besitzer von Kleinkrafträdern zu Saisonbeginn von ihrer Versicherung ein neues Nummernschild aus Blech. Dabei wechselt jedes Mal die Farbe: Im vergangenen Jahr waren die Schilder schwarz, 2021 sind sie blau. Nun können sie beim neuen Kennzeichen zwischen Blech und Folie wählen.
Das Bundesverkehrsministerium hat das dreijährige Pilotprojekt mit dem neuen Folien-Kennzeichen zum 1. März gestartet. Es soll Umwelt und Ressourcen schonen und für Halter und Versicherer den Aufwand reduzieren, begründet Ministeriumssprecherin Martina Thöne.

E-Scooter und andere Elektrokleinstfahrzeuge haben seit zwei Jahren ausschließlich Folienkennzeichen. Damit wurden positive Erfahrungen gemacht, so Martina Thöne. „Darauf bauen wir jetzt auf und möchten die Vorteile auch für die anderen Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen nutzen.“ Bei der Herstellung der Kennzeichenfolie würden weniger Treibhausgasemissionen entstehen als beim Blech. „Das ist bürgerfreundlich, praktisch und schont Ressourcen“, ist Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) überzeugt. Zur Sicherheit trägt die Folie ein Hologramm, das das Fälschen erschweren soll.

Die neue Regelung betrifft Roller, Mofas, Mopeds, Quads und Trikes mit maximal 50 Kubikzentimeter Hubraum, E-Bikes, E-Roller, motorisierte Krankenfahrstühle sowie Mofas und Mopeds aus DDR-Produktion bis maximal 60 Stundenkilometer, die schon vor dem 1. März 1992 versichert waren. Die Deutschen Versicherer begrüßen das neue Folien-Kennzeichen. „Das ist einfacher, schneller und besser für die Umwelt“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Nach fünf Jahren ist der ökologische Rucksack der Klebefolien fast 40 Prozent kleiner als von herkömmlichen Schildern, weil sowohl bei der Herstellung als auch bei der Entsorgung weniger Treibhausgase entstehen.“

Bis jetzt nehmen drei Versicherungen an dem Projekt teil: die HUK, die Hanse Merkur und die Bayerische. „Für unsere Abläufe kam die Regelung zu spät“, berichtet Stefan Ziegler, Sprecher der Öffentliche Versicherung Bremen (ÖVB). Die Kunden würden noch nicht nach der Folienlösung fragen. „Aber nächstes Jahr bieten wir das definitiv an. Wir halten viel davon.“ Ebenfalls die Senatorin für Mobilität Maike Schaefer (Grüne) unterstützt den Versuch ausdrücklich. „Die Produktion von circa zwei Millionen Versicherungskennzeichen aus Aluminium oder Stahlblech wird eingespart.“ Eine erhöhte Diebstahlsgefahr bestehe nicht, ist die Senatorin überzeugt: „Beim Ablösen soll die Folie zerreißen und somit eine Wiederverwendung unmöglich machen.“

Nach einer Testphase von drei Jahren wertet das Bundesverkehrsministerium die Folienlösung aus. Langfristig soll nach einem positiven Abschluss des Pilotprojekts die Klebefolie die bisherigen Schilder ersetzen, teilt die Sprecherin des Ministeriums Thöne mit.

Nicht ganz überzeugt von dem Projekt ist Helmut Horn, langjähriger Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Bremen und Experte für Nachhaltigkeit. „Ich würde fordern, dass eine Ökobilanz gemacht wird, und zwar von der Wiege bis zur Bahre.“ Die Folie müsse man abziehen, und dann gehe sie in den Müll. „Blech, auch Alublech, geht zu 100 Prozent ins Recycling und ist sehr gut zu recyceln“, so Horn. Er tut sich schwer damit sich vorzustellen, dass die Folienlösung die Bessere ist.

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