Bewegung für bezahlbares Wohnen Forderung nach bezahlbarem Wohnen

Zu einer prominent besetzten Gesprächsrunde lädt die Stadtteilgenossenschaft Hulsberg am Dienstag, 2. April, ein. Bezahlbares Wohnen sei nicht mehr selbstverständlich, klagt Mitveranstalter Hartwig Gerecke.
29.03.2019, 11:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

„Das Problem des Wohnens ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, ist Hartwig Gerecke von der Stadtteilgenossenschaft Hulsberg überzeugt. „Und es ist nicht nur in der Mitte der Gesellschaft, es wird auch diskutiert.“ Gereckes Mitstreiterin Margot Müller sagt: „Wir als Stadtteilgenossenschaft Hulsberg sind ein Teil der Bewegung für bezahlbares Wohnen.“ Denn bezahlbares Wohnen ist nicht mehr selbstverständlich, die Errichtung von sozial gefördertem Wohnraum kommt mit dem Wegfall von Wohnungen, die aus der Sozialbindung fallen, nicht hinterher.

Auch aus diesem Grund fordert die Stadtteilgenossenschaft im Rahmen einer Gesprächsrunde am Dienstag, 2. April, „Gemeinwohlrendite statt Kapitalrendite“. Gleichzeitig fragt sie: „Braucht Bremen ein neues ­wohnungspolitisches Leitbild?“. Zusammen mit Björn Tschöpe (SPD), Robert Bücking (Bündnis 90/Die Grünen), Silke Neumeyer (CDU) und Claudia Bernhard (Die Linke) sollen dann diese und andere Fragen diskutiert werden.

Denn für die Stadtteilgenossenschaft Hulsberg steht fest, dass durch den überhitzten Wohnungs- und Immobilienmarkt, den starken Anstieg der Grundstückspreise und die Verknappung von geförderten Sozialwohnungen und bezahlbarem Wohnraum für Gering- und Normalverdiener die Spaltung der Stadt verstärkt wird und diese Entwicklung zur ­sozialen Entmischung in den Wohnquartieren führt. „Wir erwarten von der Veranstaltung ein paar Positionen zur Genossenschaftsförderung und Ideen, wie geringverdienende Menschen ihren Platz in Genossenschaften finden können“, sagt Hartwig Gerecke. „Es soll auch ein Versuch sein, dass sich die einzelnen Gruppen politisch mehr festlegen.“ Denn für Hartwig Gerecke steht fest: „Der Mut fehlt! Man muss politisch den Mut haben, auch Ohrfeigen zu riskieren, wenn man etwas richtig findet.“

Kein Problem einer Minderheit

Denn sowohl er als auch Margot Müller glauben, dass das Problem kein Problem einer Minderheit mehr ist. „Es ist die Mehrheit der Menschen und ein Riesenproblem in allen Großstädten.“ Beispielhaft nennt sie die Vahrer Galopprennbahn: „Ich bin für eine Bebauung, die Frage lautet jedoch: wie viel? Da ist im Vorfeld die Bürgerbeteiligung vermurkst worden. Man sollte möglichst viel Einfluss gewinnen, wie gebaut wird und wie viel.“

Hartwig Gerecke macht dabei verschiedene Zielgruppen aus, ob es nun Mitglieder des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen sind oder aber Gutverdienende bei Daimler: „Ob es nun das Einfamilienhaus sein muss? Man kann auch Zwei- und Mehrfamilienhäuser bauen. Man muss den Mut haben, eine Vision zu entwickeln.“

Margot Müller hofft zudem, dass die Wasserläufe und die Bäume auf dem Areal erhalten bleiben. „Und auch auf Flächen, wo überhaupt keine Natur ist, wie zum Beispiel bei Coca-Cola oder Könecke, sollte viel mehr gebaut werden.“

Peter Bargfrede von der Stadtteilgenossenschaft betrachtet auch die Frage, ob Bremen den privaten Wohnungsbau stärken solle oder aber den Geschosswohnungsbau und die ­Genossenschaften, als relevant für die Veranstaltung. „Wie bekommt man es hin, ein sozial gemischtes Quartier zu entwickeln? Soziale und ökologische Aspekte zu vermitteln und auf klimatische Veränderungen Rücksicht zu nehmen? Wir müssen die Stadt anders denken.“

Kreative Wohnideen als Mangelware

Peter Bargfrede fehlen kreative Ideen in Bremen und Freiräume für kreative Wohnideen. „Vielleicht auch künstlerische Ideen, da ist noch Luft nach oben. Mir geht es darum: Kann man auch im innerstädtischen Bereich bezahlbaren Wohnraum schaffen?“

Hinsichtlich der Baugenossenschaften, auch auf dem Gelände des entstehenden Neuen Hulsberg-Viertels, geht es der Stadtteilgenossenschaft darum, dass die Grundstücke unterhalb des Verkehrswertes veräußert werden. „20 Prozent sollen an Baugenossenschaften verkauft werden. Doch die Genossenschaften, die das Geld nicht haben, brauchen sich gar nicht erst zu bewerben. Der Grundstücks- und Bodenpreis wird die zentrale Frage sein. Die öffentlichen Grundstücke dürften nur noch in Erbbaurecht vergeben werden.“ Peter Bargfrede sieht es als eine politische Entscheidung an, Wohnungen in der Innenstadt an Menschen zu vergeben, die nicht so viel Geld haben. Und Margot Müller plädiert dafür, die Bindungsfrist zu diskutieren – die Zahl der Sozialwohnungen habe sich von knapp 80 000 im Jahre 1990 auf heute 8200 reduziert: „Die Wohnungsnot in den Großstädten hängt auch damit zusammen, dass die Sozialwohnungen die Bindung verlieren.“

Weitere Informationen

Die Gesprächsrunde „Gemeinwohlrendite statt Kapitalrendite – Braucht Bremen ein neues wohnungspolitisches Leitbild?“ findet statt am Dienstag, 2. April, 18 Uhr, in den Räumen der Hulsberg Crowd, Am Schwarzen Meer 142
(Gebäude 44/46 auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte).

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