Bremen Forderung nach Party-Freiflächen

Bremen. Bremer Jugendliche, Partyveranstalter und DJs fordern mehr Toleranz für friedliche Feiern jenseits der Wohngebiete und verweisen auf das Beispiel Halle. Dort hat die Stadt bestimmte Gebiete für Partys freigegeben.
14.07.2013, 05:00
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Forderung nach Party-Freiflächen
Von Sara Sundermann

Bremen. Wer im Grünen feiern will, muss die Party anmelden und Auflagen erfüllen, sonst wird die Veranstaltung von der Polizei geräumt. Bremer Jugendliche, Partyveranstalter und DJs fordern jetzt mehr Toleranz für friedliche Feiern jenseits der Wohngebiete und verweisen auf das Beispiel Halle. Dort hat die Stadt bestimmte Gebiete für Partys freigegeben.

Auch in Halle in Sachsen-Anhalt wurde lange diskutiert: Im Frühling aber hat die Stadt schließlich acht Grillplätze für Spontanpartys frei gegeben. Es sind Gebiete in der Flussaue der Saale, Lagerfeuerplätze und Teile öffentlicher Parks im Stadtgebiet. Wer maximal 500 Gäste erwartet, eine Lautstärke von 103 Dezibel nicht überschreitet und die Party mindestens 24 Stunden zuvor anmeldet, darf dort ganz legal feiern.

Auf dieses Beispiel verweisen Katharina Müller und David Schuster (Namen von der Redaktion geändert), die eine der drei illegalen Partys am vergangenen Wochenende in Woltmershausen mitorganisiert haben (wir berichteten). Die beiden 17-Jährigen hätten gerne legal gefeiert, sahen sich allerdings mit aus ihrer Sicht zu hohen Auflagen des Stadtamts konfrontiert.

Jetzt schließen sich weitere Party-Aktive der Forderung der jungen Leute nach Raum zum Feiern an: So wünscht sich auch das Bremer DJ- und Produzenten-Duo "Audio Stunts & Mahumba" in Bremen Freiflächen für Partys jenseits der Wohngebiete und verweist auf das Beispiel der Stadt Halle. Einer der beiden DJs wünscht sich vor allem mehr Akzeptanz: "Alles, was nicht normkonform ist, wird kritisiert", sagt der 27-Jährige. "In jedem Dorf gibt es ein Schützenfest, aber eine friedliche Elektro-Party im Grünen wird auch von vielen kritisch beäugt, die gar nicht persönlich betroffen sind." Er ärgert sich über die öffentliche Wahrnehmung, die "ein Bild von marodierenden Ballermann-Kids vermittelt."

Der DJ berichtet von einer Sommerparty vor zwei Jahren: "Wir haben am Weserstrand in Achim gefeiert, im Umkreis von ein oder zwei Kilometern gab es keine Wohnhäuser. Da lagen einfach 200 junge Leute glückselig am Strand." Es seien Spenden für den Stromgeneratoren-Sprit gesammelt worden, und nachher habe man alles wieder aufgeräumt. "Die Szene ist da selbstregulierend und umsichtig." Mit seinem DJ-Kollegen habe er bereits bei 10 bis 15 inoffiziellen Partys aufgelegt – mal am Flussufer, dann wieder unter der Autobahn. Nur zweimal sei die Polizei vorbeigekommen. "Wenn es jedes Wochenende fünf inoffizielle Partys in Bremen gibt, bleiben zwei davon unentdeckt", schätzt er. "Die Feiernden sind keine Randgruppe, diese Partys sind ja extrem gut besucht."

Gebiete in Überseestadt "nicht geeignet"

Laut Stadtamt gebe es Anfragen junger, nicht-professioneller Party-Veranstalter bislang nur vereinzelt, sagt die Leiterin des Stadtamts, Marita Wessel-Niepel. Und in der Stadt Halle sei die Situation anders als in Bremen. Dort habe man Flussauen freigegeben, in deren Nähe es keine Wohnhäuser gebe. "Wir haben in Bremen kaum solche Flächen, wo der Lärm niemanden stört." Wenn es geeignete Flächen gebe, müsse man dies mit den Anwohnern diskutieren und prüfen. Gebiete in der Überseestadt hält Wessel-Niepel beispielsweise für nicht geeignet.

Tatsächlich hatten auch Katharina Müller und David Schuster zunächst ein Gebiet in der Überseestadt für ihre Party beim Stadtamt angefragt, ehe sie auf die Neustadt umschwenkten. Sie wollten in der Brache rund um einen asiatischen Imbiss im Industriegebiet feiern. Der Restaurantbesitzer sei einverstanden gewesen, doch das Stadtamt nicht, sagt Wessel-Niepel. Das unebene Gelände und die Nähe der Straßenbahn-Schienen seien neben der Lärmbelästigung Gründe gewesen, warum die Party nicht genehmigt wurde. Bereits in der Woche zuvor habe es dort eine Party gegeben, bei der Gäste angetrunken auf die Fahrbahn gelaufen seien.

Mangel an bezahlbaren Räumen

Das Bedürfnis nach Räumen für friedliches Feiern scheint für viele junge Bremer ein wichtiges Thema zu sein – insbesondere, seit der Zucker-Club im vergangenen Sommer seine Türen schloss. "Die selbstorganisierte Gestaltung von Freiräumen ist wichtiger Teil der urbanen Lebensqualität", sagt Musikproduzentin und DJ Akifa Taxim vom Zuckerwerk-Verein, der sich nach der Schließung des Zucker-Clubs gegründet hat. Der Zuckerwerk-Verein hat 50 Mitglieder und vernetzt etwa 300 Party-Aktive in Bremen. Der Verein stellt einen "eklatanten Mangel an geeigneten und bezahlbaren Räumen für die subkulturelle Szene" in Bremen fest. "Wir halten es für einen absurden Zustand, dass potenziell geeignete Ort wie zum Beispiel Haus Neuland ungenutzt bleiben, während es einen starken Bedarf dafür gibt", heißt es in einer Stellungnahme.

Auch der 27-jährige DJ und Musikproduzent von Audiostunts & Mahumba sieht anders als das Stadtamt viele geeignete Orte in Bremen: Es gebe genug Brachland, auf dem keine Anwohner gestört würden, sagt er. "Und es ist kein Problem, wenn die Polizei vorbeikommt, nach Drogen schaut, junge Leute unter 18 rausfischt und nach dem Ausweis fragt – da ist niemand böse, das ist schließlich ihr Job."

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