Schüler experimentieren: Die Wilhelm-Focke-Oberschule und die Universität Bremen kooperieren Forschergeist im Klassenzimmer

Horn-Lehe. An der Wilhelm-Focke-Oberschule (WFO) wird geforscht. Bislang noch im kleineren Stil, aber das soll schon bald anders werden – unter professioneller Anleitung.
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Von MAREN BRANDSTÄTTER

Horn-Lehe. An der Wilhelm-Focke-Oberschule (WFO) wird geforscht. Bislang noch im kleineren Stil, aber das soll schon bald anders werden – unter professioneller Anleitung. Im vergangenen Schuljahr lief unter dem Titel „Werkstoffdetektive“ ein Pilotprojekt an, das zeigen sollte, ob das Thema Forschung auch schon bei den Fünftklässlern ankommt. Tut es, wie Schulleiterin Beata Warszewik-König berichtet. „Die Kinder lechzen regelrecht nach mehr“, sagt sie. Erforscht haben sie beispielsweise Alltagsgegenstände wie Schwämme oder Münzen. Woraus sie bestehen und welche Eigenschaften diese Stoffe haben, all das ergründeten die Werkstoffdetektive. Allerdings, so die erste Erkenntnis, taten sie das auf recht unterschiedliche Art und Weise. „Es hat sich gezeigt, dass die Mädchen sich viel mehr zutrauen, wenn sie nicht mit den Jungs zusammen forschen“, erzählt die Schulleiterin. Daher plane die Schule langfristig, Mädchen und Jungs durch ein erweitertes AG-Angebot die Möglichkeit zu geben, den Dingen auch mal getrennt voneinander auf den Grund zu gehen.

Das Projekt verlief derart vielversprechend, dass die Bremer Universität darauf aufmerksam geworden ist – und sich als Kooperationspartnerin angeboten hat, um das Ganze zum Exzellenzprojekt auszubauen. Für die Schule bedeutet das, dass sie im nächsten Schuljahr eine spezielle Forscherklasse im Jahrgang fünf bekommt. Einzige Vorgabe: Jungs und Mädchen sollen in gleicher Anzahl vertreten sein. Ziel des Unterrichts ist es, dass sich die Schüler selbstständig ein Experiment überlegen, es auswerten, darin forschen und mit einem Protokoll abschließen. Unterstützt und begleitet werden sie dabei von einem Professor der Universität und seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Die Begeisterung der Schüler für das Forschungsprojekt hat inzwischen auch auf andere Unterrichtsfächer abgefärbt, sodass jetzt im Fach Deutsch gemeinsam mit den Wissenschaftlern ein Film über das Exzellenzprojekt gedreht wird. Im kommenden Jahr soll das Thema Forschung noch auf weitere Fächer ausgedehnt werden. Aktuell erarbeite man im Fachbereich Mathematik ein entsprechendes Konzept, erzählt Warszewik-König.

Claudia Sobich, Mitarbeiterin im Institut für Werkstofftechnik der Uni Bremen, sieht in dem Gemeinschaftsprojekt mit der WFO eine gute Möglichkeit für die Nachwuchsförderung. Zwei wesentliche Faktoren seien für den Erfolg ausschlaggebend: das Alter der Kinder bei Beginn des Projektes und ein regelmäßiges Angebot. „Wir wollten die Kinder daher in einem Alter ansprechen, in dem sie offen und neugierig für Umwelt und Naturwissenschaft sind und noch nicht unbedingt klare Berufswünsche oder -orientierungen haben“, sagt sie. In der Regel setze Förderung im Bereich Technik im Grundschulalter und dann erst wieder in der Studienorientierungsphase an – und das zudem meist nur punktuell, wie zum Beispiel beim Girls‘ Day. „Wir möchten die Lücke dazwischen mit unserem Angebot längerfristig füllen und haben uns daher gezielt eine feste Kooperationspartnerin gesucht und in der Wilhelm-Focke-Oberschule gefunden“, erzählt Sobich.

Die Oberschule Ronzelenstraße hat ihr Angebot ebenfalls erweitert. Auch sie pflegt eine neuartige Kooperation, und zwar mit dem Tanzsportverein Grün-Gold-Club Bremen, wie Harald Wolf, Koordinator des Leistungssports an der Schule, berichtet. Seit dem vergangenen Schuljahr bestünde die Kooperation bereits im Rahmen einer AG. In diesem Jahr sei der Tanzsport voll in den Stundenplan integriert worden. Somit werde nun auch Kadersport in diesem Bereich angeboten. Praktisch bedeute das, dass an zwei Tagen pro Woche Tanzsport unter fachkundiger Anleitung als Leistungssport an der Schule betrieben werde. Und das habe sich herumgesprochen. Mittlerweile sind bereits Schüler aus Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt wegen des außergewöhnlichen Angebots an die Horner Oberschule gewechselt, berichtet Wolf. Langfristig will die Schule den Tanzsport aber auch als niederschwelliges Angebot in den Inklusionsunterricht integrieren, betont er. Allerdings bestehe derzeit ein erheblicher Bedarf an entsprechenden Räumlichkeiten. Das betreffe Klassenräume und Trainingsstätten gleichermaßen.

Die erweiterten Angebote an den beiden Oberschulen sind auch Thema auf der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses des Horn-Leher Beirats gewesen. „Die Mitglieder des Fachausschusses waren sehr beeindruckt“, erklärt Sprecherin Catharina Hanke (SPD) auf Nachfrage. „Diese Sitzung hat gezeigt, dass die anwesenden hochengagierten Lehrer mit viel Ehrgeiz und Ideenreichtum versuchen, ihre Schulen bei den Anwahlen zum neuen Schuljahr entsprechend zu positionieren.“ Die erweiterten Angebote hätten eine enorme Außenwirkung für Horn-Lehe. „Wir müssen deshalb dafür Sorge tragen, dass die Sportler optimale räumliche Bedingungen bekommen, damit die Schüler weiterhin Schulunterricht sowie Sport miteinander verbinden können“, betont die Ausschuss-Sprecherin.

Die beiden Oberschulen bieten im November Informationsveranstaltungen für Viertklässler und deren Eltern an, in deren Rahmen sämtliche Angebote ausführlich erläutert werden. Die WFO lädt für den 23. November, 17.30 Uhr in ihre Aula ein, die Veranstaltung in der Oberschule Ronzelenstraße folgt tags darauf, am 24. November um 19.30 Uhr.

„Die Kinder lechzen regelrecht nach mehr.“ Schulleiterin Beata Warszewik-König
„Wir möchten die Lücke füllen.“ Claudia Sobich, Uni Bremen
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