Umbau abgeschlossen Forum am Wall wird zur Gastro-Zentrale

Der Umbau des Forums am Wall ist abgeschlossen. Gleich drei neue Restaurants siedeln sich im Polizeihaus an. Ein Besuch vor Ort.
23.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Forum am Wall wird zur Gastro-Zentrale
Von Sara Sundermann

Der Umbau des Forums am Wall ist abgeschlossen. Gleich drei neue Restaurants siedeln sich im Polizeihaus an. Ein Besuch vor Ort.

Tagsüber war im ehemaligen Polizeihaus am Wall in den vergangenen Jahren bereits viel los: Im überdachten Innenhof kreuzten sich mittags die Wege von Besuchern der Stadtbibliothek und von hungrigen Bremerinnen und Bremern, die hier auf eine Suppe oder ein französisches Törtchen einkehrten. Nun soll sich das Atrium auch abends beleben: Der Umbau des Innenhofs ist nach zwei Jahren Planung und einem halben Jahr Bauzeit abgeschlossen. Drei neue Restaurants haben sich hier angesiedelt, ein viertes soll noch kommen.

Zuletzt war der Innenhof eine von Gerüsten geprägte Baustelle, nun aber ist das Atrium wieder frei gegeben. Und es sieht in der Tat deutlich anders aus. Die ungenutztes Tribüne im Zentrum – ein Überbleibsel eines bereits vor Jahren ausgezogenen Bistros – ist abgebaut, der Fußboden im Zentrum nun abgesenkt und von Holzbänken gesäumt. In der Mitte erhebt sich ein Hochsitz auf Stelzen.

Derjenige, der dieses Gebilde entworfen hat, ist auf Baumhäuser spezialisiert: Der Architekt Andreas Wenning. Dieser Hochsitz aus Stahl und Glas ist allerdings das erste Baumhaus, das Wenning nicht für draußen, sondern für das Innere eines Gebäudes entworfen hat. „Das ist ein Raum im Raum, der Neugierde auslöst“, sagt Wenning. Der etwa acht Tonnen schwere Hochsitz musste mit einem Kran auf den Stelzen aufgebockt werden.

Hinter dem Baumhaus entsteht eine grüne Wand: drei jeweils zehn Quadratmeter große Vierecke, an denen Moos wächst. „Dazwischen soll sich künftig Efeu nach oben ranken“, erläutert Annika Reineberg, Geschäftsführerin der Wallhaus GmbH, die das ehemalige Polizeihaus verwaltet. „Ein Gärtner soll den Hochgarten alle zwei Wochen wässern und pflegen.“

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„Hübsch“, sagen Touristen, die gerade aus dem Schnoor hier hereingestolpert sind. „Der Platz im Innenhof ist jetzt besser genutzt“, urteilt eine Mutter mit Kleinkind, die regelmäßig hierher kommt: „Ich hoffe, dass sich die Gastronomie jetzt auch hält.“

Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall: Das Café Coyote, das hier 2004 zeitgleich mit der Stadtbibliothek einzog, schloss nach nur einem Jahr wieder. Auch der Bio-Pizza-Bäcker, der gerade erst im Juli aufgemacht hatte, ist nun wieder weg. Ein Betreiberwechsel aus privaten Gründen, sagt Reineberg: „Es soll aber wieder ein Pizza-Pasta-Angebot dort hinein, wir sind mit Betreibern im Gespräch.“ Die Suppenbar Emmi dagegen hält sich nun schon seit Jahren und erzeugt Warteschlangen, auch der Bäcker Maître Stefan blieb.

Nun sind drei neue Restaurants mit Mittagstisch hinzugekommen, die aber außerdem auch abends geöffnet haben. Das größte der drei ist das Fischrestaurant Fisherman’s. Das modern mit Holztischen und skandinavischer Anmutung eingerichtete Lokal bietet höherpreisige Fischgerichte, aber auch Fish’n’Chips an. Abends ist hier die Küche bis um 21 Uhr geöffnet, Freitags und Samstags auch bis 22 Uhr. Die Betreiber des Gebäudes hoffen darauf, nicht nur Innenstadtbesucher, sondern auch Kunst- und Theatergänger von der Kulturmeile anzulocken. „Man braucht ein bisschen Geduld, es muss sich erst bei den Bremern herumsprechen, dass es hier jetzt auch abends ein Angebot gibt“, sagt Reineberg.

Neben den französischen Bäcker ist ein rustikal eingerichtetes spanisches Restaurant mit einem Tapas-gefüllten Tresen eingezogen, das beispielsweise auch hausgemachte Tagliatelle anbietet.

Und das neue japanische vegetarische Restaurant „Zen“ belegt im Erdgeschoss zwar nur wenig Platz – dafür gehört das Baumhaus im Innenhof mit zum Restaurant: In dem Hochsitz sollen zehn bis 18 Personen Platz finden. Geschlossene Gesellschaften, aber auch normale Restaurantgäste sollen ab Frühling dort speisen können. An der Innenausstattung des Baumhauses wird noch gearbeitet.

Im Erdgeschoss wurde auch deshalb mehr Raum für Restaurants frei, weil das Tanzfilminstitut in den ersten Stock zog. Den Innenhof mit 88 Sitzplätzen teilen sich die Restaurants nun, alle Esstische sind aber den einzelnen Restaurants fest zugeordnet. „Es gibt keinen Zwang, hier etwas zu verzehren, die Holzbänke im Innenhof laden zum Verweilen ein“, betont Ulrike Rösner von der Agentur „Raum in Raum“, die das Atrium neu gestaltet hat.

Die private Gesellschaft, der das Gebäude gehört, hat Reineberg zufolge weitaus mehr als eine Million Euro in den Umbau investiert. Das ehemalige Polizeihaus gehört der Grundstücksgesellschaft am Wall 201 GmbH, die wiederum einer ausländischen europäischen Familie gehört.

Nun bekommt die Gastro-Zentrale im Forum am Wall auch einen neuen Namen. Ein Name, der an die Geschichte des Gebäudes erinnert: „Wache 6“ war der Spitzname des Innenstadtreviers im Polizeihaus. „Wir wollten dem Haus nicht komplett die Historie nehmen“, sagt Reineberg. „Wache 6“ – das soll jetzt für den gemeinsamen Standort der Restaurants, Bars und Bäcker stehen.

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