Unfall des Fährschiffs "Lemwerder II" Frachter ist offenbar zu schnell gefahren

Bremen. Polizei und Staatsanwaltschaft versuchen zu klären, warum sich das neue Fährschiff "Lemwerder II" in der Nacht zu Sonnabend von seinem Vegesacker Liegeplatz losgerissen hat (wir berichteten). Über den Unfall wundern sich sogar erfahrene Nautiker.
09.08.2011, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Ulf Buschmann

Bremen. Polizei und Staatsanwaltschaft versuchen derzeit zu klären, warum sich das neue Fährschiff "Lemwerder II" in der Nacht von Freitag auf Sonnabend von seinem Vegesacker Liegeplatz losgerissen hat (wir berichteten). Über den Unfall wundern sich sogar erfahrene Nautiker. Das erst vor wenigen Wochen in Dienst gestellte Schiff war vom Anleger weggetrieben, so erste Erkenntnisse, nachdem der 115 Meter lange und 20 Meter breite Frachter "Mn Taucan" Vegesack auf seinem Weg von Le Havre zum Neustädter Hafen passiert hatte. Offenbar wegen zu hoher Geschwindigkeit verursachte das unter französischer Flagge fahrende Schiff eine zu starke Sogwirkung.

Nicht nicht nur die "Lemwerder II" riss sich los; auch eine Yacht im Rönnebecker Hafen fiel kurzzeitig trocken, weil das Wasser aus dem Hafenbecken gesogen worden war. In Vegesack prallte die "Lemwerder II" allem Anschein nach gegen eine vor der Hafeneinfahrt liegende Yacht und beschädigte außerdem den Klüverbaum eines ebenfalls dort vertäuten Kutters. Zudem gab es einen Wassereinbruch im Traditionskutter "Prenzlau"im Vegesacker Hafen.

Wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens äußern sich die Behörden derzeit nicht, zumal die "Mn Taucan" einen Lotsen an Bord hatte. Andreas Bettray, Geschäftsführer der Fähren Bremen-Stedingen (FBS) spricht von einem "einmaligen Vorgang" in der Unternehmensgeschichte. Nur weil Mitarbeiter beherzt eingegriffen hätten, habe die führerlose Fähre nicht noch mehr Schäden verursacht: Als die Besatzung des zweiten, nachts fahrenden Fährschiffes "Vegesack" das Malheur bemerkten, seien sie sofort an der "Lemwerder II" längsseits gegangen. Sie hätten das Schiff vertäut und wieder an seinen Liegeplatz bugsiert. Bettray geht davon aus, dass die Schuld für das Losreißen der Fähre nicht bei der FBS liegt.

Auch die zehn Zentimeter dicken Tampen, wie sie die FBS zum Festmachen benutzt, können nach Ansicht von Nautikern nicht verhindern, dass sich ein Schiff bei starkem Sog losreißt. Zur Fahrt der "Mn Taucan" sagen sie: "Die müssen ganz schön durch das Revier gebrettert sein."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+