Filmporträts über Bremer Frauen und Männer

Eine Frage des Geschlechts

Filmemacher Frank Bauer fragt Menschen, was es für sie bedeutet, eine Frau oder ein Mann zu sein. Dabei heraus kommen teils überraschende Antworten, die Bauer über Instagram teilt.
11.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Eine Frage des Geschlechts

Frank Bauer setzt Frauen und Männer in Szene und lässt sie auf Instagram erzählen.

Christina Kuhaupt

„Da gab es eine Situation in meinem Leben“, sagt der Filmemacher Frank Bauer. „Mein Sohn wollte einen Keks, den bekam er aber nicht und weinte.„ Da habe er zu dem viereinhalb Jahre alten Kind, das zweisprachig erzogen wird, gesagt: „Stop crying like a girl.“ Auf deutsch bedeutet das: Heul nicht wie ein Mädchen. „Danach war ich erschrocken über mich selbst“, sagt Bauer.

Anschließend habe er darüber nachgedacht, welche Werte er seinem Sohn vermitteln möchte. Bauer beschäftigte sich mit dem Thema – und herausgekommen ist ein Filmprojekt, das das weite Feld des Mann-Seins mit all seinen Facetten beleuchtet. „Mannsbild“ heißt die Interviewreihe.

Dafür hat Frank Bauer zunächst sogenannte Männercoaches gesucht, die er interviewt hat. „Dann wollte ich das aber breit fächern“, sagt der Filmemacher. Daher haben mittlerweile auch andere Männer jenseits der Coachingszene ihren Platz im Projekt gefunden. „Ich stelle die Frage ,Was bedeutet es für dich, ein Mann zu sein?' und einige Männer erzählen dann, wie sie gerne wären oder aber sein sollten. Die meisten geben sich dabei authentisch.“

30 Männer vor der Kamera gehabt

Zu sehen sind die Gesprächssequenzen, die zwischen eineinhalb und 14 Minuten lang sind, auf dem Instagram-Account von Bauer. Ungefähr 30 Männer hätten bereits vor seiner Kamera gesessen, sagt der Habenhauser.

In den schwarz-weiß gehaltenen Clips, in denen die Protagonisten vor einem schwarzen Hintergrund sitzen, kommen ganz unterschiedliche Typen zu Wort. Viele von ihnen betonen, dass es wichtig sei, Ziele zu haben, sie zu verfolgen. „Und die Coaches etwa sagen, dass auch die weibliche Seite gelebt werden muss. Indem man sich fallen lässt und das auch zulassen kann. Und auch, dass man jemanden braucht“, sagt Bauer.

Doch nicht nur das Ausleben der weiblichen Seite macht in den Augen der Gesprächspartner das Mann-Sein aus: „Zu schauen, dass du mit deinem Vater im Reinen bist“ lautet das Fazit eines Mannes. Ein anderer meint, man müsse „komplett Mann sein“ – stark sein, und das nicht nur körperlich. Und immer dazu lernen, versuchen, sich zu verbessern und dadurch eine Vorbildfunktion zu erfüllen, gehöre auch dazu.

Ein Anderer hingegen sieht sein Mann-Sein eher nüchtern-kritisch: „Ich bin als Junge geboren und entwickelte mich irgendwann zum Mann. Das ist halt Natur, dagegen kann man nichts tun.“ Er sieht Männlichkeit, wie sie in der Gesellschaft definiert ist, eher als hinderlich an: „Weil es Dinge sind, die nicht aus der Vernunft heraus geschehen – wie in meiner Jugend zum Beispiel die Exzesse mit Alkohol oder rauchen.“ Seine Erkenntnis: „Ich versuche, mein Verhalten so oft es geht zu reflektieren und mit dem Verstand zu handeln.“

Mit Konsequenz hat auch Frank Bauer sein Leben nach eigenen Angaben bisher gemeistert: Der 45-Jährige ist Lehrer für Gesundheit, Fitness und Ernährung, darüber hinaus absolvierte er ein Volontariat in einer Medienagentur und eine Ausbildung zum Jungredakteur. Nachdem er auch mal Inlineskates verkauft hatte, gründete er 2001 die Firma 8media, mit der er für seine Kunden Leistungen rund um Internet, Print und Film anbietet. Bis 2012 habe sich dann das Medium Film als das entscheidende herausgestellt und er gründete Filmreich, das Unternehmen, das auch die „Mannsbilder“ produziert.

Zuverlässigkeit und Stärke

„Ich möchte viele Leute erreichen“, erklärt Bauer seine Motivation, die „Mannsbilder“ zu machen. „Viele Väter beschäftigen sich mit dem Thema ,Mann-Sein' und was sie ihren Söhnen mitgeben sollen.“ Für ihn persönlich bedeute das Mann-Sein zu 80 Prozent Zuverlässigkeit und Stärke, zu 20 Prozent aber auch, sich dem Schönen hinzugeben und sich fallen zu lassen.

Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen? „In meinen Augen einigen sich Männer in Diskussionen schneller und sie sind nicht so nachtragend„, sagt er. “ Man verlässt den Tisch und dann ist alles geklärt.“

Außer den „Mannsbildern“ gibt es ebenso die Interviewreihe „Weibsbilder“. Doch Bauer sagt: „Durch die Corona-Pandemie fehlen mir nun die Frauen. Viele haben Interesse, doch momentan keine Zeit.“ Ungefähr 15 Frauen habe er bisher befragen können: „Viele Frauen sprechen Themen zur Gleichstellung an oder die Anforderung, gleichzeitig Mutter zu sein und einen Beruf auszuüben. Oder auch Cellulite – ein ganz großes Thema.“

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Die Selbstständigkeit und die Weiblichkeit zu behalten, gibt eine Frau zu Protokoll. Eine andere meint, selbstbewusst zu sein und das Leben zu führen, das sie möchte, mache das Frau-Sein aus. „An erster Stelle bin ich Mensch“, sagt eine weitere Gesprächspartnerin. „Wir sind alle nur Menschen. Das würde es allen leichter machen, das zu erkennen“ – eine Erkenntnis, die sie nicht alleine hat. „Eine jüngere Interviewte meinte, es solle nur die Menschen geben und dass man nicht auf das Physische reduziert werden sollte“, sagt Bauer.

Wobei es auch viele Frauen lieben würden, ihre männliche Seite zu spielen, fügt er hinzu: „Die starke Schulter zu zeigen und für den Mann da zu sein.“ Und ein paar Frauen hätten erzählt, dass sie früher eher Jungen gewesen wären, „um dem Vater zu gefallen. Das ging dann sogar bis 'Haare kurz'. Sie sind sich benachteiligt vorgekommen, wenn der Vater mit den Brüdern Fußball gespielt hat.“

So einige Gesprächspartner hätten sich anschließend bedankt und gemeint, dass sie sich nun mehr oder auch überhaupt erst mit dem Thema beschäftigt hätten, sagt Bauer. Sein Ziel sei es, 50 Männer und 50 Frauen zu sprechen. „Oder jeweils 100? Mal schauen.“

Weitere Informationen

Wer sich ebenfalls von Frank Bauer vor seiner Kamera befragen lassen möchte, kann über die Website https://frank-bauer.com Kontakt mit dem Filmemacher aufnehmen.

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