468. Bremer Schaffermahlzeit Frauen bleiben die Ausnahme

Bremen. Der Stockfisch hat genug gewässert, Braunkohl und Kartoffeln sind ausreichend vorhanden, die Reden der Schaffer geschrieben. Am Freitag findet das Schaffermahl statt. Vorab steht erneut die Frage nach weiblichen Teilnehmern im Mittelpunkt.
08.02.2012, 15:25
Lesedauer: 2 Min
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Frauen bleiben die Ausnahme
Von Frauke Fischer

Bremen. Der Stockfisch hat lange genug gewässert, Braunkohl und Kartoffeln sind in ausreichender Menge vorhanden, die Reden der Schaffer geschrieben. Und der diesjährige Ehrengast der Schaffermahlzeit, Bundestagspräsident Norbert Lammert, freut sich auf seinen Bremenbesuch am Freitag, sagt Andreas Bunnemann, Verwaltender Vorsteher von Haus Seefahrt, der Stiftung, die das traditionsreiche Mahl Jahr für Jahr ausrichtet.

Die 468. Schaffermahlzeit setzt damit fort, was Kaufleute, Reeder und Kapitäne schon im 16. Jahrhundert praktizierten. Zum Ende des Winters hin trafen sie sich zu einer großen Lagebesprechung. 1545 gründete sich die „Arme Seefahrt“, das heutige Haus Seefahrt, als Sozialwerk für Hinterbliebene und Angehörige von Seeleuten, die auf den Handelsfahrten ums Leben kamen. Und das Essen, das seit etwa 1756, so heißt es in den Unterlagen von Haus Seefahrt, Schaffermahlzeit genannt wird, dient der Sammlung von Geld zur Unterstützung dieser Sozialkasse.

Eine Besonderheit der Schaffermahlzeit stand am Mittwoch bei der Präsentation von Daten und Fakten im Mittelpunkt. Wohl nicht unbedingt zur Freude von Andreas Bunnemann, der im Schütting mit den drei Kaufmännischen Schaffern, Stephan-Andreas Kaulvers, Vorsitzender des Vorstands der Bremer Landesbank, Klaus-Peter Schulenberg, Vorsitzender des Vorstands der CTS Eventim AG, und Hylke H. Boerstra, geschäftsführender Gesellschafter Carl Büttner GmbH & Co. KG, vor Medienvertreter trat. Wie halten es die Männer dieses Jahr mit den Frauen?

Von Anbeginn an nämlich treffen sich bekanntlich ausschließlich Männer an der Tafel der Schaffermahlzeit. Nur zwei Ausnahmen gab es in den vergangenen Jahren: Bundeskanzlerin Angela Merkel war 2007 als Ehrengast geladen. Und die Kapitänin Barbara Massing schaffte es als seemännisches Mitglied von Haus Seefahrt 2004 erstmals in die Gesellschaft der Herren in Uniform und Frack in der Oberen Rathaushalle. 300 Männer, ebensoviele Kapitäne wie Kaufleute und auswärtige Gäste sind es, die vom Einzug um 14.28 Uhr bis zur Aufhebung der Tafel um 19.20 Uhr essen, trinken, reden und Reden lauschen.

Die mehrfach und massiv gestellte Frage, wann denn nun endlich Frauen aus Führungsetagen großer Firmen eingeladen würden, ließ Verwaltenden Vorsteher und Schaffer Erklärungen vortragen. Bunnemann etwa verwies erneut auf die Konstruktion der Stiftung. In den Gremien der Vorsteher, der Oberalten und der Ältesten werde bei deren regelmäßigen Tagungen in Anlehnung an die Statuten „sukzessive“ über Veränderungen entschieden. Es brauche dafür eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Seine Perspektive: „Es wird noch geraume Zeit vergehen, bis die Frauen kommen.“

Und Stephan-Andreas Kaulvers, der auf fünf Frauen im Aufsichtsrat der Bremer Landesbank verweisen kann, übt mit Blick auf Traditionen Nachsicht. „Die Entscheidung liegt bei Haus Seefahrt. Frauen können Ehrengäste sein. Und es gibt jetzt zwei Kapitäninnen. Es bewegt sich schon etwas.“

Boerstra brach ebenfalls eine Lanze für das Mahl. „Man kann doch einem Stiftungsessen zugestehen, dass es nicht vorweggeht.“ Und er verglich Haus Seefahrt mit einem großen Tanker, der zwar nicht wenig und schnell sei, dafür verlässlich sein Ziel erreiche. „Ich finde es schön, wie es ist, und finde es auch schön, wenn es anders wird“, so Boerstra.

Was die Stiftung sich neben der Unterstützung von Angehörigen, auch in der stiftungseigenen Wohnanlage in Grohn, auf die Fahnen schreibt, ist die Unterstützung 20 nautischer Studenten, darunter drei, bald vier Frauen.

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