Kirchenmitglieder in der Vahr bereiten Gottesdienst über weiblichen Anteil der Bewegung vor 500 Jahren vor

Frauen der Reformation

Neue Vahr Südost. Neben Luther trugen Frauen wie Elisabeth Cruciger, Wibrandis Rosenblatt, Katherina Zell oder Gertrud Sissinge, genannt „Trutchen“, vor 500 Jahren zur Reformation christlichen Lebens bei. Heute haben Pastorin Angela Walther von der evangelischen Kirchengemeinde Neue Vahr und Ulrike Kothe von den evangelischen Frauen Bremen sich auf Spurensuche nach den Reformatorinnen begeben, um Erinnerungen an die reformatorische Bewegung vor 500 Jahren und besonders an die weiblichen Mitwirkenden wachzurütteln.
09.10.2017, 00:00
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Von EDWIN PLATT
Frauen der Reformation

Frauen der evangelischen Kirchengemeinde Neue Vahr wollen an die bedeutenden Frauen der Reformation erinnern.

PETRA STUBBE

Neue Vahr Südost. Neben Luther trugen Frauen wie Elisabeth Cruciger, Wibrandis Rosenblatt, Katherina Zell oder Gertrud Sissinge, genannt „Trutchen“, vor 500 Jahren zur Reformation christlichen Lebens bei. Heute haben Pastorin Angela Walther von der evangelischen Kirchengemeinde Neue Vahr und Ulrike Kothe von den evangelischen Frauen Bremen sich auf Spurensuche nach den Reformatorinnen begeben, um Erinnerungen an die reformatorische Bewegung vor 500 Jahren und besonders an die weiblichen Mitwirkenden wachzurütteln.

Wissen, das die Frauengruppe sich erarbeitet, soll in den Reformationsgottesdienst am 31. Oktober in der Christuskirche mit anschließendem Brunch einfließen. Dieser Gottesdienst ist eine exemplarische Veranstaltung von vielen weiteren, die Frauen als Angebote der Bremischen Evangelischen Kirche zur Reformation gestalten.

2008 gab es ein Umdenken, und reformatorischen Frauen aus Luthers Zeit wurde steigende Beachtung geschenkt, denn sie spielten ihre eigenen Rollen in der Reformationsbewegung. Elisabeth Cruciger lebte von 1500, zählte zum Freundeskreis Luthers und gilt als erste Frau, die mit einem Liedtext, „Herr Christ, der einig Gotts Sohn“, ins Gesangbuch aufgenommen wurde. Sie lebte zeitweise im Haushalt von Johannes Bugenhagen und starb 1535 in Wittenberg. Ihre Texte betonen die Wichtigkeit der Bibelworte, was damals Kirchenkritik gleichkam.

Wibrandis Rosenblatt nahm Glaubensflüchtlinge auf. Sie hatte nacheinander vier Männer, wovon Ludwig Cellarius, Johannes Oekolampad und Wolfgang Capito als Reformatoren galten. Von ihren zehn Kindern starben mehrere in Straßburg an der Pest.

Katharina Zell setzte sich in Schriften mit der Legitimität von Priesterehen auseinander, gewährte soziale Hilfen und verkündete: „Man muss sich die christliche Botschaft ins Herz singen“. Zu Gertrud „Trutchen“ Sissinge, die sechs Glaubensschriften veröffentlichte, forscht Andrea Hauser an der Bremer Universität, denn Trutchen war unter anderem die erste Pastorenfrau am Bremer Dom. Als Begine, eine christliche Gemeinschaft, konnte sie ihre Gemeinschaft, anders als Ordensfrauen, verlassen, um zu heiraten. Über ihren Mann D. Albert Rizäus Hardenberg, der zeitweise Pastor am Bremer Dom war, wird gemutmaßt, dass er sein Pastorat am Dom auf Drängen mächtiger Bremer Kaufleute verlassen musste.

Die Frauen in der Gemeinde Neue Vahr befassen sich tiefer mit den Lebensgeschichten der Frauen, die zu Zeiten der Reformation bekannt waren und deren Schriften sich wie Luthers gegen die katholische Kirche stellten, aber den biblischen Glauben respektierten. „Was ist uns wichtig am Leben von…?“ ist die Frage, deren Antworten sich jede Teilnehmerin für sich notiert. „Was soll in den Gottesdienst?“ ist eine der nächsten Fragen. „Was wirkt bis heute?“

Es sind Wege zur Selbstständigkeit, die sich an den Lebensbildern aufzeigen. Es sind Wege zum Gewaltverzicht. Die Frauen stehen für ihre biblische Moral. „Für das Seelenheil genügt allein der Glaube“, ist eine Aussage von Argula von Grumbach, die damals wie heute Unabhängigkeit, statt Unterordnung unter die Kirche einfordert.

Argula von Grumbach bekam im Alter von zehn Jahren ihre erste Bibel von ihrem Vater. „Zeigt mir, wo es steht, ihr hohen Meister! Ich finde keinen Ort in der Bibel, dass Christus oder seine Apostel oder Propheten andere einkerkerten, gefoltert oder ermordet oder sie aus dem Land vertrieben haben.“ Von Grumbach kannte die Bibel auswendig und forderte als Frau durch öffentliche Briefe Kirchenfürsten heraus. „Jene Argula“ schrieb Luther in einem Brief über Argula von Grumbach, „errettet und führt Christus zum Sieg“.

Bücher wie „Verspottet, geachtet, geliebt“, über Frauen in der Reformation liegen auf den Tischen und manche Seite ist daraus bereits für alle kopiert. Über Biografien die Zeit erwecken, über Frauen den Wandel der Reformation verstehen, danach suchen, was gültig blieb und heute noch nützen kann, das wollen die Frauen in ihrem Reformationsgottesdienst ohne Predigt darstellen. Wollen Essenzen der überlieferten Leben den Gästen nahebringen. Lehrreich und spannend.

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