Verein Business and Professional Women

"Es braucht uns noch"

Der Bremer Club Business and Professional Women (BPW) begeht in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum. Die Vorsitzende Anja von Hagen über die Probleme von Frauen in der Berufswelt und was sich ändern muss.
21.09.2021, 15:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Patricia Friedek

Der Verein Business and Professional Women (BPW) feiert in diesem Jahr 70-jähriges Bestehen. Welcher Vorstoß aus dem Bremer Club ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Anja von Hagen: Wir haben uns 2008 auf die Fahne geschrieben, dass wir die sogenannte Nürnberger Resolution unterstützen wollen. Diese hat unter anderem die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Aufsichtsräten zum Ziel. Frauen aus unserem Club in Bremen haben hier engagiert mitgewirkt, zum Beispiel haben sie die SPD-Bürgerschaftsfraktion angesprochen. Dem folgte ein Antrag der SPD in der Bürgerschaft. Im November 2010 wurde dann eine Frauenquote für die Aufsichtsräte der Eigenbetriebe des Landes Bremen beschlossen. Zudem werden wir mit dem Equal Pay Day in Verbindung gebracht, der auf Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern aufmerksam macht. Alle BPW-Clubs in Deutschland, unter anderem unserer in Bremen, haben damals den Anstoß gegeben. Das war 2008 eine riesige Aktion auf dem Marktplatz und etwas völlig Neues.

Hat der Equal Pay Day etwas verändert?

Wir haben danach mehrere Unternehmen ausgezeichnet, die sich für Entgeltgleichheit einsetzen. Momentan ist das etwas eingeschlafen, in dieser Hinsicht müssen sich Unternehmen noch mehr bewegen. Auch, wenn wir mittlerweile das Entgelttransparenzgesetz haben, hat das noch nicht dazu geführt, dass die Unterschiede in der Bezahlung zwischen Frauen und Männern mit der gleichen Tätigkeit auch wirklich transparenter gemacht werden.

Worauf führen Sie das zurück?

Unternehmen behaupten schnell von sich, dass wenn sie Tarifverträge haben, sie dann auch automatisch fair bezahlen. Das ist aber häufig nicht der Fall. Denn da fehlt immer noch der Blick auf die echte Einstufung – ob Menschen, die die gleiche Arbeit verrichten, auch gleich eingestuft werden. Es gibt noch immer viele Beispiele, in denen behauptet wird, die Arbeit von Männern und Frauen sei dann doch nicht vergleichbar. Wir wünschen uns manchmal beim BPW, uns würde es nicht mehr brauchen. Aber wir stellen immer wieder fest: Doch, es braucht uns noch.

Der BPW ist vor allem ein Netzwerk. Warum ist es wichtig, dass sich Frauen in der Berufswelt untereinander vernetzen?

Gerade in Bremen sind die Kommunikationswege kurz. So findet man viel schneller eine Lösung für ein persönliches Problem, ob es um die Jobsuche geht oder darum, dass Frauen sich im Beruf verändern wollen. Wir im BPW beobachten gerade einen Generationswechsel, es kommen mehr junge Frauen dazu. Das sind dann beispielsweise Frauen, die keinen Netzwerk-Hintergrund in ihrer Familie haben und lernen, die ersten Schritte im Beruf zu machen. Es ist gut, sich in einem Netzwerk Rat zu suchen, weil manchmal einfach das Wissen fehlt, ob es gerade gut so ist, wie man im Job agiert. Junge Frauen haben häufig heute noch mit den gleichen Startschwierigkeiten zu kämpfen wie vor 25 Jahren.

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Welche sind das?

Nach einigen wenigen Berufsjahren kommen Probleme auf – sei es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die mangelnden Karrierechancen oder die unfaire Bezahlung. Obwohl Frauen nachweislich die besseren Abschlüsse machen, wird Männern eine höhere Kompetenz zugeschrieben. Bei jungen Frauen wird stets angenommen, dass sie in einem bestimmten Alter ausfallen, weil sie Kinder bekommen. Das wird bei Männern nicht mitgedacht, obwohl es da genauso ist. Deshalb muss es immer wieder einen Anstoß geben, um etwas in den Köpfen zu verändern.

Vom 24. bis 26. September findet die Bundestagung des BPW in Bremen statt. Worauf liegt der Hauptfokus?

Da wir ein Frauennetzwerk sind, geht es natürlich vorrangig um Frauen – vor allem aber um Frauen in der Wirtschaft und Frauen und Finanzen. Auch wenn wir häufig eine gute Ausbildung haben, sind immer noch viele Frauen von Altersarmut betroffen. Da werden wir uns fragen: Warum ist das so, was haben wir falsch gemacht oder was wurde uns zu viel zugemutet und zu wenig bezahlt? Gerade jungen Frauen wollen wir auf den Weg geben, schon heute damit anzufangen, sich um die eigene finanzielle Sicherheit zu kümmern. In unseren Workshops gibt es dann beispielsweise ein Finanzcoaching, in dem es um den besseren Zugang zur Finanz- und Vorsorgeplanung geht. Weitere große Themen sind die generationenübergreifende Arbeit oder Frauen in Machtpositionen.

Das Gespräch führte Patricia Friedek.

Zur Person

Anja von Hagen
ist Immobilienfachwirtin beim Senator für Finanzen und seit 1996 Mitglied im Verein Business and Professional Women. Seit Mai 2020 ist sie erste Vorsitzende des Bremer BPW-Clubs.

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