Mitarbeiterin von Thyssen Krupp System Engineering spricht mit Jugendlichen an der Wilhelm-Focke-Schule über Gleichberechtigung „Frauen in Männerdomänen brauchen Durchsetzungskraft“

Horn-Lehe. Zum Weltfrauentag beteiligte sich die Wilhelm-Focke-Oberschule an der Aktion "Klasse-Frauen: Lernen mal anders" von Bildungsbehörde und Landesfrauenbeauftragter. Dabei kommen bekannte und weniger bekannte Bremerinnen in die Klassen, um von ihrem persönlichen Werdegang zu berichten und über Fragen der Gleichberechtigung zu diskutieren. Als "Klasse-Frau" besuchte Anja Brand, die Frauenbeauftragte des Maschinenbauunternehmens Thyssen Krupp System Engineering aus Bremen-Farge, die Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse und deren Lehrerin Adrienne Körner.
11.03.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Janna Kahrs

Horn-Lehe. Zum Weltfrauentag beteiligte sich die Wilhelm-Focke-Oberschule an der Aktion "Klasse-Frauen: Lernen mal anders" von Bildungsbehörde und Landesfrauenbeauftragter. Dabei kommen bekannte und weniger bekannte Bremerinnen in die Klassen, um von ihrem persönlichen Werdegang zu berichten und über Fragen der Gleichberechtigung zu diskutieren. Als "Klasse-Frau" besuchte Anja Brand, die Frauenbeauftragte des Maschinenbauunternehmens Thyssen Krupp System Engineering aus Bremen-Farge, die Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse und deren Lehrerin Adrienne Körner.

Der Schüler Elias aus Borgfeld wollte von Anja Brand wissen, warum sie nicht in einem "typischen Frauenjob" arbeite. "Zum Beispiel als Friseurin", fragte er.Tatsächlich habe sie ursprünglich Friseurin werden wollen, antwortete die 56-Jährige und fügte schmunzelnd an: "Noch heute schneide ich meinen Söhnen die Haare." Schon in der Schule habe sie sich vor allem für Zeichnen und Mathematik interessiert. "Über Vitamin B wurde ich dann technische Zeichnerin." Es sei ihr nicht schwer gefallen, in einem "Männerberuf" Fuß zu fassen. Thyssen Krupp System Engineering sei eine Männerdomäne, erklärte sie, und die dort arbeitenden Frauen bekämen das im Arbeitsalltag zu spüren. Die Frauenversammlung, die sie in dem Betrieb bereits zweimal organisierte, habe ergeben, dass besonders die jungen Kolleginnen sich über "dumme Sprüche von Männern" häufig ärgerten. Zudem habe sie den Eindruck gewonnen, dass bei neuen Projekten des Unternehmens Männer bevorzugt würden.

Als Mitglied des Betriebsrates berichtete Anja Brand, dass auch in diesem Gremium Frauen in der Minderheit seien. "Und wie es bei Minderheiten so ist: sie müssen immer kämpfen. So ist es auf einer Versammlung manchmal schwer, sich als Frau Gehör zu verschaffen." Ohne Durchsetzungskraft gehe es nicht. Andererseits gab sie den aufmerksam zuhörenden Schülern und Schülerinnen zu verstehen, dass es auch weniger Frauen gibt, die bereit sind, bei Betriebsratswahlen zu kandidieren.

Die Schüler sprachen auch das Thema Mobbing an. Anja Brand sagte, sie habe persönlich Erfahrungen mit Mobbing durch einen männlichen Kollegen gemacht. "Das war mein ehemaliger Vorgesetzter, ein Mann nach alter Struktur." Sie habe sich von ihm so schlecht behandelt gefühlt, dass sie gesundheitlich gelitten habe. Als sie bemerkte, dass sie sich immer unsicherer fühlte, habe sie ihren ganzen Mut zusammengenommen und sei zum nächsten Vorgesetzten gegangen. Sie habe daraus gelernt, dass man sich in solch einer Situation stark machen müsse.

In der Frauenversammlung sei klar geworden, dass die Situation von Frauen im Unternehmen stark vom jeweiligen Vorgesetzten abhängig ist. Brand: "Die Frauen, die einen relativ alten Chef mit alten Strukturen haben, leiden oft. Diejenigen, die jüngere Chefs haben, sind dagegen oft hochzufrieden." Im Grunde gehe es um Respekt.

Als Betriebsratsmitglied macht sich Anja Brand nach eigenen Worten besonders stark für die Kolleginnen. "Ich finde es wichtig, dafür zu kämpfen, dass Gleichberechtigung gelebt wird", betonte sie.

Besonders die Schülerinnen äußerten sich nach der Gesprächsrunde beeindruckt. "Ich habe heute gelernt, dass ich mich später trauen kann, mich auch dort zu bewerben, wo eher Männer arbeiten", sagte Joan aus Horn-Lehe. Jetzt wisse sie: "Man muss sich nur durchsetzen können."

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