Sieben Euro für drei Kilometer Taxifahrt

Frauen-Nachttaxi droht das Aus

Im Kampf um mehr Fahrgäste setzt das Bremer Taxengewerbe auf einen neuen Tarif. Wer ein Taxi aus dem Verkehr herauswinkt, soll für sieben Euro drei Kilometer fahren können. Gelten wird das ab Oktober.
18.07.2017, 21:42
Lesedauer: 3 Min
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Frauen-Nachttaxi droht das Aus
Von Jürgen Theiner
Frauen-Nachttaxi droht das Aus

Das kostengünstige Nachttaxi für Frauen soll dem Winke-Tarif weichen.

Frank Thomas Koch

Für sieben Euro drei Kilometer durch Bremen: Mit diesem Angebot wollen Bremens Taxenunternehmer um mehr Kundschaft werben. Stimmt die Verkehrsdeputation zu, könnte der Winke-Tarif schon zum Oktober eingeführt werden. Winke-Tarif deshalb, weil er nur dann gelten soll, wenn ein Taxi aus dem fließenden Verkehr herausgewinkt wird – also nicht auf Bestellung oder am Taxenstand. Parallel zum neuen Angebot soll ein altes eingestellt werden: Weil es wenig nachgefragt wird, steht das Frauen-Nachttaxi vor dem Aus.

Der Markt für Mobilität ist in Bewegung. Die rund 530 Bremer Taxen fahren nicht nur gegen Bus und Bahn an, sondern auch gegen eine wachsende Zahl von Car-Sharing-Anbietern. Gerichtlich noch untersagt, aber als Konzept längst existent sind Online-Vermittlungsdienste wie Uber, die in anderen Ländern das Taxi-Gewerbe bedrängen. Vor diesem Hintergrund überlegen auch die Bremer Taxen-Unternehmer schon länger, wie sie auch in Zukunft ihre Fahrzeuge auslasten können. Der Winke-Tarif soll dabei ­helfen.

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In Berlin gibt es den Tarif schon länger. Dort gilt: fünf Euro für zwei Kilometer. In Bremen sollen es Ingo Heuermann zufolge sieben Euro für drei Kilometer sein. Heuermann ist zweiter Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Fachvereinigung Personenverkehr. „Wir wollen neue Wege gehen“, sagt er. Für die Taxifahrer und ihre Unternehmen habe das Angebot den Vorteil, dass die Zahl der Leerfahrten zurückgeht. Der Kurzstrecken-Pauschaltarif, so die offizielle Bezeichnung, könne dazu führen, dass vermehrt Taxen aus dem Verkehr ­herausgewinkt und genutzt werden, hofft Heuermann. Für Kunden, die eine längere Strecke zurücklegen wollen, lasse sich das Taxameter so einstellen, dass ab dem ­vierten Kilometer der Normaltarif zu zahlen ist.

Erhöhung des Normaltarifs

Die Bremer Verkehrsbehörde ist „komplett auf dem gleichen Kurs wie das Taxen-Gewerbe“, sagt ihr Sprecher Jens Tittmann. Man werde der Verkehrsdeputation den Winke-Tarif voraussichtlich im August oder September zur Entscheidung vorlegen. Die Verkehrspolitiker der Bürgerschaftsfrak­tionen werden dann auch zu klären haben, ob die Taxi-Betriebe ihren Normaltarif um etwa 5,5 Prozent erhöhen dürfen. Auch das hat ihr Verband beantragt. Begründung: Die letzte Anhebung liege schon mehr als zwei Jahre zurück, außerdem sei der Mindestlohn Anfang 2017 von 8,50 auf 8,84 Euro gestiegen.

Dritte geplante Änderung ist die Abschaffung des Frauen-Nachttaxis. Das Angebot existiert seit Anfang der 1990er-Jahre. Es gilt von 18 bis 6 Uhr und soll dafür sorgen, dass Frauen nachts sicher nach Hause kommen. Die Idee: Auch für kurze Strecken lieber ein Taxi nehmen, statt sich alleine zu Fuß auf den Weg machen. Dafür zahlen Frauen 20 Prozent weniger als bei einer ­regulären Tour. Genutzt wurde dieser ­Service zuletzt allerdings immer weniger.

„Die Nachfrage ist in den vergangenen 15 Jahren um rund 70 Prozent zurückgegangen“, schätzt Branchenfunktionär Ingo Heuermann. Das mag auch an der etwas umständlichen Handhabung gelegen haben: Fahrten mit dem Frauen-Nachttaxi müssen über die Taxi-Zentralen bestellt werden. Junge Nachtschwärmerinnen, die beispielsweise von der Discomeile nach Hause ­wollen, können nicht mal eben ein Taxi anhalten und den Frauen-Nachttarif in Anspruch nehmen.

Winke-Tarif als Alternative

Dass die Taxen-Unternehmer das kaum noch nachgefragte Angebot nun ganz aufgeben wollen, findet Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe zwar schade, aber: „Wir hoffen, dass der neue Winke-Tarif den Frauen, die bisher für kurze Strecken das vergünstigte Nachttaxi gerufen haben, eine gute Alternative ist, um gut und sicher durch die Nacht zu kommen.“

Diese Aussage erstaunt den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft der angestellten Taxifahrer in Bremen, Marco Bark. Das kostengünstige Nachttaxi habe den Frauen „wirklich etwas gebracht“. Vom neuen ­Winke-Tarif hält er dagegen gar nichts. „Wenn das so erfolgsträchtig ist, warum gibt es das bisher nur in Berlin?“, fragt Bark. Dort hätten bereits vier der fünf Verbände für die Abschaffung votiert, und in Düsseldorf sei der Winke-Tarif nach einer Probephase von acht Wochen sang- und klanglos eingestellt worden.

Für die Bremer Taxifahrer werde die Kurzstreckenpauschale nur nervige Diskussionen mit den Fahrgästen bringen – und weiteren Druck auf das Gehaltsniveau. Schon jetzt, so Marco Bark, sei der gesetzliche ­Mindestlohn für viele Taxifahrer nur Theorie.

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