Distanzunterricht Freie Schulen in Bremen warten auf Geld für Tablets

Auch die freien und privaten Schulen sollen Mittel aus dem Bremen-Fonds erhalten, um Digitalisierung und Distanzunterricht in der Corona-Krise zu bewältigen - doch das klappt nicht so richtig.
10.01.2021, 05:00
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Freie Schulen in Bremen warten auf Geld für Tablets
Von Joerg Helge Wagner

Wegen der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Distanz-Unterrichts hat der Senat fast 100.000 Bremer Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte mit iPads ausgestattet und zudem 41 neue Vollzeitstellen zur technischen Unterstützung geschaffen. Die Tablets werden allerdings nur an staatlichen Schulen verteilt, in der kommenden Woche sollen die letzten Geräte ausgeliefert sein. Was aber ist mit den fast 6900 Kindern und Jugendlichen, die im Land Bremen Schulen in freier Trägerschaft besuchen?

Nachfragen ergeben im Detail ein unterschiedliches Bild, aber in einem Punkt sind die Antworten gleich: Sämtliche freie Schulen wurden demnach im Oktober von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) nach ihrem Bedarf anhand von Schülerzahlen befragt. „Den Trägern wird eine Schüler-Pauschale für die Beschaffung mobiler Endgeräte im Rahmen einer zweckgebundenen Zuwendung bereitgestellt“, erläutert Bogedans Sprecherin Annette Kemp. Es soll also – anders als bei den staatlichen Schulen – nicht direkt Tablets von Apple geben, sondern Geld. Auf diese Mittel warten die Schulleiter und Geschäftsführer der freien Schulen allerdings bis heute.

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„Der Senatorin liegen alle seitens der Behörde geforderten Informationen vor, um die Auszahlung zu starten“, betont Bianca Nordhoff. Die Schulleiterin des Nebelthau-Gymnasiums in Lesum spricht als Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft öffentlicher Schulen in Freier Trägerschaft für 20 Lehranstalten. „Über die Rahmenbedingungen wurden wir trotz mehrfacher Nachfrage nicht informiert“, beklagt Nordhoff. Deshalb könne bis heute auch keine freie Schule am Landesprogramm teilnehmen.

„Bis Ende November 2020 sollten wir genauere Informationen erhalten“, berichtet Jan Andrees Dönch, Schulleiter der katholischen St.-Johannis-Schulen. An Oberschule und Gymnasium werden „1090 Schüler jeden Geschlechts“ unterrichtet. „Die Bildungsbehörde hat uns zugesagt, Schüler und Lehrer mit iPads zu versorgen“, sagt Dönch. Von solch einer Zusage – allerdings nur für die Schülerinnen und Schüler – ist auch bei der Freien Evangelischen Bekenntnisschule (FEBB) mit 1280 Schülern die Rede. „Wann genau dies umgesetzt wird, wissen wir aktuell nicht“, sagt Geschäftsführerin Hanna Trayser.

Technische Umgebung ist unterschiedlich

„Jetzt wird noch abgefragt, in welche technischen Strukturen die mobilen Endgeräte eingebunden werden können oder sollen“, begründet Kemp den langen Vorlauf. „Bei den Mitteln aus dem Digitalpakt muss beispielsweise dargestellt werden, dass es technisch passt, die technische Umgebung ist unterschiedlich.“

Wie lange das noch dauern kann, sagt die Behördensprecherin nicht. „So lange nutzen unsere Schülerinnen und Schüler Endgeräte, die in den Haushalten zur Verfügung stehen“, erklärt Martin Karsten vom Vorstand der Freien Waldorfschulen. „Bei besonderen Bedarfen haben wir bislang in wenigen Fällen Gebraucht-Laptops, die von Eltern gespendet wurden, zur Verfügung stellen können.“ Eine Vorfinanzierung von Tablets für sämtliche Waldorfschüler sei nicht möglich.

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So geht es offenbar auch anderen freien Schulen. Die Verantwortung für den Kauf von Tablets liege in den jeweiligen Familien, räumt Trayser ein. Man habe aber zumindest die rund 130 Lehrkräfte mit Tablets ausgestattet. Auch an den St.-Johannis-Schulen gibt es keine Leihgeräte für die Schüler. Am Ökumenischen Gymnasium (ÖG) eine ähnliche Lage: „Die meisten Schülerinnen und Schüler nutzen aktuell noch ihre eigenen Geräte für den digitalen Unterricht, einzelne Schüler haben Leihgeräte von uns erhalten“, sagt Schulleiterin Anke Junge-Ehmke.

Freie setzten auf den Bund

Da die Hilfsmittel des Landes nicht fließen, setzen die freien Schulen vor allem auf den Digitalisierungspakt der Bundesregierung. „Damit konnten wir unsere schulinterne digitale Infrastruktur bereits im vergangenen Jahr deutlich verbessern“, sagt Junge-Ehmke. Auch ihr Kollege Dönch äußert sich lobend: „Natürlich profitieren wir davon. Es handelt sich ja um Bundesmittel, die nicht unterscheiden, ob ein Kind eine staatliche oder eine freie Schule besucht.“

Auch diese Bundesmittel werden auf Antrag über die Bildungsbehörde ausgereicht, so der Vorstand der Waldorfschulen. Und das geht offenbar schneller als die Verteilung von Landesmitteln: Die Waldorfschule Touler Straße habe 2020 einen Antrag gestellt „und setzt gerade WLAN im Gebäude, einen Klassensatz Notebooks zur Nutzung im Gebäude sowie Notebook-Beamer-Leinwand-Einheiten in den Klassenräumen 5 bis 13 um.“ Aus eigenen Mitteln habe man schon im Frühjahr einen Zugang zur Lernplattform Itslearning für alle Schüler und deren Eltern erworben.

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Itslearning wird auch von den staatlichen Schulen verwendet, das ÖG hat sich dem angeschlossen. St.-Johannis nutzt die niedersächsische Lernplattform IServ, allerdings wünscht sich Schulleiter Dönch auch Zugang zu allen Itslearning-Angeboten der Bildungsbehörde und des Landesinstituts für Schule. Die FEBB wiederum setzt auf Teams, da mit Itslearning keine Videokonferenzen möglich sind. Waldorf und ÖG nutzen deshalb ergänzend Zoom oder WebEx.

Könnte man nicht die technischen Standards für den digitalen Unterricht an sämtlichen Bremer Schulen, staatlichen wie freien, harmonisieren? Dem steht jedoch nach Auskunft der freien Schulen die ungleiche Mittelverteilung im Wege. „Eine Übernahme der Kosten für Administration und Pflege der Endgeräte durch die Stadt Bremen ist bisher nicht vorgesehen“, bedauert der Waldorf-Vorstand. Trayser präzisiert: „Wir würden es daher begrüßen, wenn die Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft entsprechend angepasst wird.“ Generell wünschen sich die Freien eine Gleichbehandlung mit den staatlichen Schulen – nicht nur bei der Ausstattung, sondern auch in der Kommunikation.

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