WLAN-Zugänge

Freies Surfen für die Freie Hansestadt

Schon im Februar 2016 wurde der Ausbau der Netz-Infrastruktur beschlossen. Nun haben die Bremer Behörden in mehreren Dienststellen einen kostenlosen WLAN-Zugang eingerichtet.
05.04.2017, 20:03
Lesedauer: 5 Min
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Von Serena Bilanceri
Freies Surfen für die Freie Hansestadt
dpa

Schon im Februar 2016 wurde der Ausbau der Netz-Infrastruktur beschlossen. Nun haben die Bremer Behörden in mehreren Dienststellen einen kostenlosen WLAN-Zugang eingerichtet.

Berufliche E-Mails unter der Sonne am Weserufer checken oder den Verwandten daheim den Bremer Dom per Videoanruf zeigen: Die Fußgängerzonen der Bremer Innenstadt sind mittlerweile fast flächendeckend mit kostenlosem Internet-Zugang ausgestattet. Nun haben die Bremer Behörden nachgelegt und in mehreren Dienststellen einen kostenlosen WLAN-Zugang eingerichtet.

An 16 Orten wird durch Open WLAN das Surfen während der Wartezeit ermöglicht: in der Innenstadt bei Bürgercentern und Gerichten, aber auch in Bremen-Nord, Gröpelingen, Hemelingen und sogar bei der Bremer Landesvertretung in Berlin.

Über weitere Standorte soll im zweiten Quartal 2017 entschieden werden. Schon im Februar 2016 wurde der Ausbau der Netz-Infrastruktur beschlossen. Rund 300.000 Euro sind damals fürs Projekt „Open WLAN“ von der Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) aus den Erlösen der zweiten Digitalen Dividende zur Verfügung gestellt worden.

Bahnhofsplatz und Viertel mit Ostertor und Steintor kommen hinzu

Unter „Digitaler Dividende“ werden die Frequenzbänder erfasst, die nach der Funkfrequenzumstellung im Jahr 2015 frei geworden sind. Diese Frequenzen wurden anschließend unter Mobilfunk-Anbietern versteigert. Die Einnahmen sollen in Bremen für den digitalen Ausbau eingesetzt werden, wie die Behörde mitteilte.

Das Projekt „Open WLAN“ wird zunächst bis zum dritten Quartal 2019 gefördert. Eine Fortsetzung ist danach noch nicht abgesichert. Wenn es um kostenloses Netz-Surfen geht, hat sich nicht nur bei den Bremer Behörden im vergangenen Jahr einiges getan.

Das Projekt für offenes WLAN der City Initiative Bremen zählt mittlerweile rund 13 Orte in der Innenstadt, an denen Spaziergänger kostenfrei E-Mails abrufen oder Whatsapp-Gespräche führen können. „Bald werden auch zwei weitere Standorte hinzukommen, und zwar der Bahnhofsplatz sowie das Viertel mit Ostertor und Steintor“, sagt Corinna Boetzel, Projektleiterin für die Initiative.

"Das Schwierigste ist, die geeigneten Standorte auszuwählen"

„Die erste Idee dazu hatte die Lloyd-Passage, für die wir das Passagenmanagement betreiben“, erinnert sich Boetzel. Sie hätten 2015 nach einem Zusatzangebot für ihre Kunden gesucht und fanden die Idee eines kostenfreien WLAN-Zugangs zeitgemäß.

In weiteren Schritten seien die anderen Standorte in der Bremer City ausgerüstet worden. Gefördert wurde die Initiative auch von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). „Das Schwierigste ist, die geeigneten Standorte auszuwählen, um eine möglichst große Abdeckung zu erzielen“, erklärt die Projektleiterin.

Zudem müsse der Eigentümer des jeweiligen Gebäudes ermittelt werden. Der Anbieter des Netzzuganges ist in diesem Fall die Firma „free-key“. „Der Nutzer meldet sich einmal im System an und kann sich dann im Netz von Straße zu Straße bewegen“, so Boetzel.

BSAG hatte 2016 ein Pilotprojekt gestartet

Ebenso sind ähnliche Initiativen verschiedener Anbietern an weiteren Standorten gestartet: Auch Studenten und Besucher der Universität Bremen sowie des Universums, der Botanika und der Markthalle Acht können sich über freies Netz freuen.

Die Fußgängerzone in Vegesack und vier Standorte in Gröpelingen seien bereits mit WLAN ausgestattet, meldeten die Vereine Vegesack Marketing und Gröpelingen Marketing. „Auch das Sander Center hat kürzlich seine WLAN-Standorte im öffentlichen Bereich ausgebaut“, sagt Lars Gerhardt, Geschäftsführer von Gröpelingen Marketing.

Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) hatte schon vergangenes Jahr ein Pilotprojekt für offenen Internetzugang in ihren Bussen und Straßenbahnen gestartet. Das Angebot sei mittlerweile auf zehn Straßenbahnen und 30 Busse ausgeweitet worden, teilt der Sprecher Andreas Holling mit. „Wir können keine genauen Linien nennen, denn die Fahrzeuge werden kurzfristig zugewiesen“, erklärt er.

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Frage der weiteren Finanzierung nicht geklärt

Die Hotspots befänden sich im Fahrzeug und würden daher auf jeweils verschiedenen Strecken eingesetzt. Wie die Zukunft des Projekts aussehen wird, ist noch unklar. „Wir werten gerade die Ergebnisse von zwei Fahrgästeumfragen aus“, sagt Holling. Auch sei die Frage einer weiteren Finanzierung noch nicht geklärt worden.

Eine weitere Möglichkeit sind die kostenlosen WLAN-Zugangsknoten des Bremer Freifunks. Die Beteiligten am Projekt versuchen, „ein stadtweites Datennetz auf Basis von WLAN-Routern aufzubauen.“ So wird das Vorhaben vom Freifunk-Team beschrieben. Die Idee dahinter ist, der ganzen Stadt freie Kommunikation zu ermöglichen. Nutzer können sich miteinander austauschen und im Internet surfen.

Auch Geschäftsbetreiber, die ihren Kunden kostenloses WLAN zur Verfügung stellen möchten, können einen Freifunk-Router kaufen und ohne weitere Kosten Internet anbieten.Doch wie sicher ist das idealistische Vorhaben? Und wie sicher ist im Allgemeinen die Nutzung eines freien WLANs?

Vorsicht bei unverschlüsselten WLANs

Freifunk ist wie ein Intranet aufgebaut. „Die Vision von Freifunk ist, ein auf WLAN basierendes, eigenständiges Netz aufzubauen – ein Bürgernetz“, setzt die Beschreibung fort. Ein Netz, das von niemandem eingeschränkt oder überwacht werden könne.

Wer beschützt im Netz surfen möchte, solle per HTTPS, also abgesicherten Internetprotokollen surfen oder per VPN (ein virtuelles privates Netzwerk), warnt das Team von Freifunk. Auch bei eventuellen Meldungen von Zertifikatsfehlern solle man misstrauisch werden. Das Freifunknetz sei schließlich, wie viele anderen auch, unverschlüsselt. Auch seien restriktive Firewalleinstellungen empfehlenswert.

Harald Stelljes, stellvertretener Landesbeauftragter für Datenschutz in Bremen, mahnt generell zur Vorsicht bei unverschlüsselten WLANs. Die Verwendung von HTTPS-Adressen sei wichtig, „aber auch nicht ganz sicher“. Trotzdem dürfe man offene Netzwerke fürs Surfen nutzen. „Nur auf die Eingabe von sensibleren Daten – etwa bei Online-Banking oder -Shopping – sollte man in offenen WLANs am besten verzichten“, so der Experte.

Weiterer Gesetzesentwurf

Wer kostenlose Zugangspunkte betreibt, für den ist das aber noch nicht komplett risikofrei. Die Regierung strebt derzeit an, Anbieter von kostenlosem Internetzugang vor eventuellen Abmahnungen zu schützen. Schadenersatzzahlungen wegen Urheberrechtsverstößen Dritter dürfen bereits seit Mitte 2016 dank einer Gesetzänderung nicht mehr verlangt werden. Doch das reichte damals nicht aus.

Daher hat das Bundeskabinett zu dieser sogenannten Störerhaftung am Mittwoch einen weiteren Gesetzentwurf verabschiedet. Ob der so den Bundestag passieren wird, ist fraglich. Denn der Entwurf erlaubt die Sperrung einzelner Webseiten, was einen hohen technischen Aufwand bedeute. Das könne andere wiederum davon abhalten, ein freies WLAN anzubieten.

Eine Liste der Dienststellen in Bremen mit öffentlichem Internet-Zugang (Stand: März 2017): Service Center Bau, Contrescarpe 72 Wohngeldannahmestelle, Contrescarpe 73 Sozialzentrum Süd, Große Sortillenstraße 2-18 Sozialzentrum Gröpelingen/Walle, Hans-­Böckler-Straße 9 Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt), Steinsetzer Straße 12 BürgerServiceCenter Mitte, Pelzerstraße 40 BürgerServiceCenter, Stresemannstraße 48 BürgerServiceCenter Nord, Gerhard-Rohlfs-Straße 62 Standesamt Bremen-Mitte, Hollerallee 77 Finanzamt Nord, Gerhard-Rohlfs-Straße 32 Finanzamt Bremen, Rudolf-Hilferding-Platz 1 Justizzentrum am Wall, Am Wall 198 Landgericht Bremen, Domsheide 16 Amtsgericht Bremen, Ostertorstraße 25-31 Haus der Familie, Hinter den Ellern 1a
Unter https://map.bremen.freifunk.net findet man Informationen über Freifunk-Zugangspunkte.
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