Schüler des Kippenberg-Gymnasiums präsentieren ihre Semesterarbeitern / Diesen Donnerstag letzter Tag Freigeister stellen aus

Schwachhausen. Was macht die Kunst? Unter diesem Titel gewähren die Schülerinnen und Schüler des Kippenberg-Gymnasiums den Ausstellungsbesuchern im Vietor-Haus Einblick in ihre künstlerischen Lern- und Lebenswelten. Kurzfilme, Architekturmodelle, Zeichnungen, Fotoarbeiten und Plastiken – alle Jahrgänge zeigen ihre Werke des vergangenen Halbjahres.
14.01.2016, 00:00
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Von CHRISTIANE MESTER

Was macht die Kunst? Unter diesem Titel gewähren die Schülerinnen und Schüler des Kippenberg-Gymnasiums den Ausstellungsbesuchern im Vietor-Haus Einblick in ihre künstlerischen Lern- und Lebenswelten. Kurzfilme, Architekturmodelle, Zeichnungen, Fotoarbeiten und Plastiken – alle Jahrgänge zeigen ihre Werke des vergangenen Halbjahres. Die dreitägige Ausstellung im Vietor-Haus ist noch an diesem Donnerstag, 14. Januar, von 8 bis 14 Uhr geöffnet.

„Abschaum, lächerlich, feige“ raunen die Stimmen aus dem Off, die Lucy, die weibliche Protagonistin im gleichnamigen Kurzfilm vor sich her treiben. Dann plötzlich ein Schnitt: Das Mädchen mit den feuerroten Haaren kommt zu sich – auf dem Boden liegend, in einem tristen Toilettenraum, zwischen leeren Bierflaschen und in Gesellschaft weiterer Partyleichen.

War die Hast durch den nicht enden wollenden Fluchttunnel real, oder sind es Traumbilder, die ihr in den folgenden Sekunden nachhängen? „Das haben wir für den Zuschauer bewusst offen gelassen“, sagt Schülerin Jule, die für die filmische Gruppenarbeit, an der auch Anna, Elena und Lea mitgewirkt haben, in die Rolle der Lucy geschlüpft ist.

Den Videobeitrag aus dem Leistungskurs hat die 17-Jährige beim Jugendfilmwettbewerb eingereicht. „Und zwar sehr erfolgreich“, wirft Lehrer Harald Brockhausen ein, der sich über „vier der sieben Hauptpreise“ freut, die seine Kursteilnehmer im vergangenen Sommer abgeräumt haben. Neben den preisgekrönten Filmen „Zeitlauf“, „Changes“ und „Caught“, die auch auf der Internetseite ausweggesucht.de abrufbar sind, umfasst die Ausstellung im Vietor-Haus weitere Beiträge der etwas jüngeren Acht- und Neuntklässler. Mal gibt es einen ironischen Kommentar zur neuen Lust am „Kochen“, mal wird es bewegend, wenn es heißt: „Mama ist tot“.

Im Erdgeschoss, vorbei an den Geisterschlössern der Fünftklässler, die das kreative Ergebnis einer gedanklichen Bergwanderung sind, wie die beiden Elfjährigen Milan und Paul erzählen, geht es über die gezeichneten „Knoblauchstudien“ nebenan, im nächsten Raum weiter mit einem Architekturprojekt, das Fachbereichsleiterin Eva Rose besonders wichtig findet: „Hier hatten die Kursteilnehmer die Gelegenheit, sich in einem konkreten Beruf zu erproben“, sagt sie über die Entwurfszeichnungen und Modelle, die auch im Obergeschoss einigen Raum einnehmen.

Vor die Aufgabe gestellt, ein völlig neues Haus der Bürgerschaft für den Marktplatz zu entwerfen oder die Baugrube am Bahnhofsvorplatz mit einem eigenen Objekt zu füllen, haben sie zunächst eine Ortsbegehung gemacht, um dann über erste Studien zu ihrem ganz eigenen Vorschlag zu kommen. Die präsentierten Ergebnisse findet Kunstlehrer Brockhausen teilweise „besser gelungen als das, was da im Stadtzentrum vor der Hochstraßenkulisse gerade entsteht“. Mit Blick auf ein mehrstöckiges Modell mit geschwungener Fassade und Säuleneingängen zu beiden Seiten sagt er: „Hier wurden architektonische Elemente vom Bahnhof und dem Überseemuseum aufgenommen und dann eigenständig interpretiert. Ein klarer Bezug zur Umgebung, den der tatsächliche Entwurf für den Bahnhofsvorplatz meiner Meinung nach vermissen lässt.“ Ihm war es wichtig, dass sich die Schüler mit einem aktuellen Thema beschäftigen und auf diese Weise verinnerlichen, dass sie den öffentlichen Raum gestalten können.

Völlig unbeeindruckt von der Tatsache, dass das Haus der Bürgerschaft in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert, hat sich die 16-Jährige Lilli nicht ablenken lassen von ihrer Idee eines neuen Parlamentsgebäudes: „Das Glas im Erdgeschoss steht für eine transparente Politik, die für die Bürger nachvollziehbar ist, und die wabenförmigen Fenster in der oberen Etage habe ich abgeleitet von der Vorstellung, dass die Politiker im Parlament umherschwirren.“

Schülerin Clara hat die Bremer Bürger symbolisch ins Abgeordnetenhaus geholt und dafür Umrisse von Menschen auf den nach allen Seiten durchsichtigen Frontstreifen eingezeichnet. „In das Glas ‚gesandstrahlt‘ stehen sie für die Anwesenheit des Volkes“, erklärt die 16-Jährige, was sie sich dabei gedacht hat. Zusätzlich eröffnet eine Aussichtsplattform auf dem Dach einen 360-Grad-Blick auf die historischen Sehenswürdigkeiten der Umgebung und das Geschehen auf dem Marktplatz. Damit könnte das Parlament allein der Aussicht wegen zum Anziehungspunkt werden. Ein anderer Vorschlag geht noch etwas weiter: Ein öffentliches Parlamentscafé, baulich integriert in das seitliche Erdgeschoss, soll Abgeordnete und Bürger an einen Tisch bringen und Kontaktmöglichkeiten zu den Volksvertretern schaffen.

Die Ausstellung im Vietor-Haus des Kippenberg-Gymnasiums, Schwachhauser Heerstraße 62-66, ist noch an diesem Donnerstag, 14. Januar, 8 bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei.

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