Freimarkt: Die Schusteller-Kolumne

Mein Freimarkt

Schausteller Karl-Heinz Heine betreibt mit seiner Familie die Fahrgeschäfte „Happy Family“ und „Hurricane“. Zwei Mal wöchentlich berichtet er darüber, wie er die Freimarkt-Zeit im Zeichen von Corona erlebt.
04.10.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Joerg Helge Wagner
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Auf eingezäuntem Gelände und mit maximal 3000 Besucherin findet der Bremer Freimarkt in Corona-Zeiten unter neuem Namen statt: „Freipaak“.

Christina Kuhaupt

Eigentlich rede ich ja nicht gerne über Zahlen, doch jetzt mache ich es mal: Im April haben wir 15.000 Euro Soforthilfe vom Land Bremen bekommen, das lief auch zügig. Die Wirtschaftssenatorin hat sich ins Zeug gelegt für uns, das half. Auf der anderen Seite haben wir allein im April rund 120.000 Euro an Umsatz verloren. Das tat richtig weh: Traumwetter, aber keine Osterwiese und kein Hamburger Dom. Und die 15.000 Euro sind betrieblich gebunden, davon ist kein Cent für den privaten Lebensunterhalt. Arbeitslosengeld II können wir nicht beantragen, also ging es an die Rücklagen. Ich habe zudem unseren Pkw verkauft, meine Frau hat Klamotten im Kleiderkreisel angeboten.

Wir müssen ja auch noch einen 250.000- Euro-Kredit vom Bund abbezahlen. Den haben wir vor zwei Jahren für den „Hurricane“ aufgenommen, das Teil kostet neu rund eine Million Euro. Für uns heißt das: monatlich 7000 Euro Kapitaldienst. Zudem haben wir das „Happy Family“ renoviert, das waren noch einmal 150.000 Euro, davon 68 000 allein für die aufwendige Lackierung.

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Dass jetzt nur noch 3000 statt 6000 Besucher auf einmal das Freipark-Gelände betreten dürfen, hat uns nicht so getroffen – die Zahl wurde am Freitag sowieso nicht erreicht. Die Menschen müssen sich erst einmal an das neue Konzept gewöhnen. Es war eine Glanzleistung, dass wir Schausteller das in so kurzer Zeit gewuppt haben. Normalerweise ist der Freimarkt ein Langstreckenlauf, jetzt ist es ein Sprint mit Hürden. Von Besuchern höre ich oft: „Schön, dass ihr wieder da seid.“ Das tut gut.

Info

Zur Person

Karl-Heinz Heine (45) ist Schausteller. Er betreibt mit seiner Familie die Fahrgeschäfte „Happy Family“ und „Hurricane“. Zweimal wöchentlich berichtet er hier, wie er diese Freimarkt-Zeit im Zeichen von Corona erlebt.

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