Wetter: Regen, 10 bis 18 °C
Umzug lockt 200.000 in die Stadt
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Bremen feiert den Höhepunkt des Freimarkts

Sabine Doll 22.10.2011 0 Kommentare

Bremer Freimarktsumzug 2011
Bremer Freimarktsumzug 2011 (Frank Thomas Koch)

Bremen. Es ist Halbzeit beim Bremer Freimarkt – und die wurde gestern mit dem traditionellen Umzug gebührend gefeiert. Rund 200000 Zuschauer säumten die drei Kilometer lange Strecke, die von der Neustadt über den Marktplatz, vorbei an Rathaus und Roland bis zum Hauptbahnhof führte. Beklatscht wurde jede der insgesamt 148 Motivwagen und Laufgruppen.

„Wir hätten nie gedacht, dass es so etwas im kühlen Norden gibt“, sagt Isolde Wieners, die ein Kurztrip nach Bremen geführt hat. „Das ist ja wie Karneval im Rheinland. Das macht das Wochenende noch viel besser. Toll, eine super Einstimmung auf die Karnevalssaison“, freut sich die 58-Jährige.

Die Wiesbadenerin und ihr Mann sind nicht die einzigen Touristen, die von Samba-Rhythmen, schottischer Dudelsack-Musik und bester Partylaune im besten Sinne überrumpelt wurden. Auch Klaus Wendler und Heinz Grunke sind als Besucher an die Weser gekommen. Die beiden Freunde aus Ostwestfalen wussten zwar, dass es in Bremen ein „riesiges Volksfest“ gibt, dass aber gerade an diesem Wochenende der Umzug mit rund 3000 Teilnehmern durch die Stadt führt, hat sie überrascht. „Kurzerhand haben wir unser ursprüngliches Programm umgeschmissen: Nach dem Umzug geht es dann erst einmal auf die Bürgerweide und in die Festzelte, danach wohl noch in die Disko.“

Die Partystimmung hat ihren Anfang gestern Morgen um 10.15 Uhr in der Neustadt genommen: Fast auf die Minute hatte sich der farbenfrohe Zug gen Innenstadt in Bewegung gesetzt. Angeführt von der schwedischen Karnevalstruppe „Samba St. Olaf“, die mit ihren farbenprächtigen Kostümen und brasilianischen Rhythmen den Zuschauern gleich zu Beginn einen Höhepunkt boten.

Süße Wurfgeschosse

Dann kam – wie kann es anders sein – Miss Freimarkt Carolin Singer standesgemäß in der Kutsche vorgefahren Nach etwas mehr als einer Woche im Amt beherrscht sie dieses schon wie ein Profi. Birgit Schwanitz und Inge Baumann gefällt’s, wie „die junge Dame in die Menge strahlt“. Die beiden Frauen aus der Vahr zählen sich selbst zwar nicht zu den eingefleischten Freimarkt-Fans, aber: „Bei dem tollen Wetter musste man sich den Umzug einfach anschauen.“ Besonders gut haben ihnen die „Huchtinger Löschknechte“ gefallen, die im vergangenen Jahr übrigens den ersten Preis als beste Laufgruppe gewonnen haben.

Aus der Neustadt meldete die Polizei gestern auch den einzigen Zwischenfall während des Umzugs. Ein offenbar angetrunkener Mann hatte sich vor einen Motivwagen auf die Straße gelegt und musste davon überzeugt werden, dass dies keine besonders gute Stelle zum Ausruhen war. Dem Anlass entsprechend präsentierten sich übrigens auch die Polizisten, die den Umzug begleiteten, in Freimarkt-Ausstattung: Ein rotes Herz auf den Wangen zeigte deutlich, dass in der sogenannten fünften Jahreszeit in Bremen alles ein wenig anders ist. Fröhlicher, ausgelassener – einfach in Partylaune.

Dann können offenbar selbst die Hamburger Nachbarn nicht umhin, Bremen den Vorzug zu geben. Das gibt zumindest Andreas Reinhardt, Hamburger, und (trotzdem) bekennender Bremen-Fan, zu. Sein Besuch des Umzugs hatte gestern aber noch einen anderen Grund: Der 53-Jährige ist für den Verein „Leben mit Behinderung“ in seiner Heimatstadt tätig. Sein Auftrag: „So viele Bonbons sammeln wie möglich. Die werden dann zu Hause in den Wohngruppen an alle verteilt. Auf jeden Fall: So etwas wie den Freimarktsumzug hier in Bremen gibt es in Hamburg gar nicht. Auch der Schlagermove kann da nicht mithalten.“

Die Ausbeute an Kamelle dürfte gestern ziemlich groß gewesen sein. Bonbons, Gummibärchen-Tüten und andere süße Wurfgeschosse flogen sehr tief. Clever, wer da nicht zum ersten Mal beim Freimarktumzug dabei war, daraus gelernt hat und sich vorsorglich mit Regenschirm, Baseballkappe oder Beuteln aller Art ausgestattet hatte. Manchmal musste man sogar in Deckung gehen, weil einige übermotivierte Mitfahrer auf den Motivwagen im Kamelle-Werfen eine neue sportliche Herausforderung entdeckt hatten. Zu Schaden kam aber niemand.

Die Jury-Preise:

Laufgruppen:

Platz 1: Nr. 92, Bremen UNIcycler: schräge Vögel – ganz schön abgefahren

Platz 2: Nr. 145, Falun Dafa Gruppe Bremen: Die Schönheit von Falun Dafa

Platz 3: Nr. 108, Panthers Krenpe: Cheerleading

Wagen:

Platz 1: Nr. 37, Samba la Moor: Moor, Rhythm, Moor Fun

Platz 2: Nr. 85, Cato & Friends: Happy Halloween

Platz 3: Nr. 123, The Mamas and Papas: Super Mario

Die Zuschauerpreise von WESER-KURIER und Radio Bremen:

Platz 1: Nr. 64, Die Lübberstedter: Wir fahren mit dem Zug zum Bremer Freimarkt

Platz 2: Nr. 92, Bremen UNIcycler: Schräge Vögel – ganz schön abgefahren

Platz 3: Nr. 122, Tanzschule Renz & Partner: Harry Potter & der Fluch der Karibik

Platz 4: Nr 123, The Mamas and Papas: Super Mario

Platz 5: Nr. 49, Freundeskreis Schützenverein Uphusen: Uphuser Entenrennen

Platz 6: Nr. 124, Freundeskreis Ostlandstr. aus Wilstedt: Die Moorhexen besuchen den Märchenwald

Platz 7: Nr. 85, Cato & Friends: Happy Halloween

Platz 8: Nr. 45, Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine: Ganderkesee grüßt Bremen

Platz 9: Nr. 147, IG-Erntewagen-Worpswede: IGEW – Fleißig wie die Bienen

Platz 10:  Wagen 19, Domus Draconi: Mittelalter und Feuergaukler