Mehrheit im Fachausschuss unterstützt Schulleiter-Wunsch / Problem: Gemeinde muss die Kosten tragen Freiwillige sollen in Schulen aushelfen

Die Ganztagsschulen in Schwanewede wollen Bundesfreiwilligen-Dienstler zur Unterstützung im Schulalltag einsetzen. Die CDU unterstützt den Wunsch, die SPD schreckt vor den Kosten für die Gemeinde zurück.
11.07.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Die Ganztagsschulen in Schwanewede wollen Bundesfreiwilligen-Dienstler zur Unterstützung im Schulalltag einsetzen. Die CDU unterstützt den Wunsch, die SPD schreckt vor den Kosten für die Gemeinde zurück.

Die Begegnungsstätte hat einen, der Turnverein Schwanewede sogar zwei. Sie beschäftigen Bundesfreiwilligen-Dienstler, kurz Bufdis. Auf die haben jetzt auch die Ganztagsschulen in Schwanewede ein Auge geworfen. Die Waldschule, die Dreienkamp- und die Heideschule möchten Bufdis als Unterstützungskräfte im Schulalltag einsetzen. Die Gemeinde müsste die Freiwilligen bezahlen.

Den Schulen geht es um eine finanzielle aber auch personelle Entlastung. Inklusion, Ganztagsbetrieb, differenzierter Unterricht in Kleingruppen – die Schulen sehen sich laut Dreienkamp-Leiter Rolf Tigges durch immer neue Herausforderungen nicht nur ge-, sondern auch überfordert. „Die Arbeit in der Schule leidet unter diesen Belastungen und Herausforderungen.“

Bufdis sollen in die Bresche springen, Lehrer, pädagogische Mitarbeiter aber auch Verwaltung und Hausmeister entlasten. Nach den Vorstellungen der Schulen sollen die Freiwilligen im Ganztagsbetrieb Kinder beim Mittagessen und in den Pausen beaufsichtigen, nachmittags bei den Hausaufgaben helfen und Freizeitangebote mitgestalten. Bufdis sollen Lehrkräfte bei der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts unterstützen. Laut Tigges könnten sich die Freiwilligen auch in anderen Bereichen nützlich machen. Indem sie etwa Schulcomputer reparieren und warten, Kopierarbeiten für die Verwaltung und administrative Aufgaben für den Ganztagsbereich übernehmen. Krankmeldungen aufnehmen, Nachmittagskurse zusammenstellen, das Geld für den Mittagstisch abrechnen – all das bindet laut Tigges derzeit Verwaltungskraft, ohne dass die Schulen dafür einen finanziellen Ausgleich bekämen.

Beim Einsatz der Bufdis geht es auch ums Geld. Honorarkräfte, pädagogische Mitarbeiter und Personal von Kooperationspartnern für die Ganztagsbetreuung müssen die Schulen aus ihrem Budget selbst bezahlen. Im Fall der Dreienkamp-Schule belaufen sich die Kosten laut Tigges auf derzeit 30 000 Euro. Bufdis dagegen müsste die Gemeinde als Schulträger finanzieren. Die Freiwilligen würden für ein monatliches Taschengeld arbeiten. Die Gemeinde kann entscheiden, wie viel sie zahlt. Allerdings nicht mehr als den gesetzlich festgeschriebenen Höchstbetrag. „Der liegt derzeit bei 357 Euro“, so Roland Hartmann vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln.

Das Amt ist zuständig für die Durchführung des Bundesfreiwilligen-Dienstes. Wer einen Bufdi einstellt, muss laut Behörden-Sprecher neben dem Taschengeld auch die Sozialabgaben für den Freiwilligen übernehmen. Zusätzlich könnten Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Fahrten entstehen. Durchschnittskosten für einen Bufdi lassen sich deshalb nicht angeben. „Die Spanne bewegt sich abhängig von der vertraglichen Vereinbarung zwischen 400 und 700 Euro im Monat.“

Der Schwaneweder Kämmerer Jens Bunk kalkulierte jüngst im Schulausschuss, wo die Schulleiter ihren Wunsch vortrugen, mit 5000 Euro im Jahr „pauschal pro Stelle“. Dreienkamp-Leiter Tigges hält das für zu hoch gegriffen. Schließlich bekomme die Gemeinde für jeden Bufdi einen Zuschuss aus Bundesmitteln. Tatsächlich erhalten Einrichtungen und Organisationen für den Einsatz der Freiwilligen finanzielle Unterstützung, bestätigt Bundesamt-Sprecher Hartmann. Für einen Bufdi bis 27 Jahre gibt es 250 Euro im Monat. Für Freiwillige über 27 Jahre liegt der Satz höher, bei 350 Euro. Auch Kosten für 25 Bildungstage, auf die ein Freiwilliger Anspruch hat, würden bis zu 200 Euro bezuschusst. „Davon werden 100 Euro als Bildungsgutschein ausgegeben.“

Im Landkreis Osterholz gibt es bereits Kommunen, die Bufdis in Schulen, aber auch Kindergärten und Freizeiteinrichtungen einsetzen. Die Gemeinde Ritterhude gehört dazu. Neun Freiwillige sind hier nach Angaben von Personalamtsleiter Ralph Härtel derzeit tätig: drei in der Ganztagsgrundschule, vier in den Kindergärten, jeweils einer im Freizeitheim und in der Gemeindebücherei. Jeder Bufdi erhalte ein monatliches Taschengeld von 300 Euro, dazu kämen 120 Euro an Sozialabgaben. Macht unterm Strich Kosten von 420 Euro im Monat für jeden Bufdi. Durch die Zuschüsse von 250, in einem Fall auch 350 Euro, reduziert sich die monatliche Belastung für die Kommune auf jeweils 170 Euro für acht Bufdis und 70 Euro für einen älteren Freiwilligen. Kaum ins Gewicht fallen laut Härtel die Fortbildungskosten.

Heidrun Ehrhardt-Froese, Leiterin der Ritterhuder Ganztagsgrundschule, möchte auf ihre Bufdis nicht mehr verzichten. Seit Einführung des Bundesfreiwilligen-Dienstes im Jahre 2011 nutzt die Schule die Möglichkeit. „Die Bufdis sind für uns eine sehr wertvolle Stütze.“ Die Samtgemeinde Hambergen finanziert derzeit zwei Bufdis an der Kooperativen Gesamtschule. Laut Personalamt-Mitarbeiterin Lorena Mester kommt ab 1. September ein Freiwilliger für die Grundschule Hambergen hinzu. Wie Ritterhude zahlt Hambergen jedem Bufdi ein Taschengeld von 300 Euro, dazu kommen 120 Euro Sozialabgaben. Zuschüsse senken auch hier die Kosten.

In Schwanewede lehnt die SPD-Fraktion den Bufdi-Einsatz an Schulen auf Kosten der Gemeinde ab. „Wir können keine weiteren Personalausgaben mehr verantworten“, begründete Otto Bothmann im Schulausschuss. Tammo Löffler warnte vor „erheblichen zusätzlichen Ausgaben“, die sich die Gemeinde nicht leisten könne. Die SPD befürchtet, dass es nicht beim Wunsch der drei Schulen bleibt. Kindergärten und andere gemeindeeigene Einrichtungen könnten Forderungen stellen. Was der Fraktion gegen den Strich geht: Die Gemeinde übernähme mit der Finanzierung der Bufdis eine freiwillige Leistung, für die eigentlich Bund und Land zuständig seien.

Für die CDU-Fraktion zählt weniger das Geld als der Nutzen der Bufdis für die Schulen. Der Einsatz der Freiwilligen könne helfen, die Qualität der Ganztagsbetreuung zu sichern, meinen die Christdemokraten. Ihr Antrag, jeweils einen Bufdi für die Waldschule, die Dreienkamp- und die Heideschule einzustellen, nahm der Ausschuss gegen die Stimmen der SPD an.

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