Ehrenamtliches Engagement Freiwilligen-Agentur in der Zentralbibliothek feiert Geburtstag

Bremen. Die Anlaufstelle der Freiwilligen-Agentur im zweiten Stock der Bremer Zentralbibliothek am Wall feiert ihr fünfjähriges Bestehen. Seit Eröffnung des Standorts haben sich dort über 2500 Menschen rund um das Thema Bürgerengagement informiert.
28.07.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Neslihan Yildiz

Bremen. Die Anlaufstelle der Freiwilligen-Agentur im zweiten Stock der Bremer Zentralbibliothek am Wall feiert ihr fünfjähriges Bestehen. Seit Eröffnung des Standorts haben sich dort über 2500 Menschen rund um das Thema Bürgerengagement informiert. Gerhard Hehling ist einer von ihnen.

Liebevoll fährt der 63-Jährige mit den Fingern über die Skizze auf seinem Arbeitstisch. Das bereits verblichene Papier berührt er dabei nur zaghaft: 'Dies ist ein von Hand gezeichneter Hafenplan, ein Original aus dem Jahr 1907', sagt der Bauingenieur. Vor zwei Jahren beschließt der Teilzeitbeschäftigte, sich ehrenamtlich zu betätigen. 'Ich wollte etwas Gutes tun', sagt er. 'Aber auch etwas, worin ich gut bin.'

Gerhard Hehling ist einer von rund 500 Menschen die jährlich die Beratungsstelle der Freiwilligen-Agentur Bremen aufsuchen. Die Freiwilligen-Agentur ist eine Anlaufstelle für Menschen, die nach Möglichkeiten freiwilliger Arbeit in ihrer Gesellschaft suchen. Neben verschiedenen Projekten bietet der Aufgabenkatalog der Agentur sieben Einsatzbereiche - darunter zum Beispiel Sport, Umwelt und Soziales - und rund 300 Tätigkeitseinrichtungen zur Auswahl an. 'Viele kommen zu uns, weil sie sich natürlich in der Gesellschaft nützlich machen wollen', sagt die Freiwilligen-Beraterin Inge Papst. 'Die meisten möchten aber auch etwas für sich tun. Diejenigen, die jahrelang in der Buchhaltung gearbeitet haben, können im Ruhestand mal was ganz anderes machen. Sich beispielsweise bei Amnesty International für mehr Demokratie einsetzen.'

Gerhard Hehling wollte nie etwas anderes. Er ist durch und durch Bauingenieur. Seine Kenntnisse liegen im Tiefbau. Er interessiert sich für die Architektur von Schiffen, Zügen und Brücken. 'Beim Bremer Zentrum für Baukultur kann ich in meiner Arbeit aufgehen und der Gesellschaft etwas zurückgeben', sagt er. Einmal die Woche sitzt Gerhard Hehling an seinem Arbeitstisch im Zentrum für Baukultur und restauriert Bremer Hafen- und Speicherpläne, die noch vor dem Ersten Weltkrieg entworfen wurden. 'Einige von diesen Plänen wurden von Eduard Suling, Bremens berühmten Baumeister und Oberbaudirektor, persönlich unterzeichnet. Das ist Bremer Geschichte. Die möchte ich für die Nachwelt erhalten.' Das Zentrum für Baukultur ist ein gemeinnütziger Verein, der ohne die Unterstützung von ehrenamtlichen Mitgliedern nicht bestehen kann.

Inge Papst hat Gerhard Hehling vor zwei Jahren beraten und ihm die ehrenamtliche Tätigkeit beim Zentrum für Baukultur vermittelt. Dabei ist die 66-Jährige nicht nur Freiwilligen-Beraterin, sie ist selbst Freiwillige. Alle Berater der Freiwilligen-Agentur sind ehrenamtlich tätig. Für Birgitt Pfeiffer, organisatorische Leiterin der Freiwilligen-Agentur in Bremen, ist das selbstverständlich: 'Wir können doch keine ehrenamtliche Arbeit vermitteln, und dabei selber Geld verdienen', sagt sie.

2500 Menschen hat die Freiwilligen-Agentur in Bremen in den vergangenen fünf Jahren beratend zur Seite gestanden. Wie viele von ihnen sich nach einer Beratung tatsächlich für ehrenamtliche Zwecke einsetzen, ist allerdings ungewiss. Die Beratung am Standort in der Bremer Zentralbibliothek am Wall findet unverbindlich statt. 'Unser Grundsatz ist die Beratung', sagt Birgitt Pfeiffer. 'Wir bereiten den Boden für diejenigen, die sich freiwillig in die Gesellschaft einbringen wollen. Danach ist jeder und jede auf sich gestellt.'

Einen Versuch, die Rückmeldungen statistisch zu erfassen, hat es dennoch in vergangener Zeit gegeben. 'Ich habe selbst bei den Einrichtungen angerufen und nachgefragt', sagt Birgitt Pfeiffer. 'Der Aufwand ist aber zu groß. Die Zeit haben wir nicht.' Pfeiffer möchte die Menschen informieren, nicht ihr Engagement erzwingen. Sie freut sich über die hohe Anzahl junger Leute, die ihren Beratungsstand aufsuchen und sich über ehrenamtliche Aufgabenfelder informieren. '30 Prozent unserer Besucher sind unter 30 Jahren', sagt sie. 'Trotzdem sind alle Altersklassen fast gleichermaßen vertreten. Es sind nicht etwa nur die über 60 Jährigen, die sich freiwillig betätigen.'

Laut Statistischem Bundesamt engagieren sich rund 32 Prozent der Bremer ehrenamtlich in unterschiedlichen Einrichtungen. Damit zeigt Bremen den höchsten sozialen Einsatzwillen von allen Stadtstaaten bundesweit. Die Freiwilligen-Agentur Bremen trägt ihren Teil hierzu nicht nur beratend bei. Die Agentur schafft auch ganz eigene Projekte, bei denen sich Ehrenamtliche engagieren können. 'Balu und Du' zum Beispiel ist ein Mentorenprojekt der Freiwilligen-Agentur, bei dem ein junger Erwachsener ein Jahr lang ein Kind freundschaftlich betreut. Das Mentorenprojekt soll das Selbstbewusstsein und die Entwicklung der Kinder spielerisch fördern.

Während Gerhard Hehling längst in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Restaurator von alten Schiffsplänen aufgeht, ist seine Frau noch auf der Suche nach einer passenden Aufgabe. Inge Papst hat die Broschüre des Mentorenprojekts bereits in der Hand.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+