Fake News in Bremen Freude an Falschmeldungen

Die Falschmeldung über einen Brand in der Waterfront ist nicht die erste Fake News, die in Bremen kursiert. Dagegen vorzugehen, ist nicht leicht, wie die Polizei bestätigt.
08.08.2017, 18:57
Lesedauer: 3 Min
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Freude an Falschmeldungen
Von Kristin Hermann

Es klingt so unbedarft, was die Betreiber aus Belgien auf ihrer Internetseite www.24aktuelles.com schreiben: „Erfinde deine eigenen Fake News und lege deine Freunde rein. Keine der Fake News sollte ernst genommen werden oder als seriöse Informationsquelle benutzt werden.“

Doch wie schnell solche Fehlinformationen dazu führen können, dass eines der größten Einkaufszentren der Stadt sich für einen Brand rechtfertigen muss, den es gar nicht gibt, zeigte ein Vorfall am Wochenende. Ein Nutzer der erwähnten Seite hatte am Sonnabend die Nachricht inklusive eines Fotos in Umlauf gebracht, dass ein Großbrand die Waterfront lahmgelegt hätte.

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Alles erfunden, stellt die Waterfront wenig später fest, doch die Nachricht war vorher etliche Male bei Facebook geteilt worden. Tatsächlich zeigt das Bild der Falschmeldung die Absturzstelle eines Kleinflugzeugs auf ein Einkaufszentrum nahe der australischen Stadt Melbourne Ende Februar.

Auch Polizei wird mit Fake News konfrontiert

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Stadt Falschmeldungen in Umlauf gebracht werden. Nach Angaben der Bremischen Landesmedienanstalt machte Ende vergangenen Jahres eine Nachricht die Runde, in der Geflüchtete grundlos beschuldigt wurden, einen Weihnachtsbaum in einem großen Einkaufszentrum geplündert zu haben.

Auch die Bremer Polizei wird in der Vergangenheit immer wieder mit Fake News und urbanen Legenden konfrontiert. So kam bei den Beamten beispielsweise das Gerücht an, dass an Tankstellen oder Parkplätzen kostenlose Schlüsselanhänger verteilt werden, in denen Chips verarbeitet werden, mit denen man den Besitzer anschließend aufspüren kann.

Zu einem Klassiker ist für die Polizei mittlerweile auch diese erfundene Geschichte geworden: Rumänen sollen Kinder in der Bremer Filiale von Primark entführen, um ihre Organe auf dem Schwarzmarkt anzubieten. Oft würden diese Nachrichten und Warnungen mit der Aufforderung verbreitet, sie an möglichst viele Benutzer weiter zu senden, um alle vor der „Gefahr“ zu warnen.

Falschmeldungen berühren nur selten einen Strafbestand

Bei der Polizei nimmt man die Verbreitung solcher falscher Tatsachen durchaus ernst: „Wir alle kennen das Spiel Stille Post und haben darüber oft gelacht“, sagt Polizeisprecherin Franka Haedke. „Der Spaß hört aber auf, wenn es dabei um schwere Straftaten geht und Gerüchte und Halbwahrheiten über soziale Netzwerke endlos geteilt werden, ohne die Quelle zu kennen.“

Die Polizei macht aber auch klar, wie schwer es ist, gegen die Verfasser und das Verbreiten derartiger Meldungen vorzugehen. Sie würden nur selten einen Strafbestand berühren. Das bestätigt auch Lorenz Kähler, Dekan der Rechtswissenschaften an der Universität Bremen.

Einen Strafbestand würden solche Meldungen nur dann darstellen, wenn eine konkrete Person diffamiert oder verleumdet wird. Für Unternehmen wie die Waterfront käme eher eine zivilrechtliche Klage in Frage, die auf Unterlassung oder Schadensersatz abzielt.

Häufig lässt sich die Wahrheit nicht ermitteln

Viele dieser Meldungen ließen sich jedoch derzeit juristisch nur schwer eindämmen. Man müsse genau unterscheiden, wer die Meldung verfasst, sie teilt und welche Seite sie veröffentlicht. Politiker fordern hier strengere gesetzliche Anpassungen – die Umsetzung ist jedoch schwierig, denn häufig lässt sich die Wahrheit nicht ermitteln.

Aufgrund der fehlenden Erfahrung mit solchen Rechtsfällen würden viele der Betroffenen Abstand von einer Klage nehmen. Darauf wird es voraussichtlich auch im Fall der Waterfront hinauslaufen, kommentiert Center-Managerin Kirsten Jackenkroll. Nachdem der erfundene Artikel mehrfach bei der Betreiberseite gemeldet wurde, habe diese den Bericht am Sonntagabend wieder gelöscht.

„Wir überlegen auch weiterhin, wie wir in Zukunft mit solchen Meldungen umgehen sollen“, sagt Jackenkroll. Nach Angaben der Bremischen Landesmedienanstalt haben Fake News mit Bremer Bezug zugenommen, eine offizielle Statistik darüber gebe es allerdings nicht.

Tools im Internet entlarven Fake News

Die erfundenen Nachrichten verteilen sich vor allem über Facebook, Twitter und über WhatsApp. Wer Fake News erkennen will, sollte einige Dinge beachten, sagt Direktorin Cornelia Holsten. Etwa könne ein Blick in das Impressum der jeweiligen Seite Aufschluss über die Betreiber geben. Fehlende oder zweifelhafte Angaben können ein erstes Zeichen für die mangelnde Seriosität sein.

„Außerdem gibt es mittlerweile mehrere Tools im Internet, die Fake News entlarven. In diesen Meldungen werden beispielsweise relativ viele Superlative verwendet“, sagt Holsten. „Es bietet sich auch immer ein Vergleich mit den klassischen Medien an. Wird dort nicht über das Ereignis berichtet, kann das ein weiterer Anhaltspunkt sein.“

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