Rembertitunnel in Bremen Frieden in Stein gemeißelt

Der Rembertitunnel, besser bekannt als Friedenstunnel, ist eingeweiht und erstrahlt in buntem LED-Licht. Sieben Wochen lang war der Tunnel für den Straßenverkehr gesperrt.
07.09.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Myriam Apke

Freie Fahrt für den Frieden: Der Rembertitunnel, besser bekannt als Friedenstunnel, ist eingeweiht und erstrahlt in buntem LED-Licht. Sieben Wochen lang war der Tunnel für den Straßenverkehr gesperrt, am Sonntag feierten zahlreiche Besucher den vorläufigen Abschluss der Bauarbeiten.

„Es ist überwältigend und genau so, wie ich es mir gewünscht habe“, sagte Regina Heygster, Initiatorin des Projekts. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 wollte sie ein Zeichen setzen. Ihr Traum: Der dunkle Rembertitunnel soll zu einem Friedenssymbol werden. Sie suchte Unterstützer, gründete einen Verein, sammelte Spendengelder – 14 Jahre hat es gedauert, bis aus der Vision Wirklichkeit werden konnte. Und obwohl es sich offiziell noch immer um den Rembertitunnel handelt, so ist er längst als Friedenstunnel bekannt. Die Umgestaltung macht diesen Titel möglich.

Wer jetzt durch den Tunnel geht, der läuft an 82 Tafeln mit Friedenstexten vorbei, an 135 Friedensworten in hundert verschiedenen Sprachen und an Symbolen aller beteiligten Religionsgemeinschaften. Ihre Bremer Vertreter haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder zu Gesprächen getroffen. Dabei ging es nicht um die Bauarbeiten, sondern um gegenseitiges Verständnis: „Es war nicht immer unproblematisch“, sagt Michael Sabass, Vertreter der Buddhisten. Es gab Vorurteile gegeneinander. „Einiges konnte abgebaut werden, aber es wurden auch Urteile bestätigt“, sagt Sabass. Er habe beispielsweise ein anderes Bild vom Islam gewinnen können. Diese Aussage hat Bilal Güney in letzter Zeit oft gehört: „Fast alle Religionsvertreter sagten mir, sie wüssten nun, was Islam ist und wer Muslime sind“, sagt Güney, von der islamischen Förderation Bremen. Die Menschen hätten insbesondere vom Islam eine negative Vorstellung: „Durch das Projekt haben wir Verständnis, Vertrauen und Respekt bekommen. Das war auch unser Ziel“, sagt er.

Jede Religionsgemeinschaft hat auf fünf Tafeln ausgewählte Texte drucken lassen. Auf den restlichen Schildern sind unter anderem Aussagen von Friedensaktivisten und Politikern zu lesen. Alle Teste an der Tunnelwand sind inhaltlich ähnlich: Sie appellieren an die Vorbeilaufenden und Fahrenden, sich für Frieden und Mitmenschlichkeit stark zu machen. Diese Botschaft wurde auch während der Eröffnungsfeier immer wieder deutlich: Sei es durch die Redner, Musiker oder die Läufer des 2. Bremer Friedenslaufs, die im Tunnel empfangen wurden.

Bürgermeister Carsten Sieling konnte entgegen seiner Ankündigung nicht an der Feier teilnehmen. Er reiste zum Koalitionsgipfel nach Berlin, wo über die Aufnahme und Versorgung der Flüchtlinge in Deutschland beraten wurde. Da auch diese Arbeit Friedensarbeit ist, hatten die Feiernden im Tunnel Verständnis. Außerdem soll es auch zukünftig Gelegenheit für Gespräche geben, denn die Arbeit geht weiter: „Die Decke muss gemacht werden, und inhaltlich wünsche ich mir hier viele Tunnelbegegnungen“, sagt Initiatorin Heygster.

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