BUND-Erzählcafé beleuchtet Hundertwassers Vorreiterrolle

Friedensreich und die Natur

Altstadt. "Gegen den Strich" und bewusst ökologisch hat Friedensreich Hundertwasser gelebt. Während die Kunsthalle Werke des österreichischen Künstlers in einer Sonderschau zeigt, veranstaltet der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) dort Erzählcafés, um die Bedeutung Hundertwassers als Vorreiter der Umweltbewegung ins Blickfeld zu rücken. Die nächste Runde ist am Sonnabend, 2. Februar, um 14 Uhr.
31.01.2013, 05:00
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Von Edwin Platt

Altstadt. "Gegen den Strich" und bewusst ökologisch hat Friedensreich Hundertwasser gelebt. Während die Kunsthalle Werke des österreichischen Künstlers in einer Sonderschau zeigt, veranstaltet der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) dort Erzählcafés, um die Bedeutung Hundertwassers als Vorreiter der Umweltbewegung ins Blickfeld zu rücken. Die nächste Runde ist am Sonnabend, 2. Februar, um 14 Uhr.

Naturpädagogin Dorothee Bergler aus Schwachhausen und Julia Schulte to Bühne aus Hannover, die Geschäftsführerin des Niedersächsischen Heimatbundes, stellten im jüngsten Erzählcafé Fragen an Nadja Ziebarth, die Meeresschutzreferentin des BUND, und an Peter Willers aus Horn-Lehe, einen Gründungsaktivist der Bremer Grünen Liste, ehemaligen Abgeordneten der Bürgerschaft und Mitarbeiter der Aktionskonferenz Nordsee.

Der 1928 in Österreich geborene und katholisch getaufte Friedrich Stowasser, Sohn einer jüdischen Mutter, signierte ab 1948 mit "Hundertwasser". Erste Reisen führten den Individualisten nach Italien, Paris, Marokko oder in die Steiermark. Ende der 50er-Jahre erwarb er einen Bauernhof in der Nähe der Normandie. Hundertwasser kaufte 1964 die aufgelassene "Hahnsäge" im Waldviertel in Österreich und richtete sich dort eine Behausung ein. Der 36-Jährige strebte nach einer friedlichen, humanen und naturnahen Umwelt – befürwortete Humustoilette und Pflanzenkläranlage.

Hundertwasser betrachtete die Welt aus seiner eigenen Perspektive, die die Wurzeln für eine ökologische Bewegung darstellen. Er entwarf Plakate für Protestaktionen, gestaltete Briefmarken oder widmete sich 1982 mit einem Entwurf der Fassade der Rosenthal-Fabrik in Selb. Im Folgejahr begann der Bau des Hundertwasserhauses in Wien. 2000 starb Hundertwasser auf der Rückreise von Neuseeland nach Europa und wurde seinem Wunsch gemäß auf seinem neuseeländischen Grundstück nackt, in ein Tuch gehüllt, unter einer Magnolie beigesetzt. Hundertwasser trat in seiner Architektur und in allen Lebensbereichen für Leben im Einklang mit der Natur ein. Er trat für natürliche Lebensräume ein, hielt Vorträge und gestaltete Plakate für Naturschutz und gegen Kernenergie, zur Rettung der Meere und zum Schutz der Regenwälder.

In der Bremer SPD stand Peter Willers für Umweltschutz. Er paddelte mit seinen Eltern nach 1944 auf der Weser an Schiffswracks vorbei. Später wurde er Gründungsmitglied der Grünen Liste Bremens. Und mit Nadja Ziebarth erinnerte er sich im Erzählcafé an Hundertwasser-Plakate gegen Kernenergie. Die in Bagdad geborene Nadja Ziebarth hat in Bremen Meeresbiologie studiert. Durch die Aktionskonferenz Nordsee begann sie, Meeresforschung politischer zu sehen.

Hundertwassers Darstellungen wirken durch Farben und Symbole unpolitisch. Persönlich engagierte er sich konsequent für Umweltschutz. "Ich will nicht kämpfen, will kein Revolutionär sein, ich will nur zeigen", zitiert Ziebarth den Künstler. "Meeresschutz findet keine Bewegung, die sich ihr annimmt", sagt sie. Und Peter Willers ergänzt: "Betroffenheit schafft Bewegung. Solange es Sushi gibt, gibt es keine Bewegung."

Der Horner stellt fest: "Die Industrialisierung der Meere hat begonnen, weil Landrohstoffe rar werden." Die Vereinten Nationen haben beschlossen, bis 2020 eine Vision vom guten Meer zu definieren. Sie zu schaffen, falle schwer, sagt der 77-Jährige, weil es schwer sei, das Positive festzuhalten, festzuschreiben. "Hundertwasser hat es geschafft, vorbildlich Positives vorzuleben."

"Naturort von Menschen für Menschen" ist das Thema beim BUND-Erzählcafé am Sonnabend, 2. Februar, um 14 Uhr in der Kunsthalle am Wall mit Bürgerparkdirektor Tim Großmann, Tanja Greiß von der BUND Kinderwildnis und Permakulturdesigner Volker Kranz. Eintritt: drei Euro. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Der Vorverkauf läuft über die Geschäftsstelle BUND Bremen, Am Dobben 44, Telefon 790020.

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