Tausende protestieren gegen Parteitag Friedliche Demo mit bizarrem Ende

Die große Demonstration gegen den AfD-Parteitag ist am Sonnabend weitgehend friedlich zu Ende gegangen. Unser Reporter Jürgen Hinrichs war vor Ort und schildert seine Eindrücke.
01.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Friedliche Demo mit bizarrem Ende
Von Jürgen Hinrichs

Zum Schluss wird es bizarr. „Nazis raus!“, skandieren die Demonstranten. „Nazis raus!“, schallt es zurück. Zwei Lager, die sich befehden und den gleichen politischen Kampfbegriff verwenden. Beim linken Demobündnis ist es die Überzeugung, dass der Gegner mit seiner Politik Fremdenhass schürt. Bei der AfD ist es Ironie, vielleicht aber auch der Eindruck, dass sie nicht sagen darf, was sie sagen will.

So stehen sie sich gegenüber. Unten auf der Bürgerweide ein paar Tausend Demonstranten, die sich nach ihrem Marsch durch die Innenstadt noch eine Kundgebung gönnen. Oben, auf der Dachterrasse des Kongresszentrums, wo die AfD ihren Parteitag abhält, ein Trupp von Parteimitgliedern, der dagegen halten will und zur eigenen Erbauung irgendwann die Nationalhymne singt.

Als es zwei Stunden zuvor losgehen soll mit der Demonstration, geht es erst einmal nicht los. Es gibt offenbar Klärungsbedarf bei einem kleinen Teil des Bündnisses, das von einzelnen Kirchengemeinden über die Gewerkschaften bis zu Linksradikalen und Autonomen reicht.

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Einer der Organisatoren spricht von einem „harten Ringen“. Verhandelt werden Kleiderfragen. Der „schwarze Block“, viel beschworen, wenn Krawalle befürchtet werden, ist am Ende dieser Debatten zwar nicht bunt, wie die allermeisten der Demonstranten. Tücher vor dem Gesicht trägt aber keiner von den rund 200, die sich in einer eigenen Abteilung formieren.

Kornelia Staffelfeldt, eine Blockfreie, wenn man so will, hält ein Schild hoch, das von der IG Metall kommt, sie hat es sich geborgt: „Bremer Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes“. Die 53-Jährige ist Ungarin von Geburt, „ich bin selbst Asylantin“. Sie will sich dagegen wehren, dass Fremde in Deutschland stigmatisiert werden, denn genau das wirft sie der AfD vor.

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„Meine zweite Demonstration seit 30 Jahren“, sagt die Gastwirtin, die ihre Tochter Rosa mitgebracht hat. Die erste hat sie am Montag erlebt, als das Bündnis „Bremen tut was“ mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz gesetzt hat. Es gibt Schnittmengen zwischen diesen beiden Veranstaltungen, was an Personen deutlich wird, aber auch an Plakaten. „Unser Koch ist Araber und macht den besten Grünkohl“ – hatte man das nicht schon mal gesehen?

Jürgen Wersebe, ein 65 Jahre alter Rentner, steht auf der Ecke zur Bürgerweide und erwartet den Protestzug. „Geistige Brandstifter“, sagt er, und man ist verwirrt. Wen meint er jetzt, die Demonstranten oder die AfD? „Die AfD natürlich“, antwortet Wersebe. Nicht alle in dieser Partei, aber einige eben würden für Rassismus und extremen Nationalismus stehen. Deshalb reiht er sich ein, als die AfD-Gegner kommen, „fünf Kilometer waren mir zu viel, ich kann nicht so gut laufen“.

Es knallen Böller, als die Kundgebung beginnt. Es werden ein paar Farbbeutel geworfen. Aber eigentlich ist das nichts. Die Demo geht so friedlich zu Ende wie sie begonnen hat.

>>Unseren Ticker zur Demonstration können Sie hier nachlesen

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