Studentinnen und Studenten der School of Architecture entwickeln Konzepte und stellen gemeinsam aus Frische Ideen für die Bahnhofsvorstadt

In vielen Großstädten fehlen Wohnungen. Gleichzeitig gibt es viele leere Büros. Wie die Bahnhofsvorstadt mit einer anderen Verkehrsführung und mit optimaler Raumnutzung aussehen könnte, zeigen Studentinnen und Studenten der School of Architecture in der Doppel-Ausstellung „Büroblase BRD“ und „Stelzengarten Bremen“ im alten Postamt an der Weide.
10.04.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Schulze

In vielen Großstädten fehlen Wohnungen. Gleichzeitig gibt es viele leere Büros. Wie die Bahnhofsvorstadt mit einer anderen Verkehrsführung und mit optimaler Raumnutzung aussehen könnte, zeigen Studentinnen und Studenten der School of Architecture in der Doppel-Ausstellung „Büroblase BRD“ und „Stelzengarten Bremen“ im alten Postamt an der Weide.

Wohnungsnot – trotz leer stehender Gebäude? Studierende der School of Architecture haben nach Lösungen gesucht. In der Doppel-Ausstellung „Büroblase BRD“ und „Stelzengarten Bremen“ präsentieren sie bis 29. April sieben Fallstudien zu Spekulantentum in Deutschland und außerdem Konzepte für die Hochstraße am Bahnhof. Anders als die Fachleute, die am Verkehrsentwicklungsplan beteiligt sind, würden sie die Trasse still legen und eine Flaniermeile anlegen.

„Kreativviertel, Discomeile, Rotlichtzone und Ort öffentlicher Einrichtungen, die Bremer Bahnhofsvorstadt ist vielschichtig und auf dem Sprung, sich neu zu erfinden“, heißt es in der Einleitung. „Dieses Stück Nachkriegsstadt mit Hochstraße und der für Bremen untypischen Hochhausdichte ist dabei Problemfeld und Chancenraum zugleich: Welche Impulse, an welcher Stelle sind erforderlich, um das Viertel langfristig zu beleben?“

Freiräume gestaltet

Die Studenten würden den Quartieren an der Hochstraße gern zu neuem Leben verhelfen. Sie haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man alte Gebäude und Freiräume umgestalten und das Gebiet generell neu und sinnvoller strukturieren könnte. Kleine, selbst konstruierte Modelle und Projektbeschreibungen sind in der School of Architecture im alten Postamt 5 an der Weide zu sehen.

Anna Dubis aus Gröpelingen hat sich mit dem Doventorsquartier auseinandergesetzt. „Ich wollte das Wohngebiet aufwerten, mit barrierefreien Einzimmer-Apartments und Wohngemeinschaften über 50 Jahre“, sagt die 26-Jährige. Darüber hinaus hat sie attraktive Freiräume geschaffen, die auch ältere Menschen zum Verweilen einladen oder für Urban Gardening Aktionen zur Verfügung stehen sollen. Einheitliche Muster wie runde Sitzbänke spiegeln den Wiedererkennungswert des Doventorsquartiers in ihrem Modell wieder.

Tom Krenz aus der Neustadt und Nik Steinweg aus der Bahnhofsvorstadt haben sich mit dem als Obdachlosenunterkunft betriebenen Papageienhaus und seinem Umfeld beschäftigt. „Wir haben uns überlegt, was dort momentan ist, was gebraucht wird und was ersetzt werden kann“, sagt Nik Steinweg. Außerdem müsse das Gebiet besser erschlossen werden, als es jetzt der Fall sei. In den oberen Etagen eines Gebäudes können sie sich Wohnungen vorstellen. „Das Gebäude wird über Arkadengänge auf der Hochstraße im dritten Geschoss betreten und beinhaltet dort einen Cafébereich mit Ausstellungsflächen“, steht in dem Entwurf. „Wir wollen dem gesamten Gebiet neues Leben schenken, das sich teils selbst versorgt“, sagt Tom Krenz.

Philipp Theil und Dennis Lechner haben den sogenannten Creative Core „The CC“ zwischen Daniel-von-Büren-Straße und der Bürgermeister-Smidt-Straße bearbeitet. Im Zentrum dieses Gebietes steht das Bundeswehrhochhaus, das im Modell zum kreativen Zentrum mit eigenen Cafés umfunktioniert wird. Auch hier ist die Hochstraße das verbindende Element zu den anderen Bearbeitungsgebieten. „Wir haben das Quartier ein wenig aufgeräumt“, sagt Philipp Theil. Sie haben sogenannte Stadtreparaturen durchgeführt, Durchbrüche geschaffen und Lücken geschlossen, sodass ein einheitliches und klar definiertes Gebiet entsteht. Der Aufgang zum Stelzengarten soll für eine gute Aufenthaltsqualität garantieren. Das Alte Gymnasium soll besser vom Wohnumfeld getrennt werden.

Mit der Fläche vor dem Hauptbahnhof hat sich unter anderem Mirko Willert aus der Neustadt beschäftigt. Er hat sich die Frage gestellt, wie man in Bremen am Hauptbahnhof ankommt und was einen erwartet. Für ihn besteht das Gebiet aus drei Quartieren, nämlich dem „Arrival Island“ (der Ankunftsinsel), dem „Loft Living in the 50s“ und dem „Central Business District“. Die leeren Büros würde er sanieren, damit sie auch von außen eine Art Visitenkarte für Unternehmen werden. Arbeiter könnten in Luxuswohnungen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und des Fernverkehrs wohnen, ist eine Idee. Den Weg in die Innenstadt würde er auch deutlicher kennzeichnen. „Momentan liegt die Dominanz bei Bussen und Bahnen. Das möchte ich aufbrechen und das Hauptaugenmerk auf die Menschen legen“, sagt der 25-jährige Mirko Willert.

Juliane Lüthemeyer aus Schwachhausen, Bianka Eilers und Nadin Böttcher aus dem Viertel hatten den „Focus –Treffpunkt Remberti“ und dafür als Erstes die Verkehrsführung hinterfragt. „Momentan ist es einfach eine übertrieben große Kurve“, findet Juliane Lüthemeyer. Durch die Verlegung der Straße ergaben sich Freiräume und sie führten Stadtreparaturen durch. Das Quartier soll sich zu einem neuen Treffpunkt mausern. Das Kreisthema aus den anderen Projekten setzt sich bei den Sitzbänken beispielsweise fort. Auch der Lichtproblematik einiger Wohnungen haben sich die Studentinnen angenommen. Denn die Sonnenseite ist gleichzeitig auch die lärmbelastete Seite und benötigt eine Lösung.

Die Doppel-Ausstellung im dritten Obergeschoss des alten Postamts 5 am Bahnhof ist geöffnet montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, nicht aber vom 14. bis 25. April. Finissage am Dienstag, 29. April, um 19 Uhr.

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