Wierdereröffnung eines Bremer Friseursalons So geht Haareschneiden während der Corona-Pandemie

Wie funktioniert Haareschneiden während der Pandemie? Ein Erfahrungsbericht aus dem Bremer Friseursalon von Senida Huremovic.
05.05.2020, 19:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Patricia Friedek

Noch liegen die Föhne und Glätteisen an ihren Plätzen, noch sitzt niemand an den durch Plexiglasscheiben getrennten Waschbecken. Es ist 8.15 Uhr im Friseursalon von Senida Huremovic in der Neustadt, eine Dreiviertelstunde, bevor sie eigentlich öffnet. Zu den regulären Zeiten hat die Friseurin bis kommende Woche Mittwoch keinen Termin frei, für den WESER-KURIER macht sie aber eine Ausnahme.

Denn ich will wissen, wie es ist, sich in der Corona-Zeit die Haare schneiden zu lassen. Senida Huremovic hat, genau wie der Großteil der Bremer Friseure, am Montag nach sechs Wochen Stillstand wieder eröffnet. Senida Huremovic trägt eine Schutzmaske und zeigt auf die Desinfektionsmittel auf dem Tischchen neben der Kasse, darüber hängt ein Hinweis: „Bitte desinfizieren Sie nach Betreten des Salons als erstes Ihre Hände.“

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Den Mantel darf sie den Kundinnen und Kunden nicht mehr abnehmen. „Das Mitmenschliche gibt es nicht mehr“, sagt die Friseurmeisterin. Und noch ein Zettel hängt an der Kasse. Darauf ist aufgemalt, was erlaubt ist und worauf Besucher achten müssen: Nies- und Hustenetikette beachten, Mundschutzpflicht, Abstand halten. Kein Händeschütteln, keine Umarmung, keine Behandlung im Gesicht, keine Getränke und Zeitschriften, keine Trockenhaarschnitte und keine Begleitung. Beratung nur über den Spiegel.

Es geht ans Haare waschen, ich möchte mir die Spitzen schneiden lassen. Links und rechts stehen die durchsichtigen Schutzwände, weil zwischen den Waschbecken nicht der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann, wie Huremovic erklärt. Die Friseurin trägt Handschuhe, während sie das Shampoo in die Kopfhaut massiert. Als sie fertig ist, legt sie mir einen Einweg-Umhang um die Schultern.

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„Die Alternative wäre, Mehrweg-Umhänge nach jedem Kunden zu waschen“, sagt die Friseurin. Es sei jetzt sowieso schon viel mehr Arbeit, das Desinfizieren aller Utensilien nach jedem Kunden nehme viel Zeit in Anspruch, das gründliche Putzen nach jedem Arbeitstag auch. Es wäre ihr zu viel, jetzt auch noch ständig Umhänge zu waschen, aber vielleicht kommt Huremovic nicht darum herum: „Ich habe nur 200 Einweg-Umhänge bekommen, die sind gerade überall ausverkauft.“

Die Friseurin führt mich zu einem der Sessel, der nicht mit rot-weißen Bändern abgesperrt ist. Jeder zweite Platz muss frei bleiben. Deshalb hat der Salon im Durchschnitt gerade weniger Kunden, obwohl die Nachfrage laut Huremovic sehr hoch ist. Das merkt man auch an diesem Morgen: Als die Friseurmeisterin anfängt, mir die Haare zu bürsten, klingelt das Telefon – eine halbe Stunde vor Ladenöffnung.

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„Gestern haben die Kunden noch bis zehn Uhr abends angerufen“, erzählt sie. Ein Friseurbesuch ist ohne Terminabsprache bei Senida Huremovic aktuell nicht möglich. „Wir müssen planen, damit nicht zu viele Kunden gleichzeitig da sind.“ Um halb neun kommt der erste Kunde in den Salon. Senida Huremovic schneidet meine Spitzen ab und schiebt die Fönhaube über meinen Kopf. „Kunden dürfen die Geräte nicht selbst anfassen“, erklärt sie.

Dann wechselt sie zu dem neuen Besucher und trägt ihrem Auszubildenden Mohammed auf, mir die Haare zu föhnen und zu glätten. Mittlerweile steht das Telefon nicht mehr still. Mohammed fängt an, meine Haare zu bearbeiten, aber immer wieder muss er ans Telefon gehen und Termine notieren. Auch wenn seine Kollegin das manchmal übernimmt, durchgehend bei der Sache kann Mohammed nicht bleiben, weil er immer wieder zum Hörer geht.

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Das Waschen inklusive Pflege, Schneiden, Föhnen und Glätten kostet bei langen Haaren 52 Euro. Die Preise musste Huremovic erhöhen, denn ihre Kosten sind jetzt durch die Schutzmaßnahmen gestiegen. Auch sie hat um ihre Existenz gebangt: „Noch ein zwei Monate länger, und ich hätte beide Salons zu machen müssen.“ Huremovic hat ein zweites Geschäft in Borgfeld. Bevor ich den Salon verlasse, muss ich noch einen Zettel mit Namen, Adresse, Telefonnummer und Besuchszeit ausfüllen. Die Friseurin sagt: „Falls wir einen Corona-Fall haben sollten, müssen wir wissen, wer wann hier war.“

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