Mit Hermine durch Vegesack: Christine Renken plaudert bei Spaziergang aus dem Leben der Malerin Fritz zuliebe verzichtet sie auf's Velociped

Vegesack. Die bunte Kuh vor der Fassade eines Lokals in der Breiten Straße erregt im Vorübergehen die Aufmerksamkeit der Dame. "Kühe anzumalen, das hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben. Durchaus interessant." Ihre Zeit-das war die Epoche um 1900. Als die "Malweiber" noch in langen Röcken und Rüschenblusen mit ihrer Staffelei ins Grüne zogen. So wie Hermine Overbeck-Rohte, die an diesem verregneten Nachmittag mit einem Grüppchen von Zuhörern im Schlepptau durch die Fußgängerzone zieht.
19.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gabriela Keller

Vegesack. Die bunte Kuh vor der Fassade eines Lokals in der Breiten Straße erregt im Vorübergehen die Aufmerksamkeit der Dame. "Kühe anzumalen, das hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben. Durchaus interessant." Ihre Zeit-das war die Epoche um 1900. Als die "Malweiber" noch in langen Röcken und Rüschenblusen mit ihrer Staffelei ins Grüne zogen. So wie Hermine Overbeck-Rohte, die an diesem verregneten Nachmittag mit einem Grüppchen von Zuhörern im Schlepptau durch die Fußgängerzone zieht.

Christine Renken vom Theater Interaktiwo-mit falscher schwarzer Haarpracht und im Kostüm wie vor über 100 Jahren-plaudert als Hermine bei einem Spaziergang durch Vegesack über ihr Leben: als Malerin, Ehefrau, Mutter und später Verwalterin des künstlerischen Erbes ihres Mannes Fritz Overbeck.

Vom Overbeck-Museum geht es zum Hafen und zum Fähranleger, über Rohrstraße, Weserstraße und Reeder-Bischoff-Straße zurück zum Museum. Einen besonderen Bezug zum Leben von Hermine gibt es entlang des Weges nicht. Das Haus in Schönebeck, wo das Maler-Ehepaar Hermine und Fritz ab 1905 wohnte und das heute Enkelin Gertrud gehört, ist an diesem Nachmittag nicht das Ziel.

Bild als Ehestifter

Die Zuhörer müssen ihre Fantasie bemühen, wenn Hermine erzählt, wie "wunderschön" es war in den Garten zu schauen. Renken zeichnet mit Zitaten aus Briefwechseln zwischen Hermine, Fritz und Malerfreunden sowie Erinnerungen des Sohnes Fritz Theodor Overbeck ein Bild vom Menschen Hermine und lässt das Leben der Malerin Revue passieren. Von ihrer Studienzeit ab 1892 in München, wo ihr 1896 bei einer Ausstellung im Glaspalast das Bild "Abend im Moor" von Fritz Overbeck auffiel. Eine Begegnung, die ihr weiteres Leben bestimmen sollte: Hermine wurde erst Schülerin, dann 1897 Ehefrau des Malers.

Das Einlaufen in den Ehehafen sei ihr nicht leicht gefallen, erfahren die Zuhörer sinnigerweise am Vegesacker Hafen aus dem Munde von Renken. Zweifel plagten Hermine: Muss sie die Kunst aufgeben, kann sie neben Fritz als Malerin bestehen? "Die ersten Jahre waren meine künstlerlisch wertvollsten" erfahren die Zuhörer. "Mit dem Kind im Haus wurde alles anders." Die Mutterrolle und die Pflichten im Haushalt forderten Hermine, viel Zeit zum Malen blieb da nicht. Dazu kamen gesellschaftliche Verpflichtungen in Worpswede. "Es war nicht einfach in Worpswede. Es galt zu repräsentieren, auf große Gesellschaften zu gehen. Das lag uns fern", erzählt Hermine. Ins Bild der treusorgenden Mutter und Ehefrau fügt sich die Geschichte vom "Velociped", die Hermine alias Renken beisteuert.

Weil Fritz aus gesundheitlichen Gründen kein Rad fahren durfte, habe auch sie darauf verzichtet. Auch einige andere, kaum bekannte Mosaiksteine, fügt Renken dem Bild von Hermine hinzu. Ihrem Botaniker-Sohn Fritz Theodor zuliebe habe sie nach dem Tod ihres Mannes "ein allerletztes Mal" gezeichnet: für das Buch "Die Mittelgebirgsflora". Sing-Abende mit einem Gymnasiallehrer hätten im Alter ein wenig Abwechslung ins zurückgezogene Leben gebracht.

Einen weiteren Spaziergang mit Hermine durch Vegesack gibt es am Sonntag, 11. September. Treffpunkt: 15 Uhr vor dem Overbeck-Museum. Teilnehmer zahlen pro Person neun Euro. Darin ist der Eintritt in die Hermine-Ausstellung enthalten.

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