Bremer Shantychor erhält die Zelter-Plakette Frohe Fleischer

Bremen. „Blaue Jungs, blaue Jungs von der Waterkant, ahoi, ahoi, ahoi!“, schallt es durch das Kaminzimmer im Rathaus. 25 Männer in blauen Hemden singen aus voller Kehle, ein Mann im schwarzen Anzug hört zu.
17.03.2015, 00:00
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Frohe Fleischer
Von Nikolai Fritzsche

„Blaue Jungs, blaue Jungs von der Waterkant, ahoi, ahoi, ahoi!“, schallt es durch das Kaminzimmer im Rathaus. 25 Männer in blauen Hemden singen aus voller Kehle, ein Mann im schwarzen Anzug hört zu. Die 25 Männer bilden den Shantychor der Liedertafel Bremer Fleischer, und der Mann, für den sie singen, ist Bürgermeister Jens Böhrnsen.

Der Anlass: Der Chor bekommt von Böhrnsen die Zelter-Plakette überreicht, eine Auszeichnung des Bundespräsidenten für Chöre, die seit mindestens hundert Jahren bestehen. Die Bremer Fleischer singen schon seit 1903; den Antrag für die Plakette stellten sie aber erst im vergangenen Jahr. Werner Weitze dirigiert den Chor und ist dessen Präsident. Einen „Ansporn für uns Sangesbrüder“ nennt er die Auszeichnung, die aber „vor allem den Gründern“ des Chors gelte. Für Böhrnsen bringt die Plakette „Respekt und Dank dafür zum Ausdruck, dass ein Chor die Gesangstradition über hundert Jahre pflegt“.

Die Offenheit gegenüber Neuem betrachtet Weitze als wichtigste Aufgabe des Chors. Dadurch sind die Sänger seiner Ansicht nach in einer ähnlichen Situation wie der, der ihnen die Plakette überreichte: „Wir müssen das bringen, was die Zuhörer wollen. Das ist bei Ihnen demnächst ja genauso, Herr Böhrnsen“, scherzte Weitze mit Blick auf die bevorstehende Bürgerschaftswahl.

Die Geschichte der Zelter-Plakette reicht in die 1920er Jahre zurück. 1956 unterzeichnete Bundespräsident Theodor Heuss den Erlass, in dem sie erneut gestiftet wurde, nachdem ab 1942 wegen des Krieges keine neuen Anträge von Chören mehr angenommen worden waren. Die Auszeichnung ist nach Carl Friedrich Zelter, dem früheren Leiter der Sing-Akademie zu Berlin, benannt.

Seit 1957 überreicht der amtierende Bundespräsident die Plakette jedes Jahr drei Wochen vor Ostern stellvertretend einem Chor. Das fand dieses Jahr in Celle statt; sechs der singenden Fleischer aus Bremen waren am vergangenen Sonntag dabei. „Sehr beeindruckt“ von der Veranstaltung war Wolfgang Diekmann, der seit 50 Jahren Mitglied des Chors ist.

Seit 1957 haben über 11 000 Sängervereinigungen die Plakette bekommen. Der Shantychor der Liedertafel Bremer Fleischer ist der 33. ausgezeichnete Chor aus Bremen. „Etwas Besonderes“ ist die Plakette für Diekmann trotzdem, denn: „Es gibt in Deutschland über 50 Fleischer-Chöre. Aber nur einen, der die Zelter-Plakette hat: uns.“ Die Zeiten, in denen ausschließlich Metzger zum Chor gehörten, sind allerdings vorbei. Zehn der aktuellen Mitglieder haben beruflich nichts mit Schnitzeln und Bratwurst zu tun.

Einen Ehrenplatz für die Plakette hat der Chor noch nicht gefunden. „Wir haben ja kein Vereinsheim“, sagt Diekmann. „Wahrscheinlich kommt sie beim Vorsitzenden an die Wand.“

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