Tag des offenen Denkmals Frühere US-Wohnanlage mit Seltenheitswert

Horn-Lehe. Zum Tag des offenen Denkmals erklärt der Architekt Jürgen Hilmes worin die architektonische Besonderheit des Senator-Pflegezentrums an der Marcusallee besteht. Der Bauhaus-Komplex stammt aus dem Jahr 1953.
08.09.2013, 00:00
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Von Maren Brandstätter

In die Riege der Bremer Bauwerke, die heute, 8. September, zum Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet werden, reiht sich auch das Senator-Pflegezentrum an der Marcusallee 2. Architekt Hans Jürgen Hilmes, der mit der Modernisierung des Ensembles befasst war, erläutert heute bei Führungen vor Ort, worin der Seltenheitswert des ehemaligen Wohnkomplexes für US-Konsulats-Bedienstete besteht.

Denkmalschutz mag nicht unbedingt die erste Assoziation sein, die der ungeübte Betrachter beim Anblick des Gebäude-Ensembles an der Marcusallee 2 hat. Bei dem vom renommierten amerikanischen Architekturbüro SOM geplanten Bauhaus-Komplex, der 1953 als Wohnanlage für Bedienstete des US-Generalkonsulats errichtet wurde, muss man etwas genauer hinschauen. „Aber das lohnt sich“, sagt der Bremer Architekt Hans Jürgen Hilmes, der vor vier Jahren im Auftrag der AVW Immobilien AG die Sanierung und Erweiterung des Baus geplant hat.

Für Hilmes war es eine anspruchsvolle Aufgabe, denn am Ende sollten die beiden Wohnblöcke energetisch auf dem neuesten Stand und durch einen Neubau miteinander verbunden sein – und das alles unter Beachtung von denkmalschutzrechtlichen Gesichtspunkten. Damit nicht genug: Als künftige Senioren-Einrichtung geplant, sollte die Anlage barrierefrei konzipiert werden.

Am heutigen Tag des offenen Denkmals wird Hilmes den Besuchern vor Ort erläutern, mit welchen Widrigkeiten er während der Planung zu kämpfen hatte, und welche architektonischen Reize das Bauwerk birgt. „Bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich, was wir mit diesem Gebäude für ein Schätzchen in Bremen haben“, schwärmt der Architekt. Als Beispiele prägnanter Merkmale deutet er auf die gläsernen Treppenhäuser an den Stirnseiten sowie ein Vielzahl von Säulen entlang der eingerückten Erdgeschosse.

Je nach Blickwinkel des Betrachters verleihen die kantigen Ständer den aufliegenden Stockwerken fast etwas Schwebendes. Die für diesen Haustyp charakteristischen durchgehenden Balkone, sogenannte Laubengänge, in den oberen Geschossen ließen sich zu Hilmes‘ Bedauern aus Sanierungsgründen nicht komplett erhalten. „Aber das ist nur eine Frage der Perspektive“, sagt er. In der Tat: Mit dem richtigen Blickwinkel werden nachträglich eingebaute Fenster unsichtbar, da sie recht tief in die Fassade eingelassen wurden.

Dass der Bau Aufmerksamkeit erregt, ist 60 Jahre nach seiner Fertigstellung längst nicht das erste Mal, wie der Architekt mit einem vergilbten Exemplar der Fachzeitschrift Bauen und Wohnen aus dem Jahr 1956 belegen kann. Damals schaffte es das heutige Seniorenheim, das auch schon als Universitätsbauamt und Haus der Arbeiterwohlfahrt fungierte, bereits auf die Titelseite. „Dieser Haustyp war deutschlandweit nahezu einzigartig“, betont Hilmes.

Stil heute wieder gefragt

In dem Magazin finden sich dafür Abbildungen mehrere amerikanischer Pendants. „Dieser Stil ist heute wieder unheimlich gefragt“, weiß er. Die Umsetzung aber sei den meisten Bauherren aufgrund der filigranen Details zu zeit- und kostenintensiv.

Auch der Erhalt der Immobilie an der Marcusallee stand im Laufe der Jahre mehr als einmal auf wackeligen Beinen. Nicht nur, dass die Stadt noch vor einigen Jahren einen Abriss der sanierungsbedürftigen Immobilie in Betracht gezogen hatte. Einem Bericht des WESER-KURIER aus dem Jahr 1953 zufolge wäre ihr Bau seinerzeit um Haaresbreite gestoppt worden. Das Generalkonsulat am Präsident-Kennedy-Platz – das Gebäude ist heute in den Hauptsitz der BLG einbezogen – als auch die Wohnanlage waren demnach mit je knapp zwei Millionen D-Mark veranschlagt worden, was aus Sicht des US-Repräsentantenhauses eine zu hohe Belastung für den amerikanischen Steuerzahler dargestellt habe. Das Sparkonzept konnte jedoch beim Bremer Projekt nicht mehr greifen, da der Bau zu jenem Zeitpunkt schon zu weit fortgeschritten war. Gespart wurde somit erst bei den Folgeplanungen amerikanischer Bauten auf deutschem Boden.

Hans Jürgen Hilmes bietet heute um 14 Uhr und 15 Uhr kostenlose Führungen über das Areal an der Marcusallee 2 an. Die Besucher haben dabei die Möglichkeit, sich detailliert über die außergewöhnliche Architektur informieren zu lassen.

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