Eckart K. muss sich wegen Untreue verantworten Früherer Werft-Chef vor Gericht

Bremerhaven. Vor rund zehn Jahren ist die Bremerhavener Werft SSW in Konkurs gegangen. Nun steht der ehemalige Geschäftsführer vor Gericht, weil er das Unternehmen in die Pleite getrieben haben soll.
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Früherer Werft-Chef vor Gericht
Von Jörn Hüttmann

Bremerhaven. Der ehemalige Chef der Bremerhavener SSW-Werft muss sich seit Dienstag vor dem Bremer Landgericht verantworten. Der Angeklagte soll im Jahr 2002 wider besseres Wissen die Überschuldung des Schiffbauunternehmens herbeigeführt haben.

Eckart K. Der ehemalige kaufmännische Geschäftsführer der Bremerhavener SSW-Werft, muss sich seit gestern vor dem Bremer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm unter anderem Untreue zur Last. So soll er wider besseres Wissen die Überschuldung der Werft herbeigeführt haben, die im Sommer 2002 schließlich zur Insolvenz des Unternehmens mit damals 650 Mitarbeitern geführt hat.

Es sind insgesamt drei Punkte, die dem Angeklagten von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen werden: Als kaufmännischer Geschäftsführer veranlasste Eckart K. die Rückzahlung eines Darlehens in Höhe von rund fünf Millionen Euro. Das Geld war der SSW-Werft zur Deckung der betriebsnotwendigen Eigenkapitalgrenze zur Verfügung gestellt worden. Jedoch, so der Vorwurf, hätte K. die Rückzahlung nicht veranlassen dürfen, da es damit zu einer Unterfinanzierung des Unternehmens gekommen sei. Dies sei dem ehemaligen kaufmännischen Leiter bewusst gewesen.

Zudem wird dem Angeklagten vorgeworfen, das Insolvenzverfahrenzu spät eröffnet zu haben. Da er schon im April 2002 Kenntnis von der angeschlagenen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens gehabt habe, so die Staatsanwaltschaft, hätte er schon im Frühjahr handeln müssen. Der dritte Vorwurf betrifft schließlich den vom Angeklagten unterzeichneten Abschlussbericht der SSW-Werft für das Jahr 2001: Trotz absehbarer Verluste aus dem Bau mehrerer Containerschiffe sei im Jahresbericht nicht die erforderliche Wertberichtigung vorgenommen worden.

Eckart K. beteuerte, bei allen seinen Handlungen nach bestem Wissen gehandelt zu haben: Das Darlehen sei damals an mehrere Auflagen geknüpft gewesen. So sollte es zurückgezahlt werden, sobald die Werft unter anderem eine ausreichende Eigenkapitaldecke vorweisen konnte. Diese Bedingungen seien nach seinem damaligen Wissensstand erfüllt gewesen. „Ich hatte keine andere Wahl, als die Rückzahlung zu veranlassen“, sagte K..

Bei der Bestätigung des Jahresabschlussberichts habe er sich auf die Expertise eines externen Wirtschaftsprüfungsunternehmens verlassen, so der Angeklagte weiter. Dieses sei extra mit der Erstellung des Berichtes beauftrag worden, habe die finanziellen Probleme des Unternehmens aber nicht ausgewiesen. Dies sei auch die Ursache für den späten Termin der Insolvenzmeldung. Ihm sei aufgrund der Fehler in der Verlustrechnung das Ausmaß der wirtschaftlichen Problemlage bis zum Sommer 2002 nicht klar gewesen.

Um zu klären, wann der ehemalige kaufmännische Leiter über welche Informationen verfügen konnte, hat das Landgericht bis Ende des Jahres noch elf Prozesstage angesetzt. „Da die Geschehnisse jedoch sehr lange zurückliegen ist mit Aufklärungsproblemen zu rechnen“, sagte der vorsitzende Richter, Reinhard Wacker. Außerdem müsse im Falle einer Verurteilung aufgrund der langen Verfahrensdauer ein erheblicher Abschlag bei der Strafe gemacht werden.

Nach dem ersten Sitzungstermin verabredeten sich alle Parteien zu einer außergerichtlichen Unterredung. Nach Auskunft von Eckart K.s Anwalt, Erich Joester, konnte dabei jedoch keine Einigung erzielt werden. Somit wird der Prozess am kommenden Freitag fortgesetzt. Das Verfahren gegen den ebenfalls angeklagten damaligen technischen Geschäftsführer der SSW war in der vergangenen Woche gegen eine Zahlung von 15.000 Euro eingestellt worden.

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