Rechtsanspruch auf Betreuung

Frühförderung in Bremen Fehlanzeige

Die Opposition kritisiert scharf, dass aktuell mehr als 1066 Kita-Plätze fehlen, auch die Regierung nennt die Lage dramatisch. Die FDP hat den Kita-Mangel im Parlament zum Thema einer Aktuellen Stunde gemacht.
10.12.2019, 19:05
Lesedauer: 3 Min
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Frühförderung in Bremen Fehlanzeige
Von Sara Sundermann
Frühförderung in Bremen Fehlanzeige

1066 Kita-Plätze fehlen laut Behörde in Bremen. Real ist der Mangel sogar noch größer, sind sich Bildungspolitiker einig.

Rolf Vennenbernd /dpa

Mehr als 1000 Kita-Plätze fehlen in Bremen: Diesen akuten Mangel hat die FDP am Dienstag in der Bürgerschaft mit einer Aktuellen Stunde auf die Tagesordnung gesetzt. „Das Versprechen des früheren Bürgermeisters Carsten Sieling, jedes Kind werde einen Kita-Platz bekommen, ist in einem Ausmaß nicht eingelöst, das wir uns nicht hätten vorstellen können.“ Damit stieg FDP-Bildungspolitikerin Birgit Bergmann in das Thema ein. „Wir sind meilenweit davon entfernt, den Rechtsanspruch auf Betreuung umzusetzen“, betonte sie. Die Kita-Platz-Suche bestimme in Familien monatelang das Leben, für Alleinerziehende bedeute fehlende Betreuung ein Armutsrisiko.

Erschreckend sei, dass die meisten Plätze in benachteiligten Stadtteilen fehlen: „Das ist nicht sozial und einer rot-grün-roten Regierung unwürdig“, so Bergmann. Sie forderte „einen fraktionsübergreifenden Schulterschluss“ und „ein Kinder-Sparverbot“. Zudem brauche es Kitas mit längeren Öffnungszeiten und ein Online-Anmeldeverfahren. Aktuell fehlen Bergmann zufolge noch deutlich mehr Plätze als 1066 – in diesem Punkt stimmten ihr Bildungspolitiker aller Fraktionen zu. Die Zahl 1066 beschreibt nur die Familien, die der Behörde gegenüber noch ein zweites Mal bestätigt haben, dass sie weiter einen Platz brauchen. Diese Rückmeldung geben aber nicht alle Eltern.

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„Es gibt nichts zu beschönigen, 1000 fehlende Kita-Plätze sind 1000 zu viel“, sagte Solveig Eschen (Grüne). Hinzuzählen müsse man Eltern, die auf internen Wartelisten der Kitas stünden oder die Unterstützung bräuchten, um zu erkennen, dass es für ihr Kind gut wäre, in einer Kita gefördert zu werden. Es werde aber Einiges getan, um mehr Kita-Plätze zu schaffen, betonte Eschen: „Immobilien Bremen und Gewoba bauen, was das Zeug hält, aber der Fachkräftemangel ist weiterhin unser größtes Problem.“

„Die aktuellen Zahlen sind erschreckend“, stellte auch die Abgeordnete Sandra Ahrens (CDU) klar. Sie warf dem Senat beim Kita-Ausbau „blinden Aktionismus“ vor. Ahrens forderte eine umfassende Bedarfsanalyse, die benenne, wie viele Erzieher in den kommenden Jahren fehlen. Dabei müsse eingerechnet werden, dass Erzieher nicht nur in Kitas gebraucht werden, sondern auch in der Jugend- und Behindertenhilfe. Akut brauche es nun zudem Notprogramme für die unversorgten Fünfjährigen. „Ein fehlender Kita-Platz bedeutet konkret für viele Kinder, dass sie bei Schulstart den Stift nicht halten können – diese Kinder sind sofort abgehängt beim Schreibenlernen.“

Petra Krümpfer (SPD) ging darauf ein, wie es zu dem Kita-Platz-Mangel kam: „Statistiker lagen mit ihren Bevölkerungsprognosen falsch, die Zuwanderung kam noch hinzu.“ Basierend auf den falschen Prognosen habe Bremen zu wenig Erzieher ausgebildet. Zudem würden nun mehr Eltern in benachteiligten Stadtteilen Kita-Plätze nachfragen.

„Alle Jahre wieder stehen wir hier und reden über fehlende Kita-Plätze“, sagte Sophia Leonidakis (Linke). „Es schmerzt uns sehr, dass wir Eltern keinen Kita-Platz anbieten können. Das ist ein Drama, und wir setzen alles daran, das zu ändern.“ Die Behörde habe zuletzt über 1000 Plätze in Mobilbauten geschaffen – das sei „ein unvergleichbarer Kraftakt“ gewesen, so Leonidakis. Der FDP warf sie vor, keinerlei konkrete Vorschläge zu machen: „Das Einzige, was Sie hier machen, ist Luftschlösser bauen, da ist nichts Umsetzbares und Konstruktives dabei.“

Niemand im Senat stelle infrage, dass der Kita-Mangel derzeit das drängendste Problem sei, sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). „Ich bin angetreten, um den Kindern in der Stadt bessere und fairere Bildungschancen zu bieten, und ich werde auch nicht aufhören damit“, versprach Bogedan. Sie verwies darauf, dass Bremen seit 2015 rund 4000 Kita-Plätze geschaffen habe und seitdem die Zahl der ausgebildeten Erzieher um zwei Drittel erhöht habe. „Wir brauchen im Jahr etwa 500 Erzieherinnen und haben mittlerweile 650 Absolventinnen pro Jahr“, so Bogedan. „Wir hinken also nicht hinterher, aber wir müssen diese Absolventinnen natürlich auch halten.“

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