Gastkommentar über Kita-Angebote

Frühkindliche Bildung ist mehr wert

Trotz bereitgestellter finanzieller Mittel schaffen wir in Bremen kein bedarfsgerechtes Angebot, meint unser Gastautor Carsten Schlepper.
14.10.2019, 14:58
Lesedauer: 2 Min
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Von Carsten Schlepper
Frühkindliche Bildung ist mehr wert

Spielend lesen lernen bevor die Schule beginnt - das ist leider nicht für alle Kinder möglich.

Christina Kuhaupt

Viel ist im Moment die Rede vom Wert der Bildung. Bildung steht ganz oben im Programm der Bremer Regierungskoalition und soll mit Millionen Euros im Haushalt der nächsten Jahre hinterlegt werde. Da stellt sich die Frage, ob Bildung in Kita und Schule in Euros gemessen werden kann. Wie viel Geld leistet sich Bremen dafür? Pro Kind? Pro Kindergarten- und Schulplatz? Pro Erzieherin und Lehrer?

Wir leben in einem wohlhabenden Land und in einem Wohlfahrtsstaat. Aber wie viel Geld bereitgestellt wird, sagt noch nichts darüber aus, ob es auch bei allen ankommt. So sind über die Jahre viele Millionen Euro in die Kindertagesbetreuung geflossen. Doch trotz Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz haben immer noch nicht alle Kinder, die ihn brauchen, einen Platz. Zum einen können nicht schnell genug neue Kitas gebaut werden. Zum anderen fehlen nun auch noch die Fachkräfte für die vielen neuen Kindergartengruppen, die entstehen sollen. Trotz bereitgestellter finanzieller Mittel schaffen wir in Bremen kein bedarfsgerechtes Angebot.

Zudem werden die bestehenden Bildungsangebote immer noch nicht gerecht verteilt. Das Deutsche Jugendinstitut hat gerade wieder offengelegt, dass Kinder aus herkunftsbedingt benachteiligten Lebenslagen beim Besuch der knappen Krippenplätze häufig zu kurz kommen. Dieser Befund steht dem Streben nach Bildungsgerechtigkeit schon zu Beginn der Kindergartenzeit massiv entgegen. Die auseinanderklaffenden Bildungschancen in Deutschland durch die Abhängigkeit vom Elternhaus werden durch das Angebot der frühen Bildung von Anfang an verfestigt. Kinder aus bildungsnahen Familien besuchen demnach früher eine Krippe als Kinder aus dem bildungsferneren Milieu. Die Schere geht weiterhin auseinander.

Um für diese Kinder den Zugang zu Angeboten der frühen Bildung zu verbessern, sind die Strukturen dafür anzulegen. Vor Ort müssen in diesen Stadtteilen die Plätze vorgehalten werden und durch flexible niedrigschwellige Einstiege der Weg in die Kindertagesbetreuung erleichtert werden. Immer noch wird beim Ausbau der Kindertagesbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an erste Stelle gesetzt. Da, wo sich Eltern entsprechend zu Wort melden und ihre Ansprüche geltend machen, entstehen vorrangig die Angebote. Den Wert der frühen Bildung sollen aber auch die Kinder erfahren, deren Eltern nicht wegen ihres Berufs eine Betreuung in Anspruch nehmen wollen und für die nicht selbstverständlich ist, dass ihre Kinder am freiwilligen Angebot früher Bildung teilnehmen können.

Info

Zur Person

Unser Gastautor

leitet den Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder in der Bremischen Evangelischen Kirche. Zudem ist er Vorsitzender des Kinderschutzbundes Bremen.

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