50 Vogelarten leben heute noch im Oberneulander Park / Führung mit Fritz Ibold und Werner Eikhorst

Frühkonzert in „Höpkens Ruh“

Eine kleine Gruppe von Interessierten fand sich frühmorgens im Oberneulander Park "Höpkens Ruh" ein, um unter der Leitung von Fritz Ibold und Werner Eikhorst die Vogelwelt zu entdecken. Nach der gut zweistündigen Wanderung waren alle begeistert von Vogelgesang, Natur und Landschaft – und hatten viel gelernt.VON RENATE SCHWANEBECK
25.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Renate Schwanebeck

Eine kleine Gruppe von Interessierten fand sich frühmorgens im Oberneulander Park "Höpkens Ruh" ein, um unter der Leitung von Fritz Ibold und Werner Eikhorst die Vogelwelt zu entdecken. Nach der gut zweistündigen Wanderung waren alle begeistert von Vogelgesang, Natur und Landschaft – und hatten viel gelernt.VON RENATE SCHWANEBECK

Oberneuland. Sonnabend früh um sieben Uhr im Oberneulander Park "Höpkens Ruh": Stellenweise hat sich Reif gebildet, feine Nebelstreifen liegen über den Gräben der benachbarten Wiesen. Die ersten Sonnenstrahlen fallen durch die Bäume und verleihen dem malerischen Park etwas Geheimnisvolles. Aber das Sehen ist nicht das Einzige, um das es heute geht. Es geht auch ums Hören und damit um die Vogelwelt in "Höpkens Ruh".

Die Vögel sind bekanntlich Frühaufsteher, auch am Wochenende. Fünf Frauen und zwei Männer haben sich am Treffpunkt eingefunden, um an der Wanderung mit Werner Eikhorst und Fritz Ibold teilzunehmen. Mit dabei ist außerdem Gunnar Oertel von der Stiftung "Nordwest Natur", die diese Wanderung veranstaltet.

Bevor es losgeht, bahnen sich die ersten Gespräche an. Werner Eikhorst und Fritz Ibold haben stattliche Ferngläser umgehängt. Einige der Teilnehmer haben kleinere Exemplare dabei. "Welches ist das richtige für die Vogelbeobachtung?" Werner Eikhorst: "Das ist eine Religionsfrage. Entweder eines unter 100 Euro oder gleich über 1000 Euro. Dazwischen gibt es kaum eine nennenswerte Steigerung."

Zunächst begegnet die Gruppe einigen bekannten Vögeln: Krähen, Tauben und Meisen kreuzen den Weg. Wer ein Fernglas hat, zückt es. Und weg sind die Objekte der Begierde. Fritz Ibold: "Noch einmal etwas Grundsätzliches zur Vogelbeobachtung: Die Vögel bemerken die Linsen sofort und verschwinden." Ibold, der als Kind neben dem Ichon-Park aufwuchs, muss es wissen. Für ihn waren die Parks schon immer das Paradies. "Ich kenne die Stimmen schon im Unterbewussten." Der Exportkaufmann, der heute in Ottersberg lebt, hat hier schon als kleiner Junge die Vögel und die Natur beobachtet und träumte davon, Förster zu werden.

"Psst", machen die beiden Vogelkundler. "Jetzt krakelt gerade ein Eichelhäher", flüstert Ibold. "Der kann übrigens den Bussard-Ruf nachmachen." Alle lauschen. "Und jetzt der Zilpzalp, der Geldzähler", flüstert Werner Eikhorst, der als Ornithologe arbeitet. Man thematisiert die Sprache der Vögel. Dass manche lange Melodien singen, andere nur ein paar unmelodische Takte, dass andere krächzen. Fritz Ibold berichtet vom Sumpfrohrsänger. "Der kann bis zu 370 verschiedene Gesänge." Werner Eikhorst schmunzelt. "Ich kannte mal einen Sumpfrohrsänger, der auf einem Hühnerhof gelebt hat und auch immer ‚poak, poak, pooaak‘ gemacht hat."

Der Nachtigall fehlt das Unterholz

Eine Dame, die ganz in der Nähe wohnt, will wissen, warum denn der Pirol und die Nachtigall nicht mehr da sind. Sie erfährt, dass der Pirol ein klassischer Vogel des Auwaldes ist. Der Nachtigall fehlt das Unterholz. Warum denn so intensiv ausgeholzt werden müsse, will eine andere Teilnehmerin wissen. Das sei ein typisch deutsches Phänomen, erklärt Fritz Ibold. Gunnar Oertel packt eine Liste von Vogelarten aus, die Fritz Ibold zwischen 1939 und 1950 erstellt hat. Danach lebten 76 Arten in diesem Park und umzu. Heute schätzen Ibold und Eikhorst die Zahl auf etwa 50 Arten.

Am Teich fliegen einige Graugänse empört auf. Stare, Kleiber, Rotkehlchen, Buchfinken, Spatzen und ein Buntspecht überfliegen die Wandergruppe. "Wie singt eigentlich ein Spatz?", will jemand wissen. Werner Eikhorst: "Der chilpt."

Während oben in den Wipfeln das Früh-Konzert seinem Höhepunkt entgegengeht, wird unten gestaunt, gelauscht, gefragt und erklärt. Zum Beispiel, dass die Spechte mit einer speziellen Gehirn-Aufhängung ausgestattet sind, damit sie beim Klopfen keine Kopfschmerzen bekommen. Und dass sie ihre Höhlen nur einmal nutzen, dass sich aber andere Arten über die tollen Wohnungen freuen. Fritz Ibold: "Das ist sozialer Wohnungsbau!"

Und die Zuhörer lernen, dass die Vögel vor allem in den Frühstunden singen und dass in der Zeit bis Juni/Juli, bis die Brut aufgezogen ist. Ibold: "Danach wird der Gesang weniger." Am Ende sind alle begeistert. Maria Schmitz aus Sebaldsbrück bringt es auf den Punkt: "Ich bin so froh, dass ich aufgestanden bin. Erst habe ich überlegt, ob ich wirklich kommen soll. Ich habe viel gelernt."

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