Zu lange Schlangen, schlechte Luft

Frust über Service der Deutschen Post in Osterholz und der Vahr

Weniger Filialen und mehr Klagen. Anwohner in Osterholz und der Vahr sind frustriert über den Service der Post in den Stadtteilen.
27.07.2019, 07:42
Lesedauer: 3 Min
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Frust über Service der Deutschen Post in Osterholz und der Vahr
Von Christian Hasemann
Frust über Service der Deutschen Post in Osterholz und der Vahr

Großer Andrang mittags vor und in der Post-Filiale im Schweizer Viertel in Tenever. Kunden klagen über lange Wartezeiten.

PETRA STUBBE

Zu lange Schlangen, schlechte Luft oder gar gleich ganz geschlossen: Die Bewohner in der Vahr und in Osterholz ärgern sich über den aus ihrer Sicht schlechten Service der Deutschen Post AG im jeweiligen Stadtteil. Für besonderen Frust allerdings sorgte in den vergangenen Tagen und Wochen das Fehlen von etwas ganz Kleinem, nämlich von Briefmarken.

Als Dieter Hecht die Postfiliale in der Berliner Freiheit am frühen Nachmittag betrat, traf ihn fast der Schlag: „Die Luft in den Räumlichkeiten: umwerfend“ , sagt Dieter Hecht. Das sei ein Garant für einen Kreislaufkollaps. Kaufen wollten er und seine Frau Zehn- und 15-Cent-Briefmarken – das kürzlich erhöhte Briefporto für einen Standardbrief von 70 auf 80 Cent und für Postkarten von 45 auf 60 Cent zum 1. Juli macht dies für die Hechts nötig. „Wir schreiben tatsächlich noch Briefe und Postkarten“, erklärt Dieter Hecht. Und deswegen hat die Familie gerne Marken auf Vorrat zuhause und wollte die alten Marken passend ergänzen.

Mangelware Marke

Immerhin: Sie mussten nach eigenen Angaben nur fünf Minuten anstehen, bis sie die nötigen Zehn-Cent-Briefmarken bekamen. Aber was dann kam, dabei fühle sich Dieter Hecht an eine Comedy-Show erinnert, erzählt er. „15-Cent Briefmarken hatte die Frau an der Kasse nicht.“ Erst nach mehreren Nachfragen habe er die Antwort erhalten, dass die Kollegin nebenan noch passende Marken hätte. „Dafür hätten wir uns aber wieder hinten anstellen müssen.“ Buchungstechnisch sei es nicht möglich, aus einer anderen Kasse eine Marke herüber zu reichen, sei ihm gesagt worden. Anstellen wollte sich Dieter Hecht dann aber nicht noch einmal. Stattdessen versuchte er es am vergangenen Mittwoch in der Filiale in der Pfalzburger Straße. „Die hatten aber auch keine 15-Cent-Marken.“

Briefmarken als Mangelware? Offenbar kein Einzelfall. Kirsten Hartmann hat im Einkaufszentrum Blockdiek Ähnliches erlebt. „Ich musste erleben, dass eine Kundin zu ihrem Porto von 70 Cent, ihren Brief mit 90 Cent auf den Weg bringen musste.“ Offenbar stelle die Post keine ausreichende Anzahl an Marken für die Differenzbeträge zwischen altem und neuem Porto zur Verfügung. Erst zum Wochenende sollten wieder entsprechende Marken vorhanden sein, habe man ihr gesagt. „Aber auch am Freitag konnte man kein entsprechendes Porto erhalten“, berichtet Kirsten Hartmann. Für sie sei es ein Unding, dass die Kunden genötigt seien, mehr Porto als nötig auf die Umschläge zu kleben. „Das ist ein ordentliches Nebeneinkommen der Post.“

Tatsächlich gab es bundesweit Probleme mit der ausreichenden Bereitstellung von Marken für die Porto-Differenz. Insbesondere Zehn-Cent-Marken fehlten. Die Post verweist unter anderem auf Postmarken-Automaten, um an die gewünschten Marken zu kommen, solch einen gibt es in Blockdiek allerdings nicht mehr. Wer keine passenden Marken habe, könne außerdem den Brief in der Filiale frankieren lassen. Dort könnten am Schalter auch Zehn-Cent-Marken ausgedruckt werden – jedoch nur für aufgegebene Sendungen, nicht zum Mitnehmen, so die Post. Eine Möglichkeit, die in Blockdiek offenbar nicht wahrgenommen wurde. Und auch Dieter Hecht sagt, dass ihm diese Möglichkeit nicht vorgeschlagen worden sei.

Filialsterben in der Fläche

Der Marken-Ärger mischt sich in Blockdiek mit dem noch nicht ganz verrauchten Ärger über die Aufgabe der Postbank-Filiale, in der auch die Deutsche Post ihre Filiale betrieb – gegen den Protest von Lokalpolitik und Bewohner. Ein Einzelhändler hat zumindest einen Teil des Dienstleistungsangebots der Post übernommen. Die nächste Postbank mit Postfiliale findet sich im Schweizer Viertel, eine Alternative ist das Einkaufszentrum Berliner Freiheit. Die Blockdieker Filiale ist dabei kein Einzelfall, vor kurzem wurde beispielsweise auch die Postbankfiliale in der Brunnenstraße im Steintor geschlossen.

Die Postbank ist aber nur eine Bank von vielen, die sich aus der Fläche zurückziehen. In Tenever schloss die Sparkasse Bremen ihre Filialen, in Hemelingen zog sich die Deutsche Bank aus der Bahnhofstraße zurück. In anderen Filialen wird das Schalterpersonal abgebaut. Das Argument ist immer gleichlautend: Durch den zunehmenden Zahlungsverkehr über das Internet lohne sich der Betrieb der Filialen nicht mehr, die Nutzerzahlen gingen stark zurück.

Anwohner und Lokalpolitik kritisieren diesen Rückzug. Sie sind der Meinung, dass dies vor allem die älteren und nicht mobilen Menschen treffe, die mit der neuen Technik nicht vertraut und auf Filialen angewiesen seien und nun weite Wege zurücklegen müssten. Auch Familie Hartmann aus Blockdiek mahnt: „Wir sind noch nicht so alt, aber die ältere Generation findet sich online nicht zurecht und macht kein Online-Banking.“ Sie hätten außerdem beobachtet, dass die noch verbliebenen Filialen nun überlaufen seien. In einigen Ortsteilen kommt dazu noch der Rückzug von Lebensmittelfilialen, beispielsweise in Tenever.

Ärger auch im Netz

Auch im Internet bricht sich Ärger von Kunden Bahn. So schreiben Nutzer von einer chronisch überlasteten Filiale im Schweizer Viertel und Schlangen bis zur Tür. Dort müssen nun zum Teil auch Blockdieker ihre Pakete abholen. Mitte Juli war die Filiale indes freitags und sonnabends wegen Krankheit geschlossen, Pakete seien danach nicht auffindbar gewesen, heißt es in einem Internetkommentar.

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