Grüne setzen auf Express-Trassen für Fahrradfahrer / Dänische Hauptstadt Kopenhagen dient als Vorbild

Fünf Minuten schneller zur Uni

Mit einem "Masterplan" wollen die Bremer Grünen den Fahrradverkehr beschleunigen. Bei einer Podiumsdiskussion haben die Bürgerschaftsabgeordneten Ralph Saxe und Carsten Werner erläutert, wie sie sich die Fahrradstadt Bremen vorstellen. Als Vorbild dient ihnen Kopenhagen. Wie es die dänische Hauptstadt geschafft hat, den Autoverkehr zurückzudrängen, erzählte der Autor Johann-Günther König. Dagegen nehmen sich die vorläufigen Ziele der Grünen recht bescheiden aus.
08.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Palm

Mit einem "Masterplan" wollen die Bremer Grünen den Fahrradverkehr beschleunigen. Bei einer Podiumsdiskussion haben die Bürgerschaftsabgeordneten Ralph Saxe und Carsten Werner erläutert, wie sie sich die Fahrradstadt Bremen vorstellen. Als Vorbild dient ihnen Kopenhagen. Wie es die dänische Hauptstadt geschafft hat, den Autoverkehr zurückzudrängen, erzählte der Autor Johann-Günther König. Dagegen nehmen sich die vorläufigen Ziele der Grünen recht bescheiden aus.

Bremen-Nordost·Östliche Vorstadt. Fünf Minuten können eine lange Zeit sein. Vor allem für jemanden, der sie im Winter auf einem Fahrrad an roten Ampeln verbringen muss. Geht es nach den Grünen, werden in Zukunft weniger Radler unnötig Zeit vergeuden. In ihrem "Masterplan Fahrradverkehr" schlägt die Bürgerschaftsfraktion zwei Express-Trassen vor, eine davon vom Marktplatz zur Universität. Fünf Minuten könnten die Radfahrer so auf dem Weg nach Horn-Lehe sparen, hat Ralph Saxe überschlagen. Doch dafür müsste auf der Strecke einiges umgestaltet werden, sagt der Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete.

Es fange an hinter der Bischofsnadel. Auf und hinter der Brücke am Bischofstor müsse der Raum deutlich zwischen Radfahrern und Fußgängern aufgeteilt werden, im folgenden Abschnitt könne die Rembertistraße zur Fahrradstraße und die Ampelschaltung für die Radler verbessert werden. Die Vorrangstrecke für Radler in der Wachmannstraße solle verlängert, und die Situation in der H.-H.-Meier-Allee neu geregelt werden. "Der Radweg ist dort kaum noch zu benutzen wegen der Autos, die darauf parken", sagt Saxe. Der Weg könne auf die rechte Fahrspur verlegt werden.

Es sind eher kleine Veränderungen, die die Grünen vorschlagen. In der Summe sollen sie längerfristig den Anteil des Radverkehrs in Bremen verdoppeln. Noch beträgt er 26 Prozent, 50 sollen es werden.

Der Abend im Café Ambiente am Osterdeich ist ein Heimspiel für Saxe und seinen Fraktionskollegen Carsten Werner. Davon, dass Bremen fahrradfreundlicher werden soll, sind hier die meisten überzeugt. Die vom Fahrtwind gekühlten Brillengläser beschlagen beim Eintreten in den beheizten Raum. Die meisten sind mit dem Rad gekommen. Schon vor Beginn diskutieren sie über die neuesten Statistiken, über Ampelschaltungen und Unfallschwerpunkte. Autokritiker unter sich - man duzt sich.

Radfahren als Kultur

In Kreisen der Fahrradfreunde gibt es ein Wort für das, was die Grünen in Bremen vorhaben. Es lautet "Kopenhagisieren". Während noch diskutiert wird, haben die Radfahrer in der dänischen Hauptstadt schon an vielen Stellen Vorfahrt. Gut zwei Stunden sitzt die Runde zusammen. In dieser Zeit legten Fahrradfahrer in Kopenhagen rund 100000 Kilometer zurück. Das jedenfalls behauptet der Zähler auf einer Internet-Seite, die der Modell-Fahrradstadt huldigt. Dort sei das Radfahren zu einer Kultur geworden, erzählt der Bremer Johann-Günther König.

Der Autor, Autokritiker und Kopenhagen-Experte berichtete von seinen Erfahrungen in der dänischen Stadt. Noch in den 70er-Jahren hätten dort Autos das Stadtbild dominiert. Dann seien nach und nach fast alle vier- oder sechsspurigen Straßen umgebaut worden, um den Radlern mehr Platz zu geben. Mit dem gleichen Ziel wurden viele Parkplätze für Autos gestrichen. "Das ist der erste Schritt, den eine Stadt gehen muss", sagt König.

Für Fahrradfahrer ist Kopenhagen die gelobte Stadt. Es gibt flexible grüne Wellen für die Zweiräder. Im Winter würden dort als erstes die Radwege vom Schnee befreit, und 37 Prozent aller Berufstätigen und Studenten pendelten mittlerweile mit dem Rad zur Arbeit, berichtet König. "Die Autofahrer haben dort nicht mehr viel zu melden" - schon weil die Parkgebühren so teuer sind, meiden sie das Stadtzentrum.

König haben die Grünen jedenfalls auf ihrer Seite bei ihrem Versuch, Bremen zur Fahrradstadt zu machen. Er sagt: "Wir werden das Auto nicht abschaffen, aber aus der Innenstadt soll es verschwinden."

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