12000 Kinder in Afghanistan profitieren von den Spenden

Fünf Schulen mit Bremer Hilfe gebaut

Bremen. Wenn der Verein Independent Afghan Women Association heute den zehnten Jahrestag seiner Gründung begeht, können die Mitglieder um Initiatorin Laila Noor eine gute Bilanz ziehen.
14.09.2013, 00:00
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Fünf Schulen mit Bremer Hilfe gebaut
Von Frauke Fischer
Fünf Schulen mit Bremer Hilfe gebaut

Dass Jungen und Mädchen gemeinsam lernen, war in Afghanistan lange nicht möglich. Mit Spendengeldern wurden Schulen errichtet, die zur Veränderung beigetragen haben. FOTO: FR

Frauke Fischer, Laila Noor

Wenn der Verein Independent Afghan Women Association heute den zehnten Jahrestag seiner Gründung begeht, können die Mitglieder um Initiatorin Laila Noor eine gute Bilanz ziehen: Sie haben mit Spendengeldern fünf Schulen für 12000 Mädchen und Jungen in Afghanistan gebaut.

Als Laila Noor die Grundsteinlegung für die erste Mädchenschule in Afghanistan als Initiatorin des Spendenprojekts miterlebte, war sie sicher, nie wieder etwas Ähnliches schaffen zu können. Doch innerhalb von zehn Jahren hat die gebürtige Afghanin mit dem Verein Independent Afghan Women Association (IAWA) 12 000 Mädchen und Jungen Zugang zu Bildung verschafft. Die Ersten studieren inzwischen an Universitäten in Kabul und Jalalabad. Studierende, Schüler, Mütter, Lehrer und Minister der Regierung kommen in der Filmdokumentation zu Wort, die zum zehnten Jahrestag der Vereinsgründung heute in der Villa Ichon den Gästen gezeigt wird.

„Wenn ich die jungen Menschen in Afghanistan sehe, dann gibt mir das Kraft“, sagt Laila Noor. Erst kürzlich war sie für mehrere Wochen in Kabul und hat von dort die Schulstandorte bereist. Wieder einmal, denn die Afghanin pendelt zwischen den Welten. Sie hat als Tochter des damaligen Oberbürgermeisters von Kabul in den 60er-Jahren in Deutschland unter anderem Modedesign studiert, später mehrere Jahre in der Kultur- und Presseabteilung der deutschen Botschaft in Kabul gearbeitet. 1979, nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee in Afghanistan, floh sie mit ihrer Familie nach Deutschland, lebte zunächst in Bremerhaven und seit mehreren Jahrzehnten in Bremen-Nord.

Laila Noors Mann engagiert sich seit zehn Jahren unter anderem beim Wiederaufbau der afghanischen Polizei. Gleich nach der Beendigung des Taliban-Regimes begann Laila Noor mit Spendenprojekten, um Schulen in Afghanistan bauen zu lassen. Vor allem für Mädchen, die damals komplett von Bildung abgeschnitten waren.

Heute gibt es fünf große Einrichtungen, die mit Vereinshilfe sowie durch finanzielle Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit verwirklicht werden konnten. Zum Teil werden Mädchen und Jungen in gemeinsamen Klassen unterrichtet – auch das ein Novum in Afghanistan, wie Laila Noor sagt. Die erste Mädchenschule ist inzwischen ein gemischtes Gymnasium; das Gebäude wurde aufgestockt, damit 2300 Schüler in drei Schichten dort täglich unterrichtet werden können. An der größten von IAWA initiierten Schule lernen täglich 6000 Kinder. Es gibt gut möblierte Klassenräume, Labore und Bibliotheken an allen Standorten, die komplett durch Spenden eingerichtet werden konnten. Die Gehälter der Lehrer allerdings zahlt die Regierung, erklärt Noor das Konzept.

Mit wachsender Sorge beobachtet sie die Entwicklung in ihrer Heimat, die vor allem durch den für 2014 geplanten Abzug der NATO-Truppen, eventuell aller US-Truppen, geprägt wird. Es muss neu gewählt werden. „Viele Menschen haben Angst, dass die Taliban zurückkommen“, gibt sie wieder, was sie in Kabul, aber auch in den Dörfern gehört hat. Neben der Furcht vor Unruhen haben die Menschen oft auch wirtschaftliche Sorgen. In den Verwaltungsapparaten von USA und NATO haben viele Afghanen Arbeit gefunden. „Ein Arbeitsplatz ernährt oft acht bis neun Menschen“, sagt Laila Noor.

Was ihnen außerdem schwer zusetze, so die Afghanin, sei die Korruption. Schmiergeldzahlungen seien an der Tagesordnung. Viele Finanzhilfen versickerten. Umso mehr Hoffnungen setzt Laila Noor auf die nächste Generation, die jetzt an den Universitäten ist und das gesellschaftliche und politische Leben in den kommenden Jahren zunehmend mitbestimmen wird. „Sie sind wachsam und sehr aktiv“, sagt Laila Noor. Und sie drängt: „Es müssen endlich Menschen in wichtige Positionen gelangen, die nicht korrupt sind.“

Weitere Informationen zu IAWA gibt es unter www.iawa-online.org

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