Deutschland - Ghana

Für Bremer Promis bleibt kaum Zeit zum Public Viewing

Bremen. Deutsche Flaggen an Autos, auf Balkonen und in Kleingartenanlagen sind sichtbare Zeichen für kollektive WM-Euphorie nach einer Delle wegen des verlorenen Spiels gegen Serbien. Wo gucken wir heute Abend und wie geht es aus? Wir fragten bei einigen Bremer Prominenten nach.
23.06.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Junck

Bremen. Das Fußballfieber steigt und steigt. Deutsche Flaggen an Autos, auf Balkonen und in Kleingartenanlagen sind ein sichtbares Zeichen für kollektive Euphorie nach einer Delle wegen des verlorenen Spiels gegen Serbien. Wo gucken wir heute Abend und wie geht es aus? Wir fragten bei einigen Bremer Prominenten nach.

Jens Böhrnsen, derzeit erster Mann im Staate, würde gern zu Hause oder zumindest im Rathaus vor dem Bildschirm sitzen. Geht aber nicht wegen seiner vielfältigen Verpflichtungen. Genau zur Übertragungszeit nimmt er an einem festlichen Essen des deutschen EU-Botschafters in Brüssel in seiner Eigenschaft als Bundesrats-Präsident teil. Zur gleichen Veranstaltung ist auch Bremens grüne Europa-Abgeordnete Helga Trüpel geladen. Sie lässt sich von ihrer Tochter über SMS auf dem Laufenden halten, tippt 2:0 für Deutschland und hofft im Übrigen, 'dass vielleicht doch ein Fernseher in der Nähe ist'. Schon, weil so viele Deutsche bei dem Empfang sind.

In Brüssel auf Dienstreise ist auch Flughafenchef Jürgen Bula, der es aber irgendwie mit dem Intercity schaffen will, nach Ende der Sitzung nach Mainz und dort in das ZDF-Studio zu gelangen, um mit alten Freunden zu gucken. 'Die Jungs machen das schon, ist doch eine Frage der nationalen Ehre', meint der frühere aktive Fußballer und tippt auf 3:1 für Deutschland. Den Dämpfer gegen Serbien findet er 'ganz heilsam', weil er die Mannschaft nach dem hohen Sieg gegen harmlose Australier wieder auf den Boden der Realität zurück geholt habe. 'Die anderen können schließlich auch Fußballspielen', sieht er die WM voller Überraschungen.

'Mindestens drei Tore' machen Özil und Cacau nach Einschätzung von Brepark-Chefin Erika Becker. Sie ist auf einer Fachtagung in Gelsenkirchen und hofft schwer, dass dort ein gemeinsames Fußballgucken organisiert ist. Mit einem 3:1-Sieg rechnet auch Peter Siemering, Chef der Bremer Touristik Zentrale (BTZ). Weil er vor seinem Urlaub noch viel im Büro zu erledigen hat, weiß er nicht, ob er rechtzeitig rauskommt, will dann aber entweder schnell an die Schlachte oder zum Theater am Goetheplatz, um sich Public Viewing in der Menge zu gönnen. 'Das macht doch am meisten Spaß.' Er erinnert an die letzten Weltmeisterschaften, als das zweite Spiel gegen Kroatien ebenfalls verloren ging und die Deutschen trotzdem weiterkamen. 'Wir Laien haben eigentlich alle keine Ahnung, sind aber trotzdem mit Leidenschaft dabei', nimmt er sich und das Fußballvolk auf die Schippe.

Renke Brahms, Schriftführer und damit höchster Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), fühlt zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Eines für Ghana, wo er letztes Jahr war und die Fußballbegeisterung vor Ort erlebte. Doch wenn es nun zum Schwure kommt, ist er schweren Herzens für Deutschland und tippt auf 3:1. Er hofft insbesondere, dass es zu keinen Überreaktionen gegen Kevin-Prince Boateng kommt. Alle Interessierten wissen: den Ballack-Kaputttreter. Den Abend hat er generalstabsmäßig organisiert: Nach einer Sitzung bis gegen 20 Uhr radelt er sofort zum Zion-Gemeindezentrum in der Neustadt, wo immer ordentlich etwas los ist. Auch er freut sich auf das gemeinsame Erleben eines - wie er hofft - großen Fußballabends mit vielen Leuten.

Eine Frage von Sitzungsdauer und Organisation wird es auch für Bürgermeisterin Karoline Linnert. Sie sitzt den ganzen Tag mit den Finanzministern der Bundesländer auf einem Vorbereitungstreffen in der Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern. Wenn es geht, will die fußballbegeisterte Mutter eines kickenden Sohnes dann so schnell in die Bremische Vertretung sausen, um den von ihr prognostizierten 3:1-Erfolg mitzuerleben. Die deutsche Mannschaft sieht sie dabei 'bis in die Haarspitzen motiviert und ungefährdet, wenn Özil richtig eingesetzt wird.'

Sportsenator Ulrich Mäurer hat Glück: Ihn treibt am Abend kein Termin aus dem Haus. So kann er es ganz entspannt im eigenen Wohnzimmer angehen lassen. Auch für ihn steht ein deutscher Sieg außer Frage, allerdings fällt er mit 2:1 etwas knapper als in den übrigen Voraussagen aus. Zu Hause guckt auch Bremens Frauen-Beauftragte Ulrike Hauffe, 'weil ich nebenher dann noch einiges machen kann'. Als Schwester des bekannten Sportreporters Armin Hauffe und aufgewachsen auf Schalke, hat sie Fußball mit der Muttermilch eingesogen. Ihr Expertinnentipp 2:1. Ein 3:1 wäre ihr ein bisschen kühn bei der starken Abwehr der Ghanaer.

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